Analysten sind skeptisch: Der Chipmarkt kriselt weiter

Analysten sind skeptisch
Der Chipmarkt kriselt weiter

Der niederländische Elektronikkonzern Philips hat vor einer weiteren Abschwächung des Computerchip-Markts gewarnt und den Abbau von bis zu 4000 Arbeitsplätzen angekündigt.

Reuters AMSTERDAM. Der Abschwung auf den Halbleiter-Märkten, in der Telekom - und der Computerbranche habe sich ebenso wie die Nachfrageschwäche nach Konsumelektronik im zweiten Quartal verstärkt und sich auf nahezu alle Regionen ausgeweitet, teilte Philips am Dienstag mit. Der Konzern schloss sich damit ähnlichen Einschätzungen von Epcos an. Philips teilte zudem mit, nach einem deutlichen Verlust im abgelaufenen Quartal nicht mehr mit einem Gewinn im Jahr 2001 zu rechnen. Analysten äußerten sich nach der Mitteilung überwiegend skeptisch zur weiteren Entwicklung der Chip-Branche. Der Kurs der Aktien von Philips gab nach der Mitteilung deutlich nach. An den Börsen verloren auch andere Technologiewerte an Wert.

"Wir bleiben sehr vorsichtig bei unserer Einschätzung für die wirtschaftliche Entwicklung im weiteren Jahresverlauf 2001, die voraussichtlich schwach bleibt", teilte der größte europäische Hersteller von Konsumelektronik und drittgrößte Chiphersteller weiter mit. "Für den Halbleitermarkt ist unsere derzeitige Erwartung, dass es keinen Aufschwung vor 2002 geben wird." Für seinen Bereich Computerchips kündigte Philips an, in der zweiten Jahreshälfte 3000 bis 4000 Arbeitsplätze abzubauen. Insgesamt werde Philips damit bis zum Jahresende im Konzern mehr als 10 000 Stellen gestrichen haben.

Im abgelaufenen zweiten Quartal wies Philips einen Verlust von 770 Mill. ? nach 3,6 Mrd. ? Gewinn im Vorjahreszeitraum aus. Ohne Sonderposten betrug der Quartalsverlust 348 Mill. ?. Analysten hatten im Durchschnitt vor Sonderposten ein Minus von 358 Mill. ? vorhergesagt. Im zweiten Quartal 2000 hatte Philips vor Sonderposten noch 699 Mill. ? Gewinn erwirtschaftet. Der Konzern kündigte an, im zweiten Halbjahr voraussichtlich zusätzliche Rückstellungen von 250 bis 300 Mill. ? zu bilden, wodurch die Höhe der Rückstellungen für das Gesamtjahr 2001 auf bis zu eine Milliarde Euro ansteigen würde.

Der Tiefpunkt bei der Gewinnentwicklung werde wohl im dritten Quartal 2001 erreicht, hieß es zudem. Für das Gesamtjahr werde der Konzern vor Sonderposten voraussichtlich ein ausgeglichenes Ergebnis oder einen leichten Verlust ausweisen. Analysten äußerten sich nach der Philips-Mitteilung skeptisch über die Verfassung des Chip-Marktes. "Die Leute hatten gehofft, dass Philips mitteilt, das Tal durchschritten zu haben und dass die zweite Jahreshälfte wieder besser wird. Das ist nun fraglich", sagte Gert Jan Geels von Eureffect. Die Analysten von SNS Securities teilten mit: "Obwohl das Ergebnis im zweiten Quartal nicht weit von der Schätzung der Experten abweicht, wird der düstere Ausblick zu substanziellen Senkungen der Prognosen für das zweite Halbjahr und auch für 2002 führen. Es wäre jetzt deutlich zu früh, schon wieder in Philips-Aktien einzusteigen."

Vor knapp zwei Wochen hatte die deutsche Epcos AG, die elektronische Bauelemente herstellt, eine Gewinnwarnung für das abgelaufene Quartal ausgegeben. Zudem hatte Epcos mitgeteilt, im laufenden Quartal keine Verbesserung der Geschäftslage zu erwarten. Als Grund hatte Epcos ebenfalls einen Einbruch der Nachfrage in der Telekommunikation und Unterhaltungselektronik genannt.

Am Dienstag kündigte zudem der japanische Chiphersteller Fujitsu angesichts der weltweit gesunkenen Nachfrage nach seinen Produkten eine Drosselung der Produktion an. Damit schloss sich das Unternehmen entsprechenden Mitteilungen der Wettbewerber Toshiba, Hitachi und NEC an. Auf die Auswirkungen der Maßnahmen auf die Gesamtproduktion wollte eine Fujitsu-Sprecherin nicht eingehen.

Erholung in der zweiten Jahreshälfte?

Der Chef des US-Chipherstellers Intel hält eine Erholung der Halbleiterbranche in der zweiten Jahreshälfte für möglich. Konkrete Prognosen gibt er allerdings nicht ab. "Wir erwarten, dass es mit der Computerindustrie in der zweiten Jahreshälfte aufwärts geht, aber das hängt von vielen Dingen ab", sagte Intel-Chef Craig Barrett der "Süddeutschen Zeitung". Beeinflusst werde die Entwicklung unter anderem davon, ob der Abschwung in Europa anhalte, ob Asien stark bliebe und Lateinamerika weiter in Informationstechnologien investiere.

Derzeit befinde man sich in einem Auftragsengpass, in der Kunden kurzfristig ihren Bedarf aufstocken würden, sagte der Intel-Chef weiter. "Deshalb können wir wohl erst in ein paar Monaten sagen, wie es in der zweiten Jahreshälfte wirklich läuft." Er könne sich aber nicht vorstellen, dass das Wachstum in der Branche auf lange Sicht nachlasse. "Die langfristigen Aussichten sind sehr gut." Irgendwann habe jeder Haushalt einen schnellen Internetzugang, was viele neue Möglichkeiten schaffe.

Intel hatte Anfang Juni trotz einer andauernden Schwäche in der Halbleiterbranche mit einem als positiv eingeschätzten Ausblick überrascht, nach dem der Konzern an seiner Umsatzprognose von 6,2 bis 6,8 Mrd. Dollar für das zweite Quartal festgehalten hatte.

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