Analysten sind skeptisch
Flaute trübt 100-Tage-Bilanz von Pischetsrieder

Schon im ersten Jahr als VW-Chef will Bernd Pischetsrieder ein echtes Kunststück vollbringen: Trotz Autoflaute soll der Wolfsburger Konzern einen Vorsteuergewinn wie 2001 ausweisen, und das waren zum Abschied von Vorgänger Ferdinand Piëch immerhin 4,4 Milliarden Euro.

dpa WOLFSBURG. Dabei wurden im ersten Halbjahr am heimischen deutschen Markt mit rund 500 000 Autos 5,7 Prozent weniger verkauft als im schon schwachen Vorjahreszeitraum. Europaweit sieht es ähnlich aus, auch in Nordamerika werden die Absatzzahlen aus 2001 verfehlt. Und die Prognosen sind zumindest verhalten.

Um die Gewinnziele dennoch zu erreichen, will Pischetsrieder den "eingeschlagenen Kurs der Kostenreduzierung fortführen", wie er Anfang Juni der SPD-Zeitung "vorwärts" erklärte. Die von Piëch angeschobene Plattform- und Gleichteile-Strategie soll weiter Milliarden sparen. Die von VW kürzlich erstmals nach ihren Einschätzungen gefragten Analysten von 46 Investmenthäusern sind dennoch skeptisch.

"Konzern steht auf solidem Fundament"

Sie rechnen im Schnitt mit rund 4 Milliarden Euro Vorsteuergewinn. "Da wird sich noch mancher wundern", gibt sich aber ein VW-Sprecher optimistisch. Die Halbjahresdaten am 30. Juli werden auf jeden Fall Hinweise geben. "Der VW-Konzern steht heute auf einem soliden Fundament", betonte Pischetsrieder aber schon zuvor. Allerdings versetzt er auf diesem Fundament manchen Pfeiler.

"Konzerninteresse geht vor Markeninteresse", verkündete er im "manager magazin" die Abkehr vom System Piëch, der die Konzernmarken gegeneinander antreten ließ. "Die Eigenständigkeit der Marken hat bisweilen zu grotesken Entscheidungen geführt", grantelte der Bayer. Ihm ist vor allem die sich oft überlappende Modellvielfalt ein Dorn im Auge.

"Die Audi-Gruppe mit Seat und Lamborghini wird in spätestens zwei Jahren so dastehen, wie sie es soll: Mit einem komplementären Modellprogramm sportlicher Fahrzeuge zu Preisen zwischen 15 000 und 200 000 Euro." Auch Skoda soll in der VW-Gruppe der Muttermarke weniger Konkurrenz machen. "Diese Marke muss mehr Auto, mehr umbauten Raum für das gleiche Geld und weniger die Ausstattungsmerkmale eines höherwertigen Fahrzeugs wie eines VW bieten."

Wichtige Weichen für Nutzfahrzeuge gestellt

Auch für die Tochter Nutzfahrzeuge hat Pischetsrieder eine wichtige Weiche gestellt: Grünes Licht für den Bau des Großraumvans Microbus durch die Übernahme des Tarifmodells 5000x5000. Dadurch entstehen 1500 neue Arbeitsplätze im Werk in Hannover, sehr zur Freude des Hauptaktionärs Land Niedersachsen mit Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) an der Spitze. Doch der VW-Chef verwies ausdrücklich darauf, die Entscheidung für das neue Modell sei auf betriebswirtschaftlicher Grundlage gefällt worden.

In seinen ersten 100 Tage im Amt hat Pischetsrieder außerdem den Startschuss für den Verkauf des neuen Luxuswagens Phaeton gegeben, den er selbst übrigens lediglich in der "Oberklasse" ansiedelt. Der bekennende Motorsportfan gab zudem noch die Verpflichtung der bekannten Rallyefahrerin Jutta Kleinschmidt für die Teilnahme des neuen VW-Geländewagens Touareg an der Rallye Paris- Dakar bekannten Extrem-Wettfahrt bekannt.

Mit der Präsentation dieses Geländewagens im Herbst und dem Minivan auf Golf-Basis im Frühjahr schließt VW endlich einige der von Pischetsrieder beklagten Marktlücken. Allerdings hat er seine Kritik relativiert: "Wir sind der größte europäische Hersteller, obwohl wir in den drei größten Wachstumssegmenten nicht vertreten sind. Das bietet für die Zukunft riesige Chancen."

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