Analysten sind skeptisch
Gewinnwarnung bei Cisco

Der weltgrößte Netzwerkausrüster Cisco Systems rechnet für sein drittes Quartal des Geschäftsjahres 2000/01 damit, die Gewinnschätzungen der Analysten deutlich zu verfehlen.

rtr SAN FRANCISCO. Für das dritte Quartal sei nunmehr mit einem "sehr niedrigen" einstelligen Proforma-Gewinn je Aktie zu rechnen, teilte das Unternehmen am Montag nach US-Börsenschluss mit. Für das Quartal rechnen Analysten derzeit nach einer Umfrage von First Call/Thomson Financial im Schnitt mit einem Gewinn je Aktie von acht Cents. Zugleich kündigte Cisco den Abbau von 8500 Arbeitsplätzen und einen kräftigen Umsatzrückgang für das Quartal an. Die Aktie verbuchte daraufhin nachbörsliche Kursverluste.

Cisco

- Intraday-Chart

Das Geschäftsumfeld sei "nie zuvor schwieriger gewesen", hieß es in einer Unternehmensmitteilung. Im Vergleich zum zweiten Quartal sei zudem ein Umsatzrückgang von 30 % zu erwarten. Die Nachfrage-Schwäche sei nun deutlich auch auf die Regionen Asien-Pazifik und nach Europa übergesprungen. Nie zuvor habe Cisco eine so schnelle und deutliche Abkühlung der Geschäfte gesehen. "Dies könnte der bislang rascheste Abschwung in einer Branche unserer Größenordnung sein", erklärte Cisco-Chef John Chambers. Vom Unternehmen habe dies schwierige Geschäftsentscheidungen mit einer bisher nie da gewesenen Schnelligkeit verlangt.

Zuvor hatten bereits Lucent Technologies, Nortel Networks und andere Konkurrenten von Cisco Umsatz- und Gewinnwarnungen herausgegeben oder aber den Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt. Auch einige kleinere Wettbewerber hatten zuletzt einen Rückgang in ihren Geschäften verzeichnet.

Der in San Jose im US-Bundesstaat Kalifornien ansässige Konzern teilte ferner mit, von den geplanten 8500 Stellenstreichungen entfielen 2500 auf Zeitarbeitsplätze. Jährlich werde die Maßnahme zu Kostensenkungen von rund einer Milliarde Dollar führen. Die ersten Einsparungen würden bereits im vierten Quartal des im Juli endenden Geschäftsjahres 2000/01 verbucht. Zudem hieß es, wegen der geplanten Stellenstreichungen sei mit Restrukturierungskosten von 800 bis 1,2 Mrd. Dollar zu rechnen. Im Zusammenhang mit Lagersbeständen seien zudem Kosten von 2,5 Mrd. Dollar eingeplant.

"Meine größte Sorge gilt nicht Cisco", sagte Tom Lauria von der ING Barings zum Cisco-Ausblick. Im Vergleich werde sich das Unternehmen gut entwickeln. Wenn dies aber Umsatzeinbußen in der genannten Größenordnung einschließe, sei dies Besorgnis erregend für die gesamte Branche, sagte Lauria. "Ich glaube, dass die Marktbedingungen deutlich schwächer sind als wir erwartet haben", sagte Ken Leon, Analyst bei ABN Amro.

Die Cisco-Aktie büßte im Anschluss an die Gewinnwarnung mehr als sieben Prozent ein. Auf dem Computerhandelssystem Instinet wurden nach US-Börsenschluss Kurse um die 15,90 Dollar gemeldet. An der Technologiebörse Nasdaq waren Cisco noch mit einem Schlusskurs von 17,20 Dollar aus dem Handel gegangen. Auch andere Technologieaktien wie Intel und Microsoft gaben nach der Cisco-Mitteilung nachbörslich nach.

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