Analysten sind uneins über Neueinstieg
Ericsson und Nokia noch nicht am Tiefpunkt

Analysten tun sich derzeit schwer mit einer Einschätzung der Aktienkurse von Ericsson und Nokia. Am 20. April legen die beiden Konzerne ihre Quartalszahlen vor, bis dahin können die Kurse weiterhin kräftig schwanken. Seit Jahresanfang sind die Notierungen bereits deutlich gefallen.

STOCKHOLM. Schwere Zeiten für Anleger, die sich auf das Urteil der Telekom-Analysten verlassen haben. Noch vor wenigen Monaten galten die Titel des größten Handy- Herstellers Nokia aus Finnland und des Branchenführers bei den Mobilfunknetzen, der schwedischen Ericsson, als besonders empfehlenswert. Seitdem sind die Kurse auf Tauchstation gegangen. Nokia ist allein in diesem Jahr um rund ein Drittel gefallen, Ericsson rutschte gar um 37 %, und in den vergangenen zwölf Monaten ist der Ericsson - Kurs um ganze 72 % gefallen. Ist da nicht allmählich der Zeitpunkt für einen Einstieg bei den Unternehmen gekommen?

"Ja, das glaube ich", sagt Johan Strandberg, Telekom-Analyst bei der Deutschen Bank in Stockholm. Er betont aber, dass die Situation in der gesamten Telekommunikationsbranche "noch sehr unsicher" ist. Diese Unsicherheit werde vermutlich noch "ein oder zwei Quartale" anhalten. "Dann aber besteht vermutlich eine Einstiegsmöglichkeit", meint Strandberg. Insgesamt schätzt er derzeit Nokia als die stabilere Alternative ein. "Durch ihre Marktführerschaft bei den Handys haben die Finnen große Kostenvorteile gegenüber der Konkurrenz".

Ganz anderer Meinung ist da Håkan Wranne, Telekom-Analyst bei Fischer Partners in Stockholm. "Langfristig gesehen ist Ericsson empfehlenswert, während Nokia derzeit richtig bewertet ist", meint er. Die Finnen hätten momentan kein so großes Kurssteigerungspotenzial. Wranne gibt jedoch zu, dass die Situation sehr schwer zu beurteilen ist. Nach der Gewinnwarnung von Nortel diese Woche und vor den Quartalsberichten von Nokia und Ericsson am 20. April werden seiner Ansicht nach die Kurse weiterhin sehr volatil bleiben.

Beide Unternehmen werden Prognosen korrigieren

"Eines ist sicher: Beide Unternehmen werden ihre alten Prognosen senken", ist Wranne überzeugt. Die Konjunkturflaute in den USA, die hohe Verschuldung vieler Telekom-Konzerne und nicht zuletzt das zögerliche Kaufverhalten vieler Handy-Kunden werden den Absatz von Mobiltelefonen und Netzwerken bremsen. Deshalb, so Wranne, müssen Nokia und Ericsson die Prognosen für das laufende Jahr nach unten korrigieren.

Und auch Ericsson-Chef Kurt Hellström scheint selbst nicht mehr ganz sicher zu sein, ob der Netzwerk-Bereich, der immerhin für fast 80 % des Umsatzes steht, in diesem Jahr überhaupt noch wachsen wird. "Es ist möglich, dass wir bei der Infrastruktur-Seite gar kein Wachstum in diesem Jahr sehen werden", erklärte er. Mit Hilfe eines drastischen Sparprogramms, das den Abbau von mindestens 3 300 Stellen vorsieht, will er bereits 2002 bei den Netzwerken wieder ein Plus von 25 bis 30 % erreichen.

Das diese Woche von Ericsson präsentierte Sparprogramm hat allerdings nach Meinung der meisten Analysten in Stockholm kaum Auswirkungen auf die Bewertung des größten schwedischen Konzerns. Der geplante Stellenabbau werde nicht reichen, so die allgemeine Auffassung. Und in der Tat will die Ericsson-Leitung am 20. April ihr gesamtes Kostensenkungsprogramm vorlegen, dass weitere dramatische Maßnahmen enthalten kann.

Die schon im Januar bekanntgegebene vollständige Auslagerung der Handy-Produktion von Ericsson an den US-Konzern Flextronics wird nicht nur von Experten als eine Zwischenlösung angesehen. Auch die Ericsson-Leitung hat zuletzt vorgestern auf der Jahreshauptversammlung angedeutet, dass man weiter nach Kooperationspartnern Ausschau halte. Wunschkandidaten für viele Anleger wären japanische Elektronikkonzerne.

Einig sind sich die Analysten in Stockholm, dass die Aktien mittel- und langfristig interessant sein werden. Wann die Wende aber kommt, darauf will sich keiner konkret festlegen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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