Analysten sind vorsichtig optimistisch
Biotech legt zu

Die Biotech-Industrie glänzt in schwierigen Zeiten mit guten Zahlen. In den USA rechnet die Branche mit einem starken ersten Quartal. Einige Unternehmen dürften 2001 erstmals Gewinne erzielen.

kk/hus/som NEW YORK. Die Biotechnologie-Unternehmen sind derzeit in den USA bei den Quartalsergebnissen die rühmliche Ausnahme. Während die meisten Firmen in den ersten drei Monaten deutliche Einbußen hinnehmen müssen, kann die Biotech-Branche Zuwächse verzeichnen. Für die gesamte Branche sagt Charles Hill, Research-Chef des Finanzinformationsdienstes Thomson Financial/First Call, voraus, dass sich die Ergebnisse in diesem Quartal gegenüber den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres um 16% verbessert haben. Er beruft sich auf Umfragen bei den wichtigsten Analysten.

Biogen und Genentech haben ihre Zahlen bereits vorgelegt und die Erwartungen der Analysten weitgehend erfüllt. Bei Biogen stieg ohne Einbeziehung der einmaligen Aufwendungen der Gewinn gegenüber dem ersten Quartal 2000 um 9 %. Die Verkaufszahlen des Biogen-Medikaments Avonex übertrafen die Erwartungen. Genentex konnte seinen Nettogewinn um 12 % erhöhen. In dieser Wochen legen Genzyme und Medimmune ihre Ergebnisse vor. Weitere Unternehmen folgen im Laufe des Aprils.

Allerdings sind bei den meisten Biotech-Unternehmen schwarze Zahlen weiterhin die Ausnahme. Wichtiger ist den Aktionären dieser jungen Branche, die durch extrem lange Entwicklungszeiten geprägt ist, was in den Labors der Unternehmen heranreift und welche neuen Medikamente entwickelt werden. Einige kleinere Unternehmen werden voraussichtlich in diesem Jahr erstmals den Sprung in die Gewinnzone schaffen. So rechnet etwa Eric Schmidt, Analyst bei der Investmentbank SG Cowen, bei Cephalon im dritten Quartal mit schwarzen Zahlen. Andere Analysten spekulieren bei Corr Therapeutic und Celgene auf erste Gewinne im zweiten Quartal.

An der Börse bleiben die Kurse der Biotech-Unternehmen trotz der guten Quartalsergebnisse immer noch weit von dem Hoch im vergangenen Herbst entfernt. Der US-Biotechnologie-Index erreichte damals 800 Punkte, heute liegt er bei gut 500 Punkten. Schwergewichte wie das US-Unternehmen Amgen notieren nahe einem 52-Wochen-Tief.

Analysten und Fondsmanager sind allerdings vorsichtig optimistisch, dass sich an den Märkten insgesamt ein Boden bildet und die Kurse nicht auf neue Tiefstände fallen. Darauf deute die jüngste Rally an den Aktienmärkten hin. Bei steigendem Handelsvolumen legten die Technologiebörsen innerhalb einer Woche um gut 15 % zu. Hoffnung signalisieren daneben neue Konjunkturdaten aus den USA: Ein unerwartet stark zurückgegangenes Konsumentenvertrauen und sinkende Erzeugerpreise schüren neue Hoffnungen auf Zinssenkungen.

Anleger sollten sich nicht blind auf den Negativtrend der Vergangenheit verlassen, als jeder Erholung wieder ein kräftiger Abschwung folgte, meint Achim Matzke von der Commerzbank. Allerdings sei viel Geduld nötig. Ein Boden bilde sich nach einem ausgeprägten Abschwung nicht in ein paar Tagen, sondern erst nach Monaten.

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