Analysten skeptisch
Compaq will 8500 Stellen streichen

Der weltweit zweitgrößte Computerhersteller Compaq hat seinen Umsatz- und Gewinnausblick für das zweite Quartal gesenkt und dafür vor allem die sich verschlechternde Marktsituation in Europa verantwortlich gemacht.

rtr NEW YORK. Man rechne nur noch mit einem Umsatz von 8,4 Mrd. Dollar, neun Prozent weniger als noch im ersten Quartal, teilte Compaq am Dienstag nach US-Börsenschluss mit. Der Gewinn je Aktie soll nun noch bei vier Cents liegen. Noch im April war Compaq von fünf Cents Gewinn und einem Umsatz von rund neun Mrd. Dollar ausgegangen. Der Konzern kündigte zudem an, mehr Stellen zu streichen als bisher geplant. Compaq wollte sich nicht dazu äußern, wie der Konzern die Aussichten für einen Umschwung in der Branche bewertet. Der Kurs der Aktie zog nach der Mitteilung leicht an. Analysten zeigten sich aber skeptisch.

Branchenexperten hatten zuvor bereits ihre Gewinnprognosen für Compaq gesenkt und waren für das zweite Quartal zuletzt noch im Schnitt von einem Gewinn je Aktie von vier Cents ausgegangen. Compaq-Papiere waren an der Wall Street am Dienstag in einem insgesamt nachgebenden Markt mit Kursverlusten aus dem Handel gegangen. Nachbörslich zog der Titel leicht auf 14,18 Dollar von zuvor 13,76 Dollar an. Die tatsächlichen Zahlen für das zweite Quartal will Compaq am 25. Juli zu veröffentlichen.

"Bei Computern für den Privatverbraucher und für die Industrie haben wir immer noch ein sehr schwieriges Marktumfeld und einen äußerst scharfen Preiswettbewerb", sagte Compaq-Finanzchef Jaff Clarke. "Das Neue ist, dass sich diese Situation auch auf Europa und den Rest der Welt ausgeweitet hat." Dabei habe auch die Euro-Schwäche den Umsatz gedrückt, da die Erlöse in Dollar erwirtschaftet würden.

Für das Gesamtjahr plant das Unternehmen nun nach eigenen Angaben den Abbau von 8500 Stellen. Frühere Mitteilungen hatten noch die Streichung von 7000 Arbeitsplätzen vorgesehen. Bislang seien 2001 bereits 3500 Arbeitsplätze gestrichen worden. Im zweiten Quartal dürften wegen der zusätzlichen Streichungen und dem Abbau überschüssiger Lagerbestände zudem Kosten für Restrukturierungen von rund 490 Mill. Dollar anfallen.

"Wir haben uns verpflichtet, in dieser Periode mit schwacher Nachfrage aggressive Schritte einzuleiten, um permanente Verbesserungen in unseren Geschäftsmodell vorzunehmen", sagte Compaq-Chef Michael Capellas. Nun sei klar, dass die wirtschaftliche Abkühlung sich auch auf "Übersee" ausbreite. Daher werde Compaq rascher handeln und noch tiefere Einschnitte im Rahmen der Programme zur strukturellen Kostensenkung vornehmen.

Das Unternehmen mit Sitz in Texas hatte unlängst seine Stellung als Marktführer bei PCs an den US-Konkurrenten Dell abgeben müssen. Dell hatte zuletzt die Computerpreise deutlich gesenkt und damit nach Expertenschätzungen die PC-Branche insgesamt in einen harten Preiswettbewerb hineingezogen.

"Ich glaube nicht, dass in dieser Mitteilung viel Positives ist, was man mitnehmen kann", sagte David Bailey, Analyst bei der Gerard Klauer Mattison & Co. Sie zeige, dass sich die Umsatzentwicklung bei Compaq weiter verschlechtert. Nun nehme das Unternehmen eine weitere Restrukturierung vor, die zwar die Kosten senke, einige der Initiativen zur Neuausrichtung aber behindern könnten, sagte Bailey.

Auch andere Analysten äußerten sich skeptisch zur Marktverfassung. ""Man kann das nicht als gute Nachrichten für die Technologiebranche insgesamt bezeichnen", sagte Dan Niles von Lehman Brothers. "Die Zahlen sind ein weiterer Beleg dafür, dass sich die Situation zunächst noch verschlechtern wird, bevor es wieder besser wird." Die gute Nachricht bei Compaq sei, dass das Unternehmen durch die angekündigten sehr aggressiven Kostensenkungen die Gewinnerwartungen wohl erfüllen werde.

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