Analysten sprechen von enttäuschenden Zahlen
Volkswagen brechen die Gewinne ein

Der Volkswagen-Konzern hat angesichts der schwachen Automobilnachfrage im dritten Quartal einen Gewinneinbruch verzeichnet. Selbst zuvor schon pessimistische Branchenexperten zeigten sich enttäuscht. Gleichwohl bekräftigte Europas größter Autohersteller am Mittwoch seine Prognose, wonach der Vorsteuergewinn bei knapp unter fünf Millionen verkauften Fahrzeugen im Gesamtjahr vier Milliarden Euro erreichen soll. Die VW-Aktie legte leicht zu.

Reuters HAMBURG. Wie der Wolfsburger Konzern mitteilte, verringerte sich das Vorsteuerergebnis von Juli bis September um knapp 48 Prozent auf 711 Millionen Euro. Bei einem um 2,2 Prozent auf 21,2 Milliarden Euro leicht gestiegenen Umsatz brach der Reingewinn binnen Jahresfrist aber um über 50 Prozent auf 439 Millionen Euro ein.

Analyst: "Die Zahlen sind enttäuschend"

Analysten äußerten sich in ersten Reaktionären überrascht über die Höhe des Gewinneinbruchs. Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sagte: "Die Zahlen sind enttäuschend." Als positiv hob er aber hervor, dass VW an seiner Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2002 festhalte. Das würde bedeuten, dass der Konzern im vierten Quartal deutlich zulegen werde, um seine Ziele zu erreichen.

Robert Pottmann von M.M. Warburg sagte, Volkswagen agiere womöglich taktisch und nutze die allgemein schwache Situation an den Märkten zur Bereinigung eigener Schwachstellen. "Die hatten stille Lasten", sagte Pottmann. Mit deren Bereinigung schaffe sich der Konzern nun die Voraussetzungen dafür, "dass das vierte Quartal wieder freundlicher wird", sagte Pottmann.

Volkswagen selbst begründete den Gewinnrückgang unter anderem mit Absatzeinbußen in Europa, wo der Marktführer die meisten Autos verkauft, sowie mit Anlaufkosten für neue Modelle. Während sich die Auslieferungen an Kunden weltweit in den ersten neun Monaten um fast vier Prozent verringerten, nahmen sie in den vergangenen drei Monaten um 0,3 Prozent geringfügig zu. Mit dazu beigetragen haben dürften neben einem höheren Absatz in China vor allem auch verkaufsfördernde Maßnahmen wie günstige Finanzierungskonditionen für bestimmte Modelle. Zu diesem Mittel habe man im hart umkämpften US-Markt und im dritten Quartal verstärkt auch in Deutschland gegriffen, teilte VW mit.

VW-Sprecher: Börse hat uns Finanzergebnis verhagelt

Neben Währungseinflüssen hätten höhere Abschreibungen auf Forderungen sowie die Vorleistungen für die Auto 5000 GmbH zur Vorbereitung der Fertigung des Minivan "Touran" das Ergebnis belastet. In der Folge habe sich das operative Ergebnis nach neuen Monaten um 670 Millionen auf 3,714 Milliarden Euro vermindert. Die schlechte Stimmung an den Börsen habe zudem mit 417 Millionen Euro das Finanzergebnis belastet, hieß es. "Die Börse hat uns das Ergebnis verhagelt", sagte ein VW-Sprecher.

Anders als Konkurrent Daimler-Chrysler, der jüngst seine Prognose in diesem Jahr zum dritten Mal angehoben hat, teilte VW mit, man rechne nicht mit wesentlichen Änderungen gegenüber dem bisherigen Geschäftsverlauf, halte aber an der im Juli gemachten Gewinnprognose fest. Danach soll das Vorsteuerergebnis rund vier Milliarden Euro erreichen, was einen Rückgang zum Rekordjahr 2001 von zehn Prozent bedeuten würde.

Mit seinen Neun-Monatszahlen blieb Volkswagen deutlich hinter den Erwartungen der Branchenexperten. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt einen Rückgang des Vorsteuerergebnisses nur um 13 Prozent auf 3,24 Millionen Euro erwartet.

Die VW-Aktie legte an der Börse mit dem zunächst stärkeren Gesamtmarkt dennoch um gut ein Prozent auf 36,70 Euro zu.

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