Analysten streiten über Bewertung der gebeutelten Aktie – Milliardenkredite werden Ende 2002 fällig
UMTS bestimmt Mobilcom-Kurs

Die Mobilcom-Aktie erholte sich heute kräftig. Vor wenigen Tagen stürzte der Kurs noch auf ein Jahrestief. Die Zukunft hängt Analysten zufolge ab vom Erfolg der nächsten Mobilfunkgeneration.

DÜSSELDORF Mobilcom-Chef Gerhard Schmid konnte heute aufatmen: Die Aktie seines Telekommunikationsunternehmens zählte mit einem Plus von zwischenzeitlich fast 20 % zu den Tagesgewinnern am Neuen Markt.

Frankfurter Händler bezeichneten den Anstieg als "technische Gegenreaktion" auf die hohen Verluste der Vorwoche, als Mobilcom-Aktien mehr als 45 % verloren.

Wie es mit dem nach Kunden viertgrößten Mobilfunkanbieter in Deutschland weiter geht, darüber streiten die Analysten. Die Privatbank Sal. Oppenheim nannte gestern ein Kursziel von 99 Euro und empfahl die Mobilcom-Aktie zum Kauf. Dagegen stufte M.M. Warburg den Titel von "Kaufen" auf "Halten" zurück und errechnete eine fairen Wert von 58 Euro. Auch Analyst Alexander Kachler von Merck Finck bewertet die Aktie zurückhaltend: "Underperform" (unterdurchschnittliche Kursentwicklung) lautet sein aktuelles Urteil.

Aktie ist mehr als 50 Euro wert

Einig sind sich die vom Handelsblatt befragten Analysten aber, dass die Titel mehr wert seien als 50 Euro. Daher erscheine die Aktie derzeit billig. Aufgrund der Konzentration auf den Mobilfunkstandard der nächsten Generation (UMTS) müsse allerdings ein Risikoabschlag eingerechnet werden, sagte Merck - Fink-Experte Kachler. Auch Hans Huff von der Bankgesellschaft Berlin betont das UMTS-Risiko, das von den Anlegern einen langen Atem bei jahrelangen Verlusten verlange. Dennoch empfiehlt er Mobilcom zum Kauf.

Durch die hohen Investition für die deutsche UMTS-Lizenz und den Netzaufbau rechnet Mobilcom selbst nicht vor 2007 mit dem Erreichen der Gewinnzone. Die Lizenz kostete allein 16,4 Mrd. DM, hinzu kommen noch mehrere Milliarden für die Infrastruktur. Voraussetzung für den Erfolg sind ausreichend viele UMTS-Kunden - und darin liegt nach Ansicht von Kachler das Risiko der Mobilcom-Aktie.

2002 wird umgeschuldet

Zudem ist ungewiss , wie sich der Minderheitsaktionär France Télécom verhält. Der immer noch staatlich dominierte Ex-Monopolist hat mit Mobilcom eine deutsche UMTS-Lizenz ersteigert und zur Hälfte finanziert. Zudem handelten die Franzosen eine Kaufoption für die Aktienmehrheit von Mobilcom aus. Sie tritt erst 2003 in Kraft. "France Télécom lehnt sich bis dahin zurück und beobachtet, was mit Mobilcom passiert", meint Kachler.

Ende 2002 werden die von Mobilcom ausgehandelten Milliardenkredite fällig, dann muss der Konzern umschulden. Das UMTS-Netz für Videokonferenzen und Datenübertragung soll zu diesem Zeitpunkt bereits in Betrieb sein. Wenn den Deutschen der Aufbau gelingt, können die Franzosen einsteigen. Sonst bliebe ihnen der strategische Rückzug - und Mobilcom stünde ohne finanzkräftigen Partner da. Das Erreichen der Gewinnzone würde damit in noch weitere Ferne rücken.

Weil Mobilcom voll auf die Zukunftstechnologie UMTS setzt, bezeichnet Analyst Huff den Wert als "UMTS-Start-Up". Sein Urteil: "Wer an die UMTS-Story glaubt, sollte jetzt investieren."

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