Analysten suchen die Gewinner der Konsolidierung vorerst in den USA
Internet-Aktionäre warten noch auf Ernte

Nach dem tiefen Fall haben es die Internet-Werte schwer, am Markt wieder einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Gestern brach der Kurs der United Internet AG ein, obwohl das Unternehmen bald die Gewinnzone erreichen will.

FRANKFURT/M. Ralph Dommermuth will beweisen, dass sich mit dem Internet eben doch Geld verdienen lässt. Diesen Beweis ist der Vorstandschef der im Nemax 50 vertretenen United Internet vor allem den Aktionären schuldig. Sie haben allein in diesem Jahr einen Kursverlust von beinahe 70 % zu verdauen. Als die Internet-Holding am Donnerstag mitteilte, dass sie den Verlust im ersten Halbjahr deutlich reduziert habe, brach der Kurs ein weiteres Mal ein. In einer ersten Stellungnahme gaben Aktienhändler dem hinter den Hoffnungen zurückgebliebenen Umsatz die Schuld. Statt der erwarteten 120 Mill. Euro setzte das Unternehmen aus Montabaur nur 114,2 Mill. Euro um. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einem Anstieg um mehr als ein Viertel.

"Allen Unternehmen, die vor allem von Werbeeinnahmen abhängen, stehen weiterhin schwere Zeiten bevor", sagt Alexander Strepp, der für das bankenunabhängige Analystenhaus Perfomaxx die Internetwerte unter die Lupe nimmt. Der Einbruch des Werbemarktes war es auch, der United Internet die Suppe versalzte. Die Holding-Gesellschaft, die in dem Application Provider 1&1 AG und der auf telefonische Kundenberatung bei Computerproblemen spezialisierten Twenty4help Knowledge Service AG im Kerngeschäft zwei äußerst profitable Tochtergesellschaften hat, leidet auch an der neuerlichen Umsatzwarnung des am Neuen Markt notierten Online-Werbevermarkters Adlink, an dem sie die Mehrheit hält. Eine weitere Tochter, GMX, gehört mit ihrem kostenlosen E-Mail-Dienst zwar zu den bekanntesten Marken im Internet, steckt aber mangels Werbeeinnahmen noch in den roten Zahlen. Immerhin scheint sich die Lage bei GMX dank drastischer Kosteneinsprungen zu stabilisieren. Stolz betonte Dommermuth, dass sich der Verlust vor Steuern im zweiten Quartal auf 1 Mill. Euro von 2,4 Mill. Euro reduziert habe.

Neben den Kernbeteiligungen hält United Internet noch zehn Minderheitsbeteiligungen. Sie sind teilweise auf Finanzspritzen von der Mutter angewiesen, die allerdings selbst mit kurzfristigen Verbindlichkeiten von über 80 Mill. Euro bei den Banken in der Kreide steht.

Die von Dommermuth angekündigte Bereinigung des einst als umspannendes Online-Netzwerk gedachten Beteiligungsportfolios gestaltet sich angesichts der Marktlage schwierig. Immerhin verkaufte United Internet im ersten Halbjahr die Beteiligung an dem Spezial-Suchmaschinen-Entwickler Cobion mit Gewinn - dieser glich die Abschreibung auf die Beteiligung an Livingnet allerdings nur aus. "Es wäre wünschenswert, dass United Internet die Bereinigung mit noch mehr Nachdruck verfolgt", sagt Analyst Rainer Raschdorf von der DG Bank. Er sieht nach den erwartungsgemäß ausgefallenen Halbjahreszahlen jedoch keinen Anlass, sein auf "Reduzieren" lautendes Anlageurteil zu ändern.

Anders als noch vor wenigen Monaten, als nur Reichweite zu zählen schien, interessieren sich Analysten inzwischen jedoch fast nur noch für die Frage, ob die Unternehmen Gewinne einfahren. Strepp zum Beispiel hält derzeit aus dem Internet-Bereich höchstens das profitable Online-Reisebüro Expedia für spekulative Käufer interessant. "Vielleicht noch Amazon, aber nur, wenn das Unternehmen tatsächlich im 4. Quartal Gewinn einfährt", sagte er dem Handelsblatt. Grundsätzlich rechnet er mit Kursgewinnen im Online-Bereich eher an der Nasdaq als am Neuen Markt, dessen Bodenbildungsphase erst zu kurz währe.

Auch wenn sich bei einigen Anlegern offenbar bereits Mitte Juli die Hoffnung durchsetzte, dass das Schlimmste im Internet-Bereich ausgestanden ist, bleiben die Analysten insgesamt vorsichtig. "Es hat eine Marktbereinigung stattgefunden", sagt Klaus Baumann von SES Research. Ob sie jedoch schon vorbei ist, sei indes nicht sicher.

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