Analysten tun sich schwer mit der Bewertung des Interbrew-Ergebnisses
Interbrew berauscht mit guter Strategie

Biermärkte sind lokale Märkte - eine auf den ersten Blick urdeutsche Weisheit. Doch auch die Belgier, namentlich die Löwener Interbrew-Gruppe, beherzigen sie. Und das konsequenter als deutsche Brauereien.

BRÜSSEL. Mit über 180 Marken im Sortiment hat sich Interbrew weltweit auf Platz zwei der Bierbrauer vorgekämpft. Platz eins hält der US-Konzern Anheuser Busch, knapp hinter Interbrew folgt der niederländische Rivale Heineken. Er stehe zu seinen langfristigen Finanzzielen, versprach Interbrew-Chef Hugo Powell vergangenen Mittwoch auf der Präsentation der Jahresergebnisse. Als Person mag er zurückhaltend sein. Seine Ziele sind es nicht: Im Zeitraum von 2000 bis 2004 will er den Gewinn je Aktie jährlich zweistellig steigern. Im vergangenen Jahr betrug er Interbrew zufolge 1,44 Euro.

"Das Ziel ist durchaus realistisch", urteilt Ralf Knabe, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein in London. Interbrew verkaufe seine Produkte in 120 Ländern und habe nicht nur in etablierten Märkten eine gute Stellung. Auch in Wachstumsmärkten wie etwa Kroation, Tschechien oder Ungarn habe sich der Konzern gut positioniert.

Die Strategie, profitable Brauereien in verschiedenen Ländern aufzukaufen, zahlt sich aus: Am Mittwoch meldete der Bier-Riese für 2001 einen Anstieg des Umsatzes um 30 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen betrug 884 Millionen Euro, das Wachstum aus eigener Kraft acht Prozent. Vor zwei Jahren hatte Interbrew, die seit vergangenem Jahr an der Brüsseler Euronext-Börse notiert ist, die britische Brauerei Bass Brewers übernommen. Aus kartellrechtlichen Gründen musste deren britisches Geschäft jedoch wieder verkauft werden. Der Gewinn vor Firmenwertabschreibungen für die britische Brauerei betrug 537 Millionen Euro.

Nicht nur wegen dieser Transaktion tun sich Analysten schwer, das Ergebnis von Interbrew zu bewerten. Weil der Konzern im vergangenen Jahr auf den Rechnungslegungsstandard IAS umstellte, gebe es keine Vergleichszahlen aus dem Vorjahr. Nigel Davis, Analyst bei J.P. Morgan in London, geht aber davon aus, dass die Geschäfte von Interbrew besser liefen als im Vorjahr.

Auch das laufende Geschäftsjahr werde sich positiv entwickeln. "Die Kombination aus organischem Wachstum und weiteren Zukäufen wird sich auszahlen", so Knabe. Seine Aktienempfehlung: "aufstocken". Zukünftig werde Interbrew versuchen, durch die gezielte Förderung von Premiummarken und Spezialbieren, wie etwa dem belgischen Abteibier Leffe oder dem Weißbier Hoegaarden, weiter zu wachsen, prognostizieren Analysten. Spezialbiere seien zwar nicht umsatzstark, böten dafür aber hohe Margen. Besonders die Märkte in Frankreich, England oder den USA seien noch aufnahmefähig.

Auch in die neue deutsche Tochter Beck s, die Interbrew im vergangenen Jahr übernommen hatte, setzt der Konzern große Hoffnungen. Knabe prognostiziert, dass Interbrew das Bier massiv in den USA vermarkten wird. "Europäische Biere sind dort zur Zeit stark gefragt. Unter dem Dach von Interbrew kann Beck s eine bessere Vertriebsstruktur und ein effektiveres Marketing nutzen." Schon jetzt kann Interbrew mit Becks zufrieden sein: 2001 erzielten die Norddeutschen einen weltweiten Umsatz von 852 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern betrug 83 Millionen Euro.

Vorsichtig äußern sich Analysten zu der Frage, ob sich Interbrew auch im kommenden Jahr gegen Heineken behaupten kann. Viele Biertrinker mögen ein regional Gebräu bevorzugen. Mit Heineken und Amstel haben die Niederländer aber zwei Sorten, die in vielen Ländern stark vertreten sind.

Quelle: Handelsblatt vom 19.03.02

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