Analysten über Aktie des Luftfahrtriesen uneins
Leichte Bewölkung bei EADS

Analysten sind sich uneins, was die Aktie des Luftfahrtriesen angeht. Einige sprechen von ungünstigen Ertragsaussichten. Andere sehen den geplanten Riesenvogel A 380 als Erfolgsgarant.

HB DÜSSELDORF. Der Jubel beim europäischen Flugzeugbauer Airbus / EADS über den Stopp für den Super-Jumbo von Boeing schlug an der Börse nur gedämpft nieder: Die Aktie der European Aeronautic Defence and Space Company (EADS), die im vergangenen Jahr aus der Daimler-Chrysler-Tochter Dasa, der französischen Aerospatiale und der spanischen Casa entstand, kletterte nach der wichtigen Boeing-Mitteilung zwar um vier Prozent. Inzwischen ist sie jedoch im Zuge der allgemeinen Börsenschwäche wieder deutlich gesunken und lag gestern nur noch knapp über der 20-Euro-Marke. Im Sommer 2000 war EADS zu einem Kurs von 19 Euro an der Börse gestartet.

Analysten beurteilen das Papier des europäischen Flugzeugbauers unterschiedlich. Nach den guten Zahlen für das Geschäftsjahr 2000 (Konzernumsatz 24,2 Milliarden Euro/Vorsteuerergebnis 1,4 Milliarden Euro) hat etwa die Deutsche Bank ihre Kaufempfehlung für EADS zurückgenommen und den Titel auf "Marktkonform" gestellt. Der Grund liege in den ungünstigeren Ertragsaussichten für die Jahre 2001 bis 2004. EADS prognostiziert für das Jahr 2001 zwar einen Anstieg von 15 % bei Umsatz und Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit). Die Vorsicht des Managements über den weiteren Verkauf des Airbus habe die Analysten jedoch dazu veranlasst, ihre Umsatzschätzungen für die Folgejahre um jeweils zehn Prozent zu kürzen. Ihre zurückhaltende Einstellung begründet die Deutsche Bank auch mit wesentlich höheren Forschungs- und Entwicklungskosten, die den Betriebsgewinn im Jahr 2001 unter Druck bringen dürften.

Analystin Martina Jung vom Bankhaus Metzler hingegen beurteilt die EADS-Aktie nach wie vor als kaufenswert. "Dass Boeing auf seinen Super-Jumbo verzichtet, ist ein klarer Sieg für EADS. Das Unternehmen hat jetzt in diesem Bereich eine ähnliche Monopolstellung wie Boeing mit seiner B 747. Das sollte sich entsprechend auf die Profitabilität auswirken."

Die Airbus-Sparte, die im vergangenen Jahr 60 % des EADS-Umsatzes erwirtschaftete und nahezu im Alleingang für den Vorsteuergewinn von 1,4 Milliarden Euro verantwortlich war, hat für ihren doppelstöckigen Riesenvogel A 380 bereits 66 Festaufträge und 50 Optionen vorliegen. Bis Jahresende werden 100 Neuaufträge für den Super-Airbus erwartet, mit dem das Unternehmen künftig allein das oberste Marktsegment im Flugzeugbereich besetzen wird.

"Ein klares Plus", urteilt auch Sebastian Stein von der Bankgesellschaft Berlin, der jedoch die "Philosophiefrage" um Sinn und Wirtschaftlichkeit des neuen Riesenvogels noch nicht hinreichend geklärt sieht. Airbus schätzt den weltweiten Bedarf für den A 380 optimistisch auf 1 500 Flugzeuge bis 2020. Konkurrent Boeing indes argumentiert seit Jahren, der Markt für Flugzeuge mit über 500 Sitzen sei zu klein, um eine komplette Neuentwicklung zu rechtfertigen. Immerhin veranschlagt Airbus die Entwicklungskosten für den A 380 auf 10,7 Milliarden Dollar. Experten erwarten allerdings, dass Airbus dank seiner Monopolstellung nun höhere Preise durchsetzen kann. "Jetzt, da EADS Alleinanbieter in diesem Segment ist, wird das Projekt sicher profitabel sein", glaubt Martina Jung vom Bankhaus Metzler.

Sorgen und Risiken sieht sie eher im defizitären Rüstungsbereich des Konzerns. Bezeichnend für die schwächelnde Sparte: In der vergangenen Woche musste ein Auftrag im Wert von 10 Mrd. DM auf Eis gelegt werden, weil Griechenland wegen einer Neuausrichtung der Haushaltspolitik die geplante Bestellung von 60 Eurofightern zurücknahm. Ähnliches darf mit dem stolzen A 380-Projekt nicht passieren. Sonst wird der Höhenflug der EADS-Aktie auch künftig ausbleiben.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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