Analysten über die Folgen der EM
Wie ein Fußballturnier Umsätze steigern kann

Nicht nur Fans, auch viele Unternehmen warten sehnlichst auf die Fußball-Europameisterschaft. Unter den Analysten ist es aber strittig, ob die EM Sportartikelaktien einen Kick geben kann. Wenn kommende Woche Deutschland gegen die Niederlande spielt, dürften neben den Fans auch die Teamausrüster mitfiebern.

HB FRANKFURT. Ob Sieg oder Niederlage einer Mannschaft bei der Europameisterschaft (EM) die weitere Entwicklung der Aktienkurse der börsennotierten Sportartikelfirmen Adidas, Puma, Nike und Umbro mit beeinflussen können, ist unter Analysten umstritten.

"Die Fußball-EM hat auf jeden Fall Auswirkungen auf die Aktienkurse der Sportartikelfirmen", sagt Analyst Christian Schindler von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). "Wenn eine wichtige Mannschaft eines Ausrüsters ins Finale kommt, kann das dem Aktienkurs kurzfristig einen Schub nach oben geben." Ähnlich sieht es Analyst Nils Lesser von HSBC Trinkaus & Burkhardt. "Die Aktien der Sportartikelfirmen rücken während eines solchen Großereignisses in den Blickpunkt der Investoren und profitieren davon auch", sagt Lesser.

Dagegen rechnet Analyst Thilo Kleibauer von M.M. Warburg nicht damit, dass das sportliche Großereignis an den Börsen einen Kursschub verursacht: "Die Marketingausgaben auf der einen Seite und die erwarteten Umsatzsteigerungen auf der anderen Seite sind in den Aktienkursen längst berücksichtigt". Auch Martin Roth von der Dresdner Bank rät Anlegern und Fans von leichtfertigen Investitionen in Sport-Aktien ab. "Für Sportartikelhersteller wie adidas oder Nike gibt es keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen Kursverlauf und den Terminen großer Turniere." Die Börse sehe das Engagement solcher Unternehmen als Großsponsoren eher neutral und nehme Entwicklungen weit vorweg. "Für einen Einstieg so kurz vor dem Eröffnungsspiel in Portugal und wenige Wochen vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Griechenland ist es jetzt zu spät", so der Experte.

Ein dreiwöchiges Ereignis wie die Fußball-EM lassen sich die Sportartikelfirmen indes nicht entgehen. Die im Deutschen Aktienindex gelistete Adidas AG rüstet mit fünf Teams die meisten Mannschaften aus, darunter Titelverteidiger Frankreich und Vize-Weltmeister Deutschland. In Trikots der im Mittelwerte-Index MDax gelisteten Puma AG kicken die italienische Nationalmannschaft und drei weitere Teams. Der US-Konzern Nike schickt vier Mannschaften, unter anderem den heimlichen Favoriten Portugal und die Niederlande, aufs Spielfeld. Der Londoner Börsenneuling Umbro kleidet die Engländer und die Schweden ein.

Dabeisein ist nicht alles

Auch wenn die pure Präsenz einer Sportartikelfirma nach Einschätzung einiger Analysten positive Auswirkungen auf die Kurse haben kann, ist Dabeisein nicht alles. "Für die Positionierung der Gesamtmarke ist der Ausgang eines Turniers dieser Größenordnung sehr wichtig, denn die ganze Welt schaut schließlich bei den Spielen zu und das steigert den Bekanntheitsgrad der Marke", sagt Analyst Schindler. Das könne sich dann auch positiv auf den Umsatz der Firmen auswirken. "Wenn Deutschland nicht Europameister wird, ist das kein Drama für Adidas. Aber für Adidas ist es natürlich besser, wenn eine von ihnen ausgerüstete Mannschaft möglichst weit kommt", urteilt HSBC-Analyst Lesser.

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