Analysten überrascht
Celanese mit erneuter Gewinnwarnung

Der Chemiekonzern Celanese hat seine Geschäftsaussichten für 2001 nochmals drastisch nach unten korrigiert und will aus Kostengründen 850 der derzeit 13 100 Arbeitsplätze abbauen.

rtr FRANKFURT. Der Aktienkurs des im Nebenwerteindex M-Dax gelisteten Unternehmens brach nach der Nachricht bei geringem Umsatz um rund ein Viertel auf 15,90 ?, den tiefsten Stand seit Dezember 1999 ein. Der Verlust je Aktie ohne Sonderposten werde 2001 bis zu einem Euro betragen, teilte das Unternehmen mit. Die Perspektiven für das zweite Halbjahr seien erheblich schlechter als angenommen und erforderten eine umfassende Restrukturierung. Details dieses Vorhabens könne Celanese vorerst nicht nennen. Analysten zeigten sich überrascht von der erneuten Gewinnwarnung.

Noch vor zwei Monaten hatte Celanese angekündigt, den Vorjahres-Gewinn je Aktie ohne Sonderposten von 1,43 ? um mindestens zehn Prozent zu überbieten. Vor einem Monat hieß es, diese Kennziffer werde auf rund 0,95 ? abrutschen, jetzt wurde diese Prognose nochmals um nahezu zwei Euro unterboten. "Die Performance ist nicht akzeptabel, und wir beschleunigen gezielt unsere Anstrengungen zur Steigerung der Effizienz und Profitabilität", teilte Vorstandschef Claudio Sonder mit.

Analysten zeigten sich überrascht von der erneuten Korrektur der Aussichten. "Mich wundert, dass man vier Wochen nach den Halbjahreszahlen eine so starke Revision nach unten vornimmt", sagte Andreas Heine von der Hypo-Vereinsbank. Holger Ochs von der Commerzbank sagte, grundsätzlich seien die abgeschwächten Erwartungen aber nicht überraschend. Celanese werde mit einem Anteil des Amerika-Geschäfts von zuletzt 60 % sowie seiner Abhängigkeit von der Auto-, Elektronik- und Telekom-Industrie durch die schwache Konjunktur besonders getroffen. "Es läuft für Celanese noch deutlich schlechter als die anderen", sagte er.

Viele der größten Chemiekonzerne der Welt haben im Zuge des globalen Abschwungs bereits den Abbau von Stellen angekündigt, darunter DuPont, BASF, Bayer und BOC Group Plc. Die Celanese AG, in der die Chemiegeschäfte des früheren Hoechst-Konzerns zusammengefasst sind, sehe sich Preisdruck und Nachfragerückgang ausgesetzt, teilte der Konzern mit. Das Geschäft mit technischen Kunststoffen (Ticona) leide unter der schwachen US-Konjunktur, in Europa entwickelten sich die Märkte schwächer als erwartet, und die Nachfrage der Elektronik- und Telekom-Industrie befinde sich auf einem historischen Tiefstand.

Der Jahresgewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen (Ebitda) und Sonderaufwendungen werde 2001 bei 400 Mill. ? liegen, teilte Celanese mit. Das Restrukturierungsprogramm werde im zweiten Halbjahr zu Sonderaufwendungen von 260 Mill. ? führen, in denen Sonderabschreibungen von 70 Mill. ? auf das Anlagevermögen enthalten seien. Celanese werde die Bewertung des Sachanlagevermögens und des Goodwill überprüfen, was zu weiteren Sonderabschreibungen führen könne. Auf die Entscheidung über eine Dividendenzahlung 2002 und einen Aktienrückkauf könne sich dies auswirken.

Celanese kündigte an, die Forschungsstandorte näher an die Produktionsstandorte zu verlagern. Die Produktion unter anderem von Essigsäure werde rationalisiert, um den weltweiten Überkapazitäten zu begegnen. Analyst Ochs sagte, noch fehlten die Details der Umstrukturierung. "Da brauchen wir mehr Informationen. Dass Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet werden müssen, ist normal in einer solchen Situation."

Das Unternehmen nennt vorerst jedoch keine Einzelheiten des Stellenabbaus und der Restrukturierung. "Wir können zu diesen Details noch nichts sagen", sagte Unternehmenssprecher Ralf Christner. Betroffen seien vor allem Celanese Chemicals, Ticona, Acetatprodukte und die Verwaltungszentren, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens lediglich. Nähere Angaben werde der Vorstand auch bei einer Telefonkonferenz mit Analysten und Journalisten am Nachmittag nicht machen können. Das Unternehmen prüfe für die Restrukturierung Möglichkeiten "auf allen Ebenen".

"Ich habe kein Indiz dafür, dass es über das hinaus, was wir heute verkündet haben, weitere Risiken gibt", sagte Christner. Die Celanese-Aktien erholten sich im Handelsverlauf bis zum Mittag auf 17,50 ?, was jedoch noch einem Minus von rund 20 % gegenüber dem Schlusskurs des Vortags entsprach. Der M-Dax notierte derweil um 0,5 % leichter.

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