Analysten und Aktienmarkt bleiben gelassen: Bombardier: Milliardenklage gegen Daimler

Analysten und Aktienmarkt bleiben gelassen
Bombardier: Milliardenklage gegen Daimler

Der kanadische Flugzeug- und Eisenbahnhersteller Bombardier fordert vom Autokonzern Daimler-Chrysler eine Milliarde Euro Schadenersatz. Hintergrund ist ein Streit über den genauen Wert des Bahnkonzerns Adtranz, den Bombardier im Frühjahr 2001 von Daimler-Chrysler übernommen hatte.

rtr MONTREAL/STUTTGART. Der neue Adtranz-Eigentümer Bombardier begründete die Klage mit einem Volumen von einer Milliarde Euro am Donnerstag unter anderem damit, dass das Nettovermögen von Adtranz zum Stichtag der Übernahme durch Bombardier im April 2001 erheblich von dem zugesicherten Volumen abgewichen sei. Die Verhandlungen mit Daimler-Chrysler über eine außergerichtliche Beilegung des Streits seien nun gescheitert. Daimler-Chrysler bezeichnete die Schadenersatzforderung als "abwegig und in jeder Hinsicht unbegründet". Der Konzern werde sich daher mit allen Mitteln zur Wehr setzen.

Der kanadische Hersteller von Schienenfahrzeugen und Flugzeugen hatte den Bahntechnik-Spezialisten Adtranz im vergangenen Jahr für 725 Mill. Dollar (rund 831 Mill. ?) von Daimler-Chrysler übernommen. Nach Abschluss der Transaktion kam es zum Streit um den Wert von Adtranz und damit um die Höhe des Kaufpreises. Bombardier behauptet, dass Adtranz unter anderem in Folge ungebuchter Kosten nicht über das zuvor vereinbarte Nettovermögen verfügt habe und daher überbewertet worden sei. Nachdem die außergerichtlichen Bemühungen zur Beilegung des Streits gescheitert seien, solle der Konflikt nun vor einem Schiedsgericht nach den Regeln der Internationalen Handelskammer geklärt werden, teilte Bombardier mit.

Daimler-Chrysler entgegnete, Bombardier bewege sich "außerhalb der getroffenen vertraglichen Vereinbarungen". "Daimler-Chrysler wird sich deshalb mit allen verfügbaren Mitteln zur Wehr setzen", ergänzte der für Industriebeteiligungen zuständige Daimler-Vorstand Manfred Bischoff in einer Mitteilung des Konzerns. Bei der ehemaligen Bahntechnik-Tochter seien zum Zeitpunkt der Übernahme durch Bombardier alle Kosten zur Erfüllung von Verträgen ordnungsgemäß gebucht gewesen.

Differenzen über Höhe des Adtranz-Eigenkapitals

Knackpunkt des nun offenbar auf die gerichtliche Ebene gehenden Streits zwischen Bombardier und Daimler-Chrysler ist offenbar die Bewertung des Eigenkapitals von Adtranz. Nach Darstellung von Bombardier hatte Daimler-Chrysler vertraglich zugesichert, dass Adtranz zum Eigentümerwechsel am 30. April 2001 über ein bestimmtes Niveau an Eigenkapital verfügen werde. "Bombardiers Schadensersatzanspruch basiert zum großen Teil auf Verletzungen vertraglicher Zusicherungen und Garantien sowie auf eine gravierenden Abweichung des übernommenen Nettovermögens", hieß es in der Mitteilung des kanadischen Unternehmens.

DaimlerChrysler erklärte dazu, es sei kein bestimmtes Eigenkapital-Niveau zugesichert worden. Vielmehr habe der Vertrag vorgesehen, dass der Kaufpreis auf der Basis einer von Bombardier zu erstellenden Bilanz per 30. April 2001 innerhalb eines festgelegten Rahmens anzupassen sei. Die Wirtschaftsprüfer von DaimlerChrysler hätten sich jedoch nicht in der Lage gesehen, die von Bombardier vorgelegte Bilanz zu testieren, da Bombardier unter anderem die dafür notwendigen Nachweise nicht erbracht habe. "Auf dieser Basis ist deshalb eine Anpassung des Kaufpreises wie vertraglich vorgesehen ausgeschlossen."

Bereits im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass es um die Bewertung von Adtranz offenbar Streit zwischen Bombardier und Daimler-Chrysler gebe. Auch hatte es im Sommer 2001 in Presseberichten geheißen, Bombardier habe noch nicht den vollen Kaufpreis gezahlt. Mittlerweile ist das Geld nach Angaben eines Daimler-Chrysler-Sprechers jedoch in voller Höhe geflossen.

Analysten und Aktienmarkt zeigen sich gelassen

Branchenexperten zeigten sich über die Klage-Ankündigung Bombardiers verhältnismäßig gelassen. Der kanadische Konzern reite derzeit offensichtlich auf der "Accountingwelle" und wolle Druck machen, Verträge neu zu verhandeln, sagte ein Autoanalyst. Allerdings sehe er keine großen Aussichten auf Erfolg. Christian Breitsprecher von der Deutschen Bank zeigte sich allerdings von der Höhe der Bombardier-Forderung überrascht, da sie immerhin der Kaufpreis übersteige. Das Volumen bedeute im Prinzip, dass Bombardier das Geschäft rückgängig machen wolle, sagte er. Doch selbst für den Fall, dass Daimler-Chrysler zur Zahlung eines Schadenersatzes verpflichtet werden solle, bleibe er bei seiner Einschätzung "Marketperformer" für die Aktie.

Der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie reagierte kaum auf die Ankündigung von Bombardier. Der Konflikt sei nicht besonders neu, hieß es an der Börse. Gegen Mittag notierte das Papier in einem freundlichen Gesamtmarkt unverändert bei rund 44 ?. Daimler-Chrysler hatte vor gut einer Woche die für dieses Jahr gesteckten Ergebnisziele deutlich nach unten korrigiert und damit einen vorübergehenden Kursrutsch der Aktie ausgelöst.

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