Analysten uneins über Technologiewerte
Dax-Ausblick: Gewinnmitnahmen könnten den Markt belasten

Anleger warten seit Wochen auf eine deutliche Trendwende an der schwachen Börse. Experten bezweifeln, ob die jüngsten Kursgewinne von Dauer sind. Auch wenn der Deutsche Aktienindex die 6 000-Punkte-Marke zum Osterfest überwinden konnte. Noch immer überwiegen psychologische Aspekte. Auf fundamentale Daten schauen nach Ansicht der Experten nur wenige Anleger. Dabei sei der Ausblick auf mittlere Sicht relativ gut.

DÜSSELDORF. Timo Graucob, Analyst von Merck Finck & Co., ist verhalten optimistisch. "Die positive Grundtendenz der vergangenen Woche wird nach Ostern voraussichtlich anhalten", sagt er. Der Dax sei deutlich unterbewertet und könne bis zum Jahresende Boden gutmachen. Potenzial gebe es für den Index zwischen 1 000 und 1 500 Pluspunkten. Allerdings sei wegen der schlechten Marktstimmung in den letzten Wochen noch nicht abzusehen, wann die Kurse nachhaltig steigen werden.

Bei Technologiewerten sei weiter mit starken Schwankungen zu rechnen. "Die schlechten Unternehmensnachrichten können noch eine Zeit lang anhalten", sagt der Analyst. Von den Geschäftszahlen bei Ericsson und Nokia beispielsweise, die in den nächsten zwei Wochen anstehen, erwartet Graucob wenig Neues. Im Mobilfunksektor werden nach seiner Meinung im 2. Quartal zwar Umsatzsteigerungen erzielt, die Gewinnspannen blieben aber weiter unter Druck. Ericsson gibt am Freitag Zahlen zum ersten Quartal bekannt. Nokia hatte diesen Termin auch ins Auge gefasst, wird aber erst am Donnerstag der Folgewoche berichten.

Nokia liegt im Rennen vor Ericsson

"Ericsson hat es wegen der schlechten Unternehmensentwicklung noch nicht gewagt, einen Ausblick zu geben." sagt Theo Kitz, Analyst für Technologiewerte bei Merck-Finck. Die Prognosen des schwedischen Mobilfunk-Anbieters werden in der kommenden Woche daher mit Spannung erwartet, sagt er. Die Gewinne seien zwar schon deutlich nach unten korrigiert worden. Dennoch sei nicht auszuschließen, dass die Zahlen noch niedriger ausfallen, als angekündigt, sagt Kitz.

Nokia sei gegenüber Ericsson zu bevorzugen, meint Frank Joachim, Technologie-Experte bei HSBC Trinkaus & Burkhardt : "Zwar musste Nokia den Umsatz nach unten korrigieren, die Gewinnerwartungen können aber eingehalten werden." Er bleibt bei seiner Einschätzung jedoch vorsichtig. Mit einem kurzfristigen Kursziel von 35 Euro stuft der HSBC-Analyst das Papier auf "halten". Im nächsten Jahr seien durch die neue Mobilfunkgeneration GPRS Umsatzsteigerungen zu erwarten. "Mittelfristig sind die Aussichten bei Nokia gut." sagt Joachim Frank.

Steigende Chip-Preise könnten der Siemens-Familie helfen

In der Halbleiterbranche sieht Merck-Finck-Experte Kitz die Entwicklung von Infineon relativ positiv. Die Chip-Preise werden seiner Einschätzung nach weiter steigen. Infineon-Vorstandschef Schumacher sei optimistisch, die Gewinnzonne bald erreichen zu können. Kitz ist da etwas skeptischer. Nur Anlegern mit hohem Risikobewusstsein rät er zum Kauf der Infineon-Aktie. Das Bankhaus stuft die Aktie auf "Marketperformer" (halten) ein.

Ausführliche Einschätzungen von Merck Finck für die Dax-30-Aktien am Ende des Artikels.

Aktien von Epcos seien hingegen für den Privatanleger zu empfehlen, sagt Kitz: "Bei Epcos ist die Gewinnlage stabiler, weil sie nicht so abhängig vom Chipmarkt sind wie Infineon." Es lohne sich, die Aktie zum jetzigen Zeitpunkt zu kaufen." Negative Nachrichten seien im Kurs enthalten, daher sei der Zeitpunkt zum Einstieg jetzt günstig, sagt der Analyst. Merck-Finck rät bei der Epcos-Aktie zum Kauf.

Gewinnmitnahmen könnten belasten

Christian Riedel, Gesamtmarktexperte von der WGZ-Bank äußert sich pessimistisch für die Börsenwoche nach dem Osterfest. Er sieht die Gefahr, dass Anleger die Kursgewinne der vergangenen Woche mitnehmen und der Aktienmarkt nachgibt. Außerdem sei die Börse momentan noch stark von psychologischen Einflüssen geprägt. Fundamentaldaten würden nicht die richtige Beachtung finden. "Im ersten Halbjahr erwarten wir noch keine Trendwende", sagt der Experte. Für die zweite Jahreshälfte hält er jedoch eine Rückkehr in die Region um 7 200 Dax-Punkte für möglich.

Hannover Rück hat Nachholbedarf

Privatanlegern empfiehlt Riedel, Technologieaktien zurzeit noch zu meiden. "Die Aktienkurse der Tech-Unternehmen können durchaus noch weiter nachgeben." Stattdessen rät er seinen Kunden zu Werten aus den Branchen Versicherungen, Pharma und Chemie. Interessant findet er die Aktien von Ergo und der Hannover Rückversicherung. Bei Ergo könnten Anleger seiner Auffassung nach mit einer Nachbesserung des Übernahmeangebotes der Münchener Rück rechnen. Das Papier von Hannover Rück sei beispielsweise im Vergleich zu den Konkurrenten Ergo und AMB (Aachener und Münchener Beteiligungs-AG unterbewertet. "Die Versicherung erzielt sehr gute Margen im Individualgeschäft", sagt sein Kollege Viktor Heese, Analyst für den Bereich Banken und Versicherungen. Er sieht einen Nachholbedarf beim Aktienkurs von 20 %.

Mehr zum Thema: Aktuelle Studie der WGZ-Bank zum Aktienmarkt

Anleger verbindet sehr viel mit Tech-Aktien

Die freundliche Stimmung an den Börsen vor Ostern habe sich besonders positiv auf die angeschlagenen Aktien des Technologie- und Telekommunikationssekturs ausgewirkt, heißt es im Wochenausblick der GZ-Bank. Daran zeige sich, dass die Anleger ungeachtet der starken Verluste und Enttäuschungen noch immer sehr viel Fantasie und Potenzial mit diesen Werten verbinden. Analyst Carsten Riester sieht bei einigen Werten ein "ordentliches Aufwärtspotenzial". Dennoch erscheint ihm die Stärke, mit der einige Aktien in den vergangenen Handelstagen zugelegt haben, als überzogen. Ein Großteil der Korrektur des Aktienmarktes sei nicht aufgrund der konjunkturellen Verlangsamungen, sondern wegen der zuvor übertrieben stark gestiegenen Kurse erforderlich geworden.

Die GZ-Bank rät daher Kleinanlegern bei ihrer Geldanlage weiter zur Vorsicht. Für attraktiv halten die Analysten die Aktien von CS Group , Endesa und .

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zur Lage auf dem Parkett: je.weber@vhb.de

Strategische Anlage-Empfehlungen haben wir in dieser Woche von Merck Finck & Co. zusammengestellt:

Merck Finck & Co.

Unternehmen

Gewinn 2001e

Gewinn 2002e

Anlageurteil

Datum Empfehlung

Adidas-Salomon

4,60

5,29

Halten

12.03.2001

Allianz

11,10

12,20

Kaufen

09.03.2001

BASF

3,35

3,70

Halten

12.12.2000

Bayer

3,00

3,40

Kaufen

22.04.1999

BMW

1,80

2,05

Kaufen

15.03.2000

Hypo-Vereinsbank

2,98

3,35

Kaufen

17.11.1999

Commerzbank

1,70

2,10

Halten

30.07.1999

Daimler-Chrysler

0,70

2,49

Halten

01.03.2001

Deutsche Bank

4,99

5,59

Halten

07.08.2000

Degussa-Hüls

2,20

2,53

Halten

08.12.1999

Dresdner Bank

1,36

1,68

Halten

06.04.2001

Deutsche Telekom

0,37

0,44

Halten

25.07.2000

Eon

2,55

2,90

Kaufen

10.10.2000

Fresenius MC

2,83

3,30

Kaufen

10.03.2000

Henkel Vz.

3,60

4,00

Halten

31.08.1999

Infineon

0,56

1,76

Halten

03.07.2000

Lufthansa

2,30

2,60

Kaufen

05.05.2000

Linde

2,90

3,50

Halten

25.08.1999

MAN

2,55

2,90

Halten

18.10.2000

Metro

1,45

1,73

Halten

24.08.2000

Epcos

4,03

3,64

Kaufen

02.02.2001

Munich Re

8,47

9,66

Halten

02.02.2000

Preussag

2,05

2,03

Halten

31.08.2000

RWE

1,82

2,02

Kaufen

25.09.2000

SAP Vz.

2,90

3,90

Kaufen

10.01.2000

Schering

1,95

2,15

Kaufen

26.11.1999

Siemens

5,00

6,00

Halten

09.11.2000

Thyssen-Krupp

1,03

1,33

Kaufen

26.02.2001

Volkswagen

7,00

7,45

Kaufen

30.10.2000

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%