Analysten: Unternehmen muss Kosten senken
Lufthansa in der Krise

Die Terroranschläge in den USA haben die Fluggesellschaften weltweit in eine schwere Krise gestürzt. Nahezu wöchentlich gibt es Hiobsbotschaften über Massenentlassungen und Insolvenzen. Und jetzt auch noch die Lufthansa: Dienstagabend schockierte die Airline ihre Beschäftigten mit der Ankündigung, Kündigungen für Mitarbeiter in der Probezeit einzuleiten und betriebsbedingte Kündigungen zu erwägen.

ap FRANKFURT/MAIN 21.11.2001. Nach Einschätzung von Analyst Chris-Oliver Schickentanz von der Dresdner Bank ist der 11. September tatsächlich der Hauptgrund für die Turbulenzen bei Lufthansa. Andere Airlines hatten dagegen auch schon vorher Probleme. So kündigte beispielsweise British Airways schon vor den Anschlägen Stellenstreichungen an. Und die Swissair war schon seit längerem im Sinkflug. Die Insolvenz von Swissair und Sabena hätten bei vernünftigen Kostenstrukturen und richtigen Entscheidungen des Managements durchaus vermieden werden, können, argumentiert denn auch der Analyst.

Bei Lufthansa wird der 11. September allerdings deutliche Spuren in der Bilanz hinterlassen. Schickentanz erwartet, dass die Airline in diesem und möglicherweise auch im kommenden Jahr einen Verlust je Aktie ausweisen wird. Dies liege allerdings nicht nur am operativen Geschäft, sondern auch an Zinszahlungen und Abschreibungen. Operativ dürfte Lufthansa in diesem Jahr nahe an einer rote Null fliegen. Für das kommende Jahr erwartet der Experte hier wieder einen Gewinn.

Die jüngste Ankündigung der Lufthansa bewertet Schickentanz einerseits als Druckmittel bei den bisher ergebnislosen Verhandlungen mit Gewerkschaften über Einsparungen. Zum anderen müsse Lufthansa aber auch etwas auf der Kostenseite tun. Dies gelte vor allem auch mit Blick auf die Tarifvereinbarung für die Piloten vom Frühjahr, als die aktuelle Situation noch nicht absehbar gewesen sei.

Betriebsrat: Es wird keine Geschenke geben

Lufthansa habe einige Strecken stillgelegt und die Zahl der Flugzeuge reduziert, nun müsse das Unternehmen auch etwas bei den Personalkosten tun. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sei dieses Vorgehen konsequent. Kündigungen ließen sich allerdings durch Kurzarbeit und Einschnitte bei Gehaltszahlungen verhindern. Dies hätte zudem den Vorteil, dass das Unternehmen schnell und flexibel reagieren könne, wenn der Markt wieder anziehe.

Analyst Jürgen Pieper von Bankhaus Metzler sieht in der Ankündigung des Lufthansa-Vorstandes ebenfalls eine Drohung an die Gewerkschaften. Wenn diese bei den Verhandlungen über das Sparpaket nicht einlenkten, werde das Unternehmen aber wohl Kündigungen aussprechen.

Auch der Betriebsratsvorsitzende von Lufthansa in Frankfurt, Heinz-Werner Langendörfer, betont, es gehe nicht um die Sanierung, sondern um einen Ergebnisbeitrag der Mitarbeiter. Die Beschäftigten seien bereit zu helfen, aber nicht für ewig. Es werde keine Geschenke geben. Sollte der Vorstand tatsächlich betriebsbedingte Kündigungen aussprechen, müsse er mit dem Widerstand der Beschäftigten rechnen. Schichtverlegungen oder Überstunden werde es dann nicht mehr so problemlos geben wie bisher.

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