Archiv
Analysten: US-Konjunkturverlauf ohne klare Tendenz

vwd WASHINGTON. Nach den überraschend starken vorläufigen Erstquartals-Zahlen zum US-Wirtschaftswachstum dürfte sich das Zinssenkungstempo der US-Notenbank (Fed) verlangsamen. Zahlreiche Analysten meinten am Freitag, die Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Zinsschritt um 50 Basispunkte am 15. Mai beim nächsten Treffen des Offenmarktausschusses (FOMC) sei deutlich gesunken. Wahrscheinlich werde die Fed den Zielsatz für die Funds Rate um lediglich 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent reduzieren, so Pete Kretzmer von Bank of America Securities.

Er, wie viele seiner Kollegen unter den Fed-Watchern, war in den vergangenen Tagen unter dem Eindruck einer drohenden US-Rezession von der fünften Zinssenkung um 50 Basispunkte in diesem Jahr ausgegangen. Mark Vitner von First Union hält es sogar für möglich, dass die Fed bei ihrer nächsten Sitzung die Zinsen unverändert lassen wird. Dennoch sieht er den vom US-Handelsministerium gemeldeten BIP-Zuwachs von 2,0 Prozent - die Konsensprognosen lagen bei etwa plus einem Prozent - einen Schritt außerhalb der Realität. "Die Wirtschaft der 'Main Street' fühlt sich um einiges schlechter, als der BIP-Report dies heute gezeigt hat", sagt Vitner.

Gar nicht positiv für den weiteren Zinsausblick sind anderen Analysten zufolge auch die "schlechten" BIP-Inflationszahlen. Die Zunahmen von annualisiert 3,3 bzw 2,8 Prozent beim PCE- bzw BIP-Deflator seien nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, heißt es. Auch wegen dieser Entwicklung sei es gut möglich, dass die Fed ihr Zinssenkungstempo erst einmal drosseln werde. Allerdings ist das Bild an der Inflationsfront zurzeit etwas uneinheitlich. So waren zuletzt im März die Erzeugerpreise um 0,1 Prozent gefallen und die Verbraucherpreise um den selben Betrag (jeweils auf Monatssicht berechnet) gestiegen.

Der weitere Konjunkturverlauf wird ebenfalls ohne klare Tendenz gesehen. Auf der einen Seite wird es als positiv bewertet, dass die Lagerkorrektur bereits weit fortgeschritten ist, nachdem sich hier im ersten Quartal ein negativer Wachstumsbeitrag von 2,5 Prozentpunkten ergeben hat (ohne Lager wäre ein BIP-Zuwachs von 4,6 Prozent verzeichnet worden). Andererseits wird es als sehr wahrscheinlich erachtet, dass der überraschende Wachstumsbeitrag vom Außenhandel eher ein Einmaleffekt gewesen ist; nicht zuletzt wegen der kaum vermeidbaren Eintrübung der Weltwirtschaft und den damit verbundenen Folgen für die US-Exporte.

Konjunkturskeptiker verweisen aber vor allem darauf, dass auf Grund der sich verschlechternden Situation am Arbeitsmarkt und wegen der weiterhin niedrigen Aktienkurse der Motor des US-Wachstums - die Verbraucherausgaben - schon im zweiten Quartal ernsthaft Schaden nehmen könnten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%