Analysten verbreiten Pessimismus
Premiere World geht bald das Geld aus

Die Existenz von Premiere World ist nach Meinung der West LB Panmure ernsthaft bedroht. Denn offenbar reicht die Liquidität bei Premiere - mehrheitlich im Besitz der Kirch-Gruppe - nur noch für wenige Monate.

jojo/hps MÜNCHEN. "Dem Sender könnte im September 2002 das Geld ausgehen", urteilt zumindest die WestLB in einer Studie von gestern. "Premiere hat nur noch zwei Möglichkeiten: Das Unternehmen findet einen Investor wie Murdoch oder es geht in die Insolvenz", sagte Stefan Weiss, einer der Autoren der Studie, dem Handelsblatt. Die Kirch-Gruppe wollte zu den Schlußfolgerungen keine Stellung nehmen.

Der Medienunternehmer Rupert Murdoch hält über BSkyB 22 % an Premiere. Im Oktober hat BSkyB das Recht, seine Anteile gegen für 1,8 Mrd. Euro an Kirch zurück zu verkaufen - eine Summe, die das Unternehmen kaum aufbringen kann. Murdoch hatte erst am Mittwoch erklärt, er habe an einer Übernahme von Premiere kein Interesse mehr.

Laut WestLB macht Premiere, mehrheitlich in Besitz der angeschlagenen Kirch-Gruppe, täglich mindestens 1,5 Mill. Euro Verlust. Ausschlaggebend für die tiefroten Zahlen seien viel zu teuer eingekaufte Filme und Sportrechte. "Die Verträge sind einfach nicht wirtschaftlich", stellen die Medienexperten fest, "mit den gegenwärtigen Programmkosten wird Premiere niemals die Gewinnschwelle erreichen." Die Einnahmen würden durch die hohen Programmkosten aufgefressen, erklärte Weiss.

In Kirch-Kreisen wird davon ausgegangen, dass die Hälfte aller Kosten durch die teure Filmrechte entstehen. Bis 2006 muss Premiere Filme laut WestLB-Studie für knapp 3 Mrd. Euro abnehmen. Das Münchener Medienunternehmen hat dafür langfristige Abkommen mit den großen Studios in Hollywood geschlossen.

Der neue Premiere-Chef Georg Kofler fährt bereits einen strikten Sparkurs. Aber der Sender mit derzeit rund 2,4 Millionen Abonnenten hat langfristige Verpflichtungen. Die Aussichten, dass Investoren frisches Geld in Premiere stecken, hält die WestLB für gering: "Kein vernünftiger Anleger oder Kreditgeber wird zusätzliches Kapital in die bestehenden Strukturen stecken, ohne dass die Einkaufs-Verträge neu verhandelt werden."

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