Analysten verletzen Standesregeln um an Infos zu kommen
Wenn ein Analyst in eine klinische Studie gerät ...

Die US-amerikanische Nationale Vereinigung der Wertpapierhändler untersucht derzeit das Verhalten des Wertpapieranalysten David Risk von der Sterling Financial Investment Group in Florida, der sich selbst als Versuchsperson in einer klinischen Studie gemeldet hatte.

bba NEW YORK. Seit Monaten beschäftigen sich Mitarbeiter der US-Wertpapieraufsicht mit Hinweisen, in denen optimistische oder gar preistreiberische Wall Street-Analysten die von ihnen gecoverten Unternehmen nicht genau genug unter die Lupe genommen haben, um herauszufinden, wie es um das Unternehmen finanziell wirklich bestellt ist. Jetzt allerdings beschäftigt sich die National Association of Securities Dealers (NASD) mit einem ganz anders gelagerten Fall, in dem ein übereifriger Analyst anscheinend zu weit gegangen ist, um an relevante Informationen heran zu kommen.

David Risk meldete sich im Februar diesen Jahres als Studienteilnehmer beim US Neurocrine Biosciences Inc., -Pharmaunternehmen und sagte, er leide unter Schlafstörungen. Er wurde in eine klinische Studie aufgenommen, bei der das Unternehmen eine Schlaftablette testete. Er wollte so herausfinden, in welchem Stadium sich die klinische Studie befand, ob sie Fortschritte machte und ob das getestete Medikament Nebenwirkungen zeigte, sagten Mitarbeiter von Sterling und der für die Studie verantwortliche Manager. Obwohl er die getesteten Schlaftabletten letztlich nie eingenommen hatte, veröffentliche er fünf Tage später einen Research Report, in dem er den Verkauf der Neurocrine-Papiere empfahl. Er erwähnte Nebenwirkungen des Medikaments, von der er bei der Anmeldung zur Studie gehört hatte. In den Tagen danach fiel das Papier um rund 34 %.

"Nichts flasches getan"

Als er zu seinem Vorgehen einige zeit später befragt wurde, sagte Risk, er habe nichts falsches getan und habe es nicht für wichtig befunden, sich mit Neurocrine über den Research Report abzustimmen.

Ein solches Vorgehen könnte als Insiderhandel eingestuft werden, wenn der betreffende Analyst sich die Infos über die klinische Studie widerrechtlich oder unter Vorspiegelung falscher Tatsachen angeeignet hat und wenn er die Infos dann entweder selbst für den Wertpapierhandel genutzt oder sie an Dritte weitergegeben hat, wie US-Wertpapieranwälte bekannt gaben. Solche Informationen wären substanziell genug, um den Aktienwert des betreffenden Unternehmens zu beeinflussen, fügten sie hinzu.

"Proband" vom Dienst suspendiert

Die NASD machte keine weiteren Angaben über ihre Untersuchung. Die Finanz- und Investmentgruppe Sterling hat ein schuldhaftes Vorgehen abgelehnt, gleichzeitig aber angekündigt, sich mit dem Fall zu beschäftigen, soweit notwendig. Am Montag hat das Unternehmen David Risk für 90 Tage vom Dienst suspendiert und ihn zur Zahlung von 25 000 $ verdonnert.

In einem zweiten Fall von möglichem Insiderhandel hat sich der Aktienanalyst Jonathan Aschoff von der Wertpapierfirma Friedmann Billings, Ramsey Group Inc. aus Arlington, Virginia als Arzt ausgegeben, um an Informationen über eine weitere klinische Studie zu erhalten. Sein Arbeitgeber führt ein solches Verhalten auf die "Unfähigkeit von Aschoff zurück, die Firmenstandesregeln für Analysten zu beachten". Inzwischen hat der Analyst das Unternehmen verlassen.

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