Analysten vermuten "Drohgebärde" seitens AT&T
AT&T setzt AOL mit Listingplan von TWE-Anteil unter Druck

AT&T Corp wird voraussichtlich im Verlauf dieser Woche das Börsenlisting für ihren Anteil an Time Warner Entertainmant (TWE), beide New York, einleiten. Wie das "Wall Street Journal" (WSJ) am Montag unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise berichtet, will der Konzern mit diesem Schritt die Internet- und Mediengruppe AOL Time Warner Inc, Dulles, unter Druck setzen, mit der er seit einigen Monaten über den Verkauf seines 25,5-prozentigen TWE-Anteils verhandelt.

vwd NEW YORK. Dem Vernehmen nach ist die US-Telekomgruppe unzufrieden mit der Höhe des Gebots von AOL, die lediglich 9  Mrd. bis 10Mrd $ zahlen möchte sowie mit deren Forderung nach Nebenvereinbarungen bei Kabelsystem, Internet-Zugängen und Programmen als Teil eines "gebündelten" Vertrags.

TWE befindet sich bereits mehrheitlich im Besitz von AOL, die ein Paket von 74,5 % an dem Medienunternehmen hält. Unter ihrem Dach sind Time Warner Cable sowie die Warner Bros. Filmstudios und Home Box Office, ein Netzwerk für Pay-TV-Filme, angesiedelt. Beobachter schätzen die Verhandlungsposition von AT&T nicht als günstig ein. Denn der Telekommunikationskonzern wird durch eine Entscheidung der US-Regulierungsbehörde verpflichtet, bis Mai seinen Anteil an TWE zu veräußern.

Der Grund war die Akquisition von Media-One Group, wodurch AT&T auch in den Besitz des TWE-Anteils kam. Der Vorgänger von Media-One, US West hatte ihn damals für 2,5 Mrd $ gekauft. Analysten bewerten das Paket heute mit ungefähr zehn Mrd $, unter dem Management von Media-One war es vor einigen Jahren noch mit 15 Mrd $ taxiert worden. AOL, der einzige Interessent für den TWE-Anteil, möchte eine Kaufzusage an ein Versprechen von AT&T koppeln, AOL Zugang zu deren Kabelsystem zu verschaffen. Damit will AOL seine Position im Internetgeschäft verbessern.

Allerdings meinen Beobachter, dass dieser Schritt in Washington Ängste schüren könnte, dass der in Dulles ansässige Konzern seine dominante Stellung auch auf das High-Speed-Segment des Internetmarktes ausdehnen könnte. AOL fordert jedoch für eine Kaufzusage von AT&T noch weitere Eingeständnisse. So soll der New Yorker Konzern seinen Anteil an einem zusammen mit AOL betriebenen texanischen Kabelunternehmen an den Partner abtreten.

Marktkenner gehen davon aus, dass AT&T es mit dem Börsenlisting ihres TWE-Anteils nicht Ernst meint. Vielmehr sei dieser Schritt als eine Drohgebärde zu interpretieren, vermuten sie. Denn ein Börsengang wäre weder für AT&T noch für AOL eine wünschenswerte Lösung. Auf Grund des volatilen Aktienmarktes könnte AT&T leicht einen niedrigeren Erlös als erhofft einfahren. Darüber hinaus sei für beide Parteien ein Listing aus steuerlichen Gründen eine teure Variante, mutmaßen Analysten.



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