Analysten vermuten starken Preisabschlag
Easy-Jet zieht Airbus Boeing vor

Europas größte Billigfluglinie easy-Jet will in den kommenden Jahren bis zu 240 neue Airbus-Flugzeuge in ihre bislang aus Boeing-Maschinen bestehende Flotte aufnehmen.

Reuters LONDON. EasyJet habe 120 Maschinen des Kurzstrecken-Typs A319 bestellt und eine Option über weitere 120 Flugzeuge abgeschlossen, teilte die britische Fluggesellschaft am Montag mit. Airbus werde substanzielle Hilfe bei der Einführung und Wartung leisten, so dass die Betriebskosten der Airbus-Maschinen etwa zehn Prozent unter denen von Boeing-Flugzeugen liegen würden.

Analysten gehen davon aus, dass Airbus Easy-Jet zudem einen 40- bis 45-prozentigen Preisabschlag auf den Listenpreis von rund 6,2 Milliarden Euro angeboten hat, um Boeings Dominanz bei Europas Billigfliegern zu durchbrechen. Easy-Jet selbst nannte keine finanziellen Details. Mit der Vereinbarung haben beide Vertragspartner den Angaben zufolge 45 Tage Zeit, bis der Vertrag endgültig wird.

Die Aktien des Airbus-Mehrheitseigners EADS reagierten in einem leichten Marktumfeld in Paris mit Kursverlusten von mehr als fünf Prozent. Händler sagten, Airbus habe EasyJet sicherlich hohe Rabatte eingeräumt, was den Wert ihres größten Flugzeugauftrags dieses Jahres erheblich schmälere. Boeing-Titel verloren mehr als drei Prozent. Easy-Jet-Aktien gaben in London knapp fünf Prozent nach.

Easy-Jet-Chef Ray Webster bezeichnete den Kauf als einen entscheidenden Schritt zur Kostensenkung. "Ich glaube, eine Vereinbarung dieser Art hat es noch nicht gegeben", sagte der Chef der Fluggesellschaft, die mit ihren grell-orangen Flugzeugen zahlreiche Ferienziele in Europa ansteuert. EasyJet will die ersten Airbus-Maschinen ab August 2003 in der Schweiz einsetzen.

Boeing weiter unter Druck

In der Regel binden sich gerade Billigfluglinien an nur einen Flugzeugtyp, bislang meist Boeing 737, um für die Wartung möglichst wenig Ersatzteile lagern zu müssen. Auch die Piloten können so in jedem Flugzeug der Flotte ohne zusätzliche Schulungskosten eingesetzt werden. Bislang besteht auch die Flotte des nach Easy-Jet zweitgrößten europäischen Billigfliegers Ryanair nur aus Boeing-737-Flugzeugen.

Airbus-Chef Noel Forgeard sagte vor Journalisten in London, im nächsten Jahr wolle sein Unternehmen mindestens 300 Flugzeuge ausliefern. Zudem sei er zuversichtlich, 2004 ebenfalls rund 300 Jets zu produzieren. Airbus gehört zu 80 Prozent der deutsch-französischen EADS und 20 Prozent dem britischen Luft- und Raumfahrtkonzern BAE Systems.

Für Branchenprimus Boeing bedeutet die Vereinbarung indes einen Rückschlag in seinem Bemühen, die derzeit schwierige Auftragslage zu verbessern. Seit dem 11. September ist der weltweite Luftverkehr drastisch zurückgegenagen. In den Boeing-Werken in der Region Seattle wurden in den vergangenen Monaten bereits tausende Arbeiter entlassen.

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