Analysten von Gewinnwarnung überrascht
Gerling reißt Deutsche Bank ins Minus

Die Deutsche Bank erwartet wegen umfangreicher Abschreibungen auf Beteiligungen und Wertpapierbestände im ersten Quartal einen Nettoverlust von rund 200 Mill. ?. Den Abschreibungen von 1,25 Mrd. ? Euro stünden Nettogewinne von rund 500 Mill. ? aus dem Verkauf von Geschäftsfeldern gegenüber, teilte die Bank am Donnerstag überraschend in Frankfurt mit.

Reuters FRANKFURT/M. Operativ hat Deutschlands größte Bank dennoch fast eine Milliarde Euro im Auftaktquartal verdient. Denn trotz der Nettobelastungen von 725 Millionen Euro ergebe sich ein Vorsteuergewinn von 225 Millionen Euro, teilte das Institut am Donnerstag mit.

Mit den massiven Abschreibungen - der 34,5 prozentige Anteil am defizitären Versicherungskonzern Gerling ist jetzt fast aus den Büchern - habe die Bank endlich reinen Tisch gemacht und könne sich jetzt auf das Kerngeschäft konzentrieren, sagten Analysten. Die Investoren sehen dies offensichtlich ähnlich, denn die Aktien lag am Nachmittag nach anfänglich deutlicheren Kursverlusten nur etwa 2,2 Prozent im Minus bei 47,08 Euro. Der europäische Bankensektor tendierte indes 0,5 Prozent leichter.

Gerling jetzt fast ganz abgeschrieben

Den Abschreibungen von 1,25 Milliarden Euro stehen Nettogewinne von rund 500 Millionen Euro aus dem Verkauf von Geschäftsfeldern gegenüber. Damit ergibt sich nach drei Monaten eine Nettobelastung von 725 Millionen Euro. Da diese überwiegend steuerlich nicht abzugsfähig seien, erwarte der Konzern einen Verlust nach Steuern für das Quartal von rund 200 Millionen Euro. Im Auftaktquartal des vergangenen Jahres hatte die Bank zwar einen Nettogewinn von 597 Millionen Euro ausgewiesen, dabei aber hohe Einmalerträge aus der Reduzierung ihrer Anteile an der Allianz und der Münchener Rück eingestrichen.

Die Abschreibungen auf Beteiligungen von rund 625 Millionen Euro im ersten Quartal resultieren vornehmlich aus dem Anteil am defizitären Kölner Versicherungskonzern Gerling. Seit rund einem Jahr sucht die Deutsche Bank vergeblich einen Käufer für ihr Gerling-Paket. Allein 2002 wurden rund 700 Millionen Euro bei diesem kostspieligen Engagement abgeschrieben, das zuletzt mit etwa 500 Millionen Euro in der Bilanz stand. Zumindest für den mehrheitlich zu Gerling gehörenden Kreditversicherer NCM zeichnet sich eine Lösung ab. Die Deutsche Bank werde voraussichtlich gemeinsam mit der Swiss Re in wenigen Wochen NCM zu fast gleichen Teilen übernehmen, erfuhr Reuters am Donnerstag aus mit der Transaktion vertrauten Kreisen. Swiss Re hat schon 25 Prozent an NCM. Aus dieser Transaktionen würden etwas mehr als 100 Millionen Euro in die Gerling-Rückversicherung fließen, was den Verkauf des Gesamtkonzerns erleichtern könnte.

Für HVB-Bankenanalyst Oliver Flade kamen die Abschreibungen bei Gerling nicht wirklich überraschend, da die Probleme hier seit Monaten bekannt gewesen seien. "Dieses Damokles-Schwert hängt jetzt nicht mehr über der Bank und wir können uns jetzt wieder auf das operative Geschäft konzentrieren", sagte Flade.

Aber auch die weiter schwachen Aktienmärkte haben das Ergebnis der Deutschen Bank belastet. Auf den Wertpapierbesitz wurden netto rund 400 Millionen Euro abgeschrieben, wobei der Großteil die Beteiligungen an EFG Eurobank, Fiat und der mg technologies ausmachten. An Fiat hält die Bank rund zwei Prozent und an der ehemaligen Metallgesellschaft neun Prozent. Die Belastungen aus Abschreibungen auf Anteile an nicht börsennotierten Unternehmen (Private Equity) lagen insgesamt bei 200 Millionen Euro.

Deutsche Bank noch weit hinter Citigroup

Im Vergleich zum weltweit größten Finanzkonzern Citigroup hat die Deutsche Bank eher bescheiden abgeschnitten. Dank einer starken Nachfrage nach Konsumentenkrediten und robusten Erträgen im Anleihegeschäft verbuchte die US-Gruppe einen Rekordgewinn von 4,1 Milliarden Dollar nach Steuern. Die europäischen Wettbewerber wie die Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse legen ihre Quartalszahlen erst in den nächsten Wochen vor. Von der inländischen Konkurrenz berichtet die Commerzbank am 7. und die HVB am 14. Mai.

Analysten von Gewinnwarnung überrascht

Georg Kanders von der WestLB stufte die Aktie der Deutschen Bank herunter auf "Neutral" von "Outperform", sprach aber trotzdem von einem soliden operativen Ergebnis. "Die Gewinnwarnung war überraschend. Trotz der robusten operativen Erträge und nach der guten Kursentwicklung der letzten Tage ist ein Outperform für die Aktie nicht mehr gerechtfertigt", erläuterte der Aktien-Stratege. Sein Kursziel bleibt aber bei 53 Euro.

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