Analysten warnen vor bösen Überraschungen bei Kliniksparte
Fresenius bremst Investitionen

In atemberaubendem Tempo hat Fresenius über seine Tochter Fresenius Medical Care weltweit die Marktführerschaft im Dialysebereich erobert. Während hier das Potenzial weitgehend ausgereizt scheint, lässt das angekündigte Wachstum der anderen Konzernsparten noch auf sich warten.

BAD HOMBURG. Nach dem kometenhaften Aufstieg der Dialyse-Tochter Fresenius Medical Care (FMC) scheint der Bad Homburger Fresenius-Konzern eine Atempause zu benötigen: Nicht nur FMC erfüllt die eigenen Prognosen nicht mehr, auch der Ausbau anderer Konzernsparten gestaltet sich schwieriger als erwartet. Von seinem Traum, alle vier Bereiche an die Börse zu bringen, ist Vorstandschef Gerd Krick weit entfernt. Die im Dax-30 notierte FMC-Aktie und das Fresenius-Papier befinden sich seit Monaten auf Talfahrt. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärte Krick die Aufräumarbeiten in der zweitgrößten Konzernsparte, Fresenius Kabi, für erledigt. Das verloren gegangene Anlegervertrauen könnten jetzt aber nur gute Zahlen zurückerobern, weiß der Konzernchef.

Analysten warnen davor, dass nach FMC und Kabi nun auch noch die Krankenhaussparte Pro Serve, die Fresenius im vergangenen Jahr mit dem Erwerb der Wittgensteiner Kliniken AG aufbaute, mit bösen Überraschungen aufwarten könnte. Mehrere Wettbewerber, darunter Rhön-Klinikum und Mediclin, haben kürzlich ihre Prognosen reduziert, weil die schwache Konjunktur auch die Zahl der Patienten sinken lässt. Im Gegensatz zu einigen Wettbewerbern, die ihr Wachstum über den Erwerb neuer Kliniken forcieren, hält sich Fresenius bei Bieterverfahren für Kliniken in Deutschland und Europa derzeit zurück. Krick zufolge sind die Preise teilweise in unrealistische Höhen getrieben worden. Wachstumschancen für die Klinik-Sparte sieht Krick derzeit immerhin außerhalb Europas. Im Gegensatz zum Rhön-Klinikum, das sich mit dem inzwischen wieder aufgegebenen Engagement in Südafrika eine blutige Nase holte, vermeidet Fresenius in Gabun oder Malaysia jedoch eigene Investitionen. "Wir bauen die Kliniken dort mit staatlichen Geldern und schließen lediglich Management-Verträge für die Häuser ab", erläutert Krick die Risikominimierung im Ausland.

Aber auch sonst fährt der Fresenius-Konzern seine Investitionen zurück. Nach 407 Mill. Euro im Vorjahr will der Konzern im laufenden Jahr rund 350 Mill. Euro investieren. Mittelfristig ist Krick zufolge eine Stabilisierung bei etwa 300 Mill. Euro geplant. Die Zeiten, in denen in den Aufbau neuer Produktionsstätten investiert werden musste, seien weitgehend vorbei, lautet die Begründung. Das Gros werde künftig auf Erneuerungsinvestitionen entfallen.

Eine Ausnahme stellen die von Analysten bisweilen als Kricks Steckenpferd belächelten biotechnologischen Forschungen in der Sparte Hemocare dar. Jahr für Jahr steckt der Konzern rund 30 Mill. Euro in diese Forschung. Die gemeinsam mit der Münchener Biotechnologieschmiede Trion verfolgte Krebsforschung hat allerdings bislang trotz ersten ermutigenden Ergebnissen der klinischen Studien noch kein marktfähiges Produkt hervorgebracht.

Das Gerücht, Fresenius habe sich von einer anderen Wachstumsphantasie Im Biotech-Umfeld verabschiedet, weist das Unternehmen zurück. Das 1997 mit dem US-Partner GTC Biotherapeutics begonnene Projekt zur Gewinnung des menschlichen Eiweißes Albumin aus der Milch transgener Kühe werde weiterhin verfolgt.

Für das Geschäft aller Konzernsparten gilt Krick zufolge dasselbe Muster: Das Produktgeschäft wachse in den Emerging Markets, in denen immer mehr Menschen Zugang zu medizinischen Leistungen hätten. In den reifen Märkten, in denen dagegen die Kostenexplosion des Gesundheitswesen politisch diskutiert werde, sei nennenswertes Wachstum nur im Dienstleistungsgeschäft möglich. Vornehmlich auf den Servicebereich setzt deshalb auch die Konzernsparte Kabi, die sich nicht nur 2001, sondern auch im laufenden Jahr unter Plan entwickelte. Nach einer insgesamt 69 Mill. Euro schweren Restrukturierung der Produktionsanlagen und der Arbeitsabläufe soll die angepeilte Ergebnismarge von 10 % möglichst bald wieder erreicht werden.

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