Analysten werten Billigflug-Urteil als Rückschlag
Lufthansa leidet unter Konjunktur-Flaute

Die Deutsche Lufthansa leidet noch immer unter der Konjunkturflaute. Das Unternehmen muss Verluste verbuchen und will daher in diesem Jahr keine Dividende zahlen. Ein gerichtliches Billigflug-Verbot werten Analysten als weiteren Rückschlag.

vwd FRANKFURT/M. Wenn die Deutsche Lufthansa AG, Frankfurt/Köln, am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz ihr detailliertes Zahlenwerk für 2001 präsentieren wird, warten Beobachter des Unternehmens vor allem auf die Ausagen des Vorstandsvorsitzenden Jürgen Weber zum laufenden Jahr. Allerdings werden - im Gegensatz zu den Vorjahren - noch keine Quartalszahlen präsentiert. Sie sollen erst am 15. Mai veröffentlicht werden. Es ist aber davon ausszugehen, dass Weber Trendaussagen zum ersten Quartal machen und eine Prognose für das Gesamtjahr stellen wird.

Ein erstes Stimmungsbild haben die Verkehrszahlen vermittelt, die der Konzern Anfang April für das erste Quartal veröffentlicht hat. Sie haben gezeigt, dass die Folgen der Terroranschläge vom 11. September noch immer die Entwicklung des Lufthansa-Konzerns beeinträchtigen. Die Passagierzahlen (minus 11,4 Prozent) und das Frachtvolumen (minus 6,7 Prozent) sind in den ersten drei Monaten weiter unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums geblieben. Die Gesamtauslastung (Passage, Fracht) im Konzern war jedoch in den ersten drei Monaten aufgrund der Reduzierung der Kapazitäten um 2,6 Prozentpunkte auf 71 Prozent gestiegen, im März hatte sie sich um 4,1 Prozentpunkte auf 74,7 Prozent verbessert.

Den im Vergleich zu den Vormonaten höheren prozentualen Passagierrückgang im März (minus 11,8 Prozent) hatte das Unternehmen mit dem im Vergleich zum Vorjahr um sechs Tage späteren Start des Sommerflugplans begründet. Auch der frühere Termin der Osterferien (weniger Geschäftsreisende) habe belastet.

Lufthansa spürt nach eigenen Angaben noch immer die Zurückhaltung der deutschen Geschäftsreisenden wegen der Konjunkturflaute. Auch flögen US-Touristen aus Angst sehr wenig, hatte Weber noch Anfang März erklärt. In Erwartung steigender Buchungszahlen hat die Lufthansa jedoch bereits angekündigt, 18 der 43 nach dem 11. September stillgelegten Flugzeuge wieder in Betrieb zu nehmen und vier neue Maschinen zusätzlich einzusetzen. Die Kapazitäten liegen allerdings noch immer um fünf Prozent unter dem Niveau des Sommerflugplans 2001.

Als Rückschlag für die Fluggesellschaft werten Analysten, dass das Unternehmen nach einer vorläufigen Entscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf nicht mit Billigflügen auf der Strecke Berlin-Frankfurt gegen Mitbewerber Germania konkurrieren darf. Die Entscheidung, so Marktbeobachter, könnte Konsequenzen für Lufthansa haben, die weit über die Strecke Berlin-Frankfurt hinausgingen.

Erstmals Verluste seit 1993

Im abgelaufenen Geschäftsjahr war der Lufthansa-Konzern erstmals seit 1993 vor Steuern in die Verlustzone gerutscht. Während 2000 noch ein Gewinn vor Steuern von 1,2 Mrd. Euro erzielt worden war, weist die Fluglinie nach vorläufigen Zahlen für 2001 einen Vorsteuerverlust von 754 Mill. Euro aus. Ausschlaggebend für den Verlust waren Abschreibungen von 500 Mill. Euro und Rückstellungen von 180 Mill. Euro für drohende Abschreibungen im Bereich Catering, sowie ein deutlich negativer Zinssaldo. Das Ziel, einen operativen Verlust zu vermeiden, sei jedoch erreicht worden, hatte der Konzern Mitte März mitgeteilt.

Vorläufigen Angaben zufolge lag der operative Gewinn für 2001 bei 20 Mill. Euro gegenüber 1,04 Mrd. Euro im Vorjahr. Nach Steuern verbuchte die Lufthansa einen Verlust von 591 Mill. Euro, nach einem Gewinn 2000 von 689 Mill. Euro. Vor dem Hintergrund der Konzernverluste hat das Unternehmen bereits angekündigt für 2001 keine Dividende zu zahlen. Im Jahr 2000 waren noch 0,60 Euro je Aktie an die Aktionäre ausgezahlt worden.

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