Analysten werten die Übernahme als strategisch sinnvoll
Siemens kauft DSL-Spezialisten

Der Siemens will für umgerechnet rund 3,2 Mrd. DM eines der weltweit führenden Unternehmen in der DSL-Breitbandtechnologie übernehemen. Für 2000/2001 sollen Umsatz und Auftragseingang des Konzerns zweistellig ansteigen. Auf der heutigen Hauptversammlung wird über ein Aktiensplitting entschieden.

Reuters MÜNCHEN. Der Siemens-Konzern will sein Mobilfunk- und Netzwerkgeschäft durch die Übernahme der US-Firma Efficient Networks stärken, sieht aber durch den Aufbau der Breitband-Technologie und des Mobilfunks Ergebnisbelastungen auf den Bereich zukommen.

Siemens werde den Aktionären des Anbieters von DSL-Breitbandzugangstechnologie ein Angebot im Gesamtwert von umgerechnet rund 3,2 Mrd. DM unterbreiten, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Analysten bezeichneten die Pläne als sinnvoll. Siemens-Chef Heinrich von Pierer sagte zudem auf der Hauptversammlung in München, der Konzern leide unter der momentanen Schwäche des Handy-Marktes, Prognosen für diesen Bereich seien schwierig.

Die Siemens-Aktien gaben in einem schwachen Börsenumfeld 0,2 % auf 133,24 Euro nach.

Der Zukauf von Efficient, die im vergangenen Jahr mit rund 600 Mitarbeitern einen Umsatz von 394 Mill. Dollar erwirtschaftete, komme zum richtigen Zeitpunkt, sagte Roland Koch, der Chef der Siemens-Netzwerksparte ICN. Siemens biete den Aktionären einen Preis von 23,50 Dollar je Aktie, wodurch sich ein Übernahmevolumen von 1,5 Mrd. Dollar ergebe.

Kurs von Efficient seit Mai 2000 stark gesunken

Im Mai 2000 hätten die an der US-Technologiebörse Nasdaq notierten Papiere noch rund 180 Dollar gekostet. Gegenüber dem Schlusskurs von Mittwoch bei 12,3/8 Dollar bezahlt Siemens einen Aufschlag von rund 90 %. "Wenn man sich die Chancen und die Substanz anschaut, denke ich, ist das ein fairer Preis", sagte Koch.

Efficient biete Netzwerkbetreibern Produkte für Firmen und Endkunden, um diesen den Breitbandzugang zum Internet zu ermöglichen und sei ein führendes Unternehmen auf dem Markt für DSL-Technologie, erläuterte der Bereichsvorstand.

Zwar habe das Unternehmen im abgelaufenen Quartal einen operativen Verlust von 8,6 Mill. Dollar verbucht und es entstünden für ICN auch Belastungen durch Abschreibungen auf den immateriellen Firmenwert (Goodwill). "Innerhalb der ersten zwei Jahre wird sich der Zukauf aber operativ rechnen", sagte Koch, ohne das weiter auszuführen.

Großer Schub für US-Geschäft erwartet

Weil Efficient gute Kontakte zu US-Kunden habe, erwartet Koch für ICN einen großen Schub im US-Geschäft. Analysten werteten die Übernahme als strategisch sinnvoll. "Um zu sagen, ob das ein fairer Preis ist, müssten wir aber noch Informationen über die Wachstumserwartungen für Siemens für Efficient haben", sagte DG-Bank-Analystin Ingrid von Hentschel. "Das sind gute Nachrichten," sagte auch Fabrice Farigoule vom Bankhaus Metzler.

Allerdings mache das Breitbandgeschäft im Siemens-Konzern nur einen kleinen Teil aus. Die Schwäche des Mobilfunk- und des Halbleitermarkes und die Abschwächung der Konjunktur in den USA hätten da größere Auswirkungen auf den Gesamtkonzern.

Mittelfristig wolle Siemens zu den führenden drei Anbietern im Markt für Breitbandzugangstechnik gehören, sagte Koch weiter. Hauptkonkurrenten auf diesem Gebiet sind der französische Technologiekonzern Alcatel und der US-Konzern Cisco. Die Übernahme muss noch von den Wettbewerbsbehörden genehmigt werden.

Aufbau in Zukunftsfelder belastet Ergebnis

Trotz der Verstärkung auf dem Gebiet des Breitbandzugangs sieht Vorstandschef von Pierer auch Belastungen auf den Konzern zukommen. Das größte Arbeitsgebiet "Informations and Communications", in dem das Mobilfunkgeschäft, die Netzwerktechnik und Dienstleistungen zusammengefasst sind, wachse zwar weiterhin erheblich, sagte der Firmenchef. "Der erfolgreiche Aufbau des Geschäfts in Zukunftsfeldern wie Internet-Breitbandtechnologie und Mobilfunk kostet jedoch Kraft, und das Ergebnis wird dadurch zunächst noch belastet", fügte er hinzu.

Das Arbeitsgebiet hatte im Geschäftsjahr 1999/2000 einen Umsatz von rund 26 Mrd. Euro und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund 1,6 Mrd. Euro erwirtschaftet.

Auch in dem Bereich Automation und Antriebe (A&D) gebe es Anzeichen für eine konjunkturelle Abkühlung, sagte von Pierer. Die könne Siemens möglicherweise im nächsten Geschäftsjahr 2001/2002 (zum 30. September) zu spüren bekommen, auch wenn sich das Geschäft weiter auf hohem Niveau bewege.

Für den Gesamtkonzern hielt von Pierer an seinen Prognosen für 2000/2001 fest, wonach Umsatz und Auftragseingang zweistellig und das Ergebnis überproportional steigen werde.

Aktiensplit steht zur Entscheidung an

Auf der Hauptversammlung sollen die Siemens-Aktionäre unter anderem über einen Aktiensplitt im Verhältnis 2:1, die Ermächtigung zum Rückkauf eigener Aktien und die Erhöhung der Dividende auf 1,40 Euro von einem Euro und einer zusätzlichen Sonderausschüttung von einem Euro entscheiden.

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