Analysten wundern sich über Kursverluste vor der Gewinnwarnung
Schering-Plough senkt überraschend Prognosen

Der US-Pharmakonzern Schering-Plough Corp hat in der Nacht zum Freitag seine Gewinnprognosen bis 2004 deutlich gesenkt. Der Konzern begründete die schwächere Gewinnentwicklung im laufenden und den nächsten beiden Jahren mit dem Ablauf eines Patents für das Allergiemittel Claritin.

Reuters NEW YORK. Die Mitteilung überraschte die Märkte, da sie zum einen rund zehn Stunden nach einer Analystenkonferenz und zum anderen am späten Abend im US-Bundesstaat New Jersey (früher Morgen MESZ) veröffentlicht wurde. Der Aktienkurs von Schering-Plough war in den vergangenen Tagen bereits deutlich gesunken, was Analysten sich nicht hatten erklären können. Firmenvertreter waren dazu zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Im New Yorker Vormittagshandel notierten die Aktien des Unternehmens am Freitag an einem etwas schwächeren Markt mit 16,92 Dollar um 4,08 % niedriger.

Schering-Plough teilte mit, im laufenden Jahr werde nur noch ein Ergebnis auf Vorjahreshöhe erreicht. Analysten hatten dagegen ein leichtes Plus erwartet. Für das dritte Quartal prognostizierte der Konzern einen Gewinn je Aktie von 28 oder 29 Cent, verglichen mit 35 Cent, die Analysten nach einer Umfrage von Thomson First Call im Schnitt angesetzt haben.

Weiter teilte der Konzern mit, 2003 werde der Gewinn je Aktie bei 1,00 Dollar bis 1,15 Dollar und damit ebenfalls deutlich unter den Schätzungen der Analysten liegen. Diese hatten laut Thomson First Call im Durchschnitt einen Gewinn von 1,42 Dollar je Aktie prognostiziert. Für 2004 sagte der Konzern jetzt nur noch einen Gewinn von 1,38 Dollar je Aktie voraus, verglichen mit einer Analystenprognose von 1,69 Dollar je Aktie.

Seit Montag haben die Aktien von Schering-Plough rund 17 % an Wert verloren. Verschiedene Fondsmanager hatten vermutet, dass der Konzern im dritten Quartal 2002 die Erwartungen nicht erfüllen kann. "Wir wissen immer noch nicht, warum die Aktien vor der Gewinnwarnung so dramatisch gefallen sind. Ich frage mich, ob die Information nicht irgendwie schon herausgesickert war", erklärte Raymond James-Analyst Mike Krensavage. Die Analystenkonferenz war für Journalisten nicht zugänglich gewesen. Chief Executiv Officer (CEO) Richard Kogan habe den Analysten am Donnerstag erklärt, der Gewinn 2003 werde "schrecklich" sein, sagte unterdessen ein Analyst, der an der Konferenz teilgenommen hatte. Schering-Plough wird im Dezember das Patent für Claritin verlieren, das 2001 weltweit noch einen Umsatz von 3,2 Mrd. Dollar erreicht hatte. Eine Gruppe von Herstellern günstiger Nachahmermedikamente (Generika) wird dann vermutlich mit dem Verkauf der entsprechenden Generika beginnen. Der Grund für die Senkung der Prognose sei sehr einfach, sagte Analyst Krensavage: "Es läuft alles auf Claritin hinaus, einem extrem profitablen Mittel, dessen Absatz nach Auslauf des Patents kräftig fallen wird." Im Januar hatte Schering-Plough ein ähnliches, aber etwas günstigeres Allergiemittel, Clarinex, auf den Markt gebracht. Bisher sind aber nur rund 40 % der Patienten, die bisher Claritin eingenommen haben, zu dem neuen Mittel gewechselt.

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