Analysten zeichnen düsteres Bild
US-Konjunkturschwäche belastet die Technologie-Marktführer

Was vor wenigen Monaten noch viele Beobachter für undenkbar hielten, ist nun passiert: Getroffen von der schwächelnden US- Konjunktur müssen die Marktführer ihrer Branchen, Cisco Systems bei den Netzausrüstern und Intel bei den Chipherstellern, vielen Mitarbeitern kündigen

PALOALTO HB. Cisco hat am Freitag nach Börsenschluss in New York angekündigt, dass wegen des scharfen Einbruchs des Wirtschaftswachstums in den USA bis zu 11 % der festen Arbeitsplätze des Konzerns abgebaut werden sollen. Bis Ende des laufenden Geschäftsjahres (Ende Juli) soll die Zahl der fest angestellten Beschäftigten von 44000 um 3000 bis 5000 reduziert werden. Das Unternehmen werde auch die meisten der etwa 4 000 Zeitarbeiter-Verträge nicht verlängern, teilte Cisco weiter mit.

Wegen des geplanten Stellenabbau will das Unternehmen bis zum Ende des vierten Geschäftsquartals 2001 Sonderabschreibungen zwischen 300 und 400 Millionen Dollar zurückstellen. Über die Höhe der durch den Stellenabbau zu erwartenden Kosteneinsparungen wollte Cisco keine näheren Angaben machen.

Cisco-Chef John Chambers sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, die Pläne hätten den bisher größten Stellenabbau der Unternehmensgeschichte in einem so kurzen Zeitraum zur Folge. Der sonst zumeist optimistische Chambers musste einräumen, dass er nach Gesprächen mit einer Reihe großer Kunden für eine rasche Belebung der Nachfrage in der nächsten Zeit kaum Chancen sehe.

Cisco hatte mit seinem Ergebnis bereits im zweiten Quartal (31.12.) die Erwartungen von Analysten zum ersten Mal seit sechs Jahren verfehlt. Das Unternehmen hatte am 6. Februar für diesen Zeitraum immerhin einen Anstieg des Gewinns um 48 % und des Umsatzes um 55 % ausgewiesen.

Der Netzausrüster hat in den vergangenen Jahren vom Aufschwung in der Telekommunikation stark profitiert und die Zahl seiner Mitarbeiter fast verdoppelt. Doch nun leidet Cisco wie andere Technologiekonzerne darunter, dass die Telekomfirmen ihre Investitionen massiv zurückgenommen haben.

In den zurückliegenden Wochen haben führende Netzwerkhersteller wie Nortel Networks und Lucent Technologies jeweils den Abbau von etwa 10 000 Stellen angekündigt. Glasfaserspezialist JDS Uniphase plant den Abbau von 3000 Stellen, 3Com will 1200 Stellen streichen.



Gewinnwarnung von Intel

Die Netzausrüster sind mit ihren Konjunkturproblemen nicht allein. Einen Tag vor Cisco hat die Nummer eins unter den Chipherstellern, Intel, bekannt gegeben, dass im laufenden Quartal ein noch stärkerer Umsatzrückgang erwartet werde als bislang vorhergesagt. Konsequenz daraus: Intel plant, etwa 5000 seiner 87000 Stellen abbauen.

Der Umsatz im ersten Quartal werde wegen schwacher Nachfrage nach nahezu allen Produkten des Konzerns um 25% unter dem des Vorquartals liegen, teilte Intel mit. Bislang lag die Vorhersage bei minus 15 %. Intel rechnet nun mit einem Quartalsumsatz von etwa 6,5 Milliarden Dollar. Analysten hatten nach einer ersten Warnung 7,4 Milliarden Dollar prognostiziert. Im vierten Quartal 2000 hatte Intel noch 8,7 Milliarden Dollar umgesetzt. Der nun absehbarer Rückgang wäre das deutlichste Minus bei Intel seit 1983.



Düsteres Bild der Analysten

Analysten zeichneten nach der Intel-Ankündigung ein düsteres Bild auch für andere Firmen. "Der Abschwung ist nicht auf nur einen Bereich beschränkt", sagte Daniel Niles von Lehman Brothers in San Francisco. Es sei ein weltweites Problem und betreffe nicht nur die Lagerbestände oder nur die Computerbranche. Die Nachfrageschwäche werde auch Auswirkungen auf andere Unternehmen haben.

"Wir sehen derzeit eine Nachfrageschwäche bei allen Produkten von Intel", bestätigte Intel-Finanzchef Andy Bryant den negativen Trend. Er rechne mit einer Belebung der Nachfrage im zweiten Halbjahr dieses Jahres. Laut Bryant würde ein Ausblick mit der Veröffentlichung der endgültigen Quartalszahlen am 17. April erfolgen.

Neben Intel gaben am vergangenen Donnerstag auch kleinere Halbleiter-Hersteller wie National Semiconductor und ON Semiconductor sowie die Telekom-Ausrüster Somera und Intersil Umsatzwarnungen aus. Auch hier begründeten die Firmen dies mit einer geringeren Nachfrage nach ihren Produkten.

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