Analysten: "Zinssenkung überfällig"
Verwirrung um Zinssenkung belastet Euro weiter

Die Nachwirkungen der überraschenden EZB-Zinssenkung haben am Freitag den Euro belastet und auf ein neues Drei-Wochen-Tief gedrückt. Analysten äußerten wie schon am Vortag Kritik an dem Vorgehen der Europäischen Zentralbank (EZB). Zwar sei eine Senkung wegen der weltweiten Konjunkturabkühlung überfällig gewesen, aber der Zeitpunkt sei verwirrend und widerspreche jüngsten Äußerungen von EZB-Ratsmitgliedern.

rtr FRANKFURT. Der Yen litt unter der Veröffentlichung pessimistischer Wirtschaftsprognosen für Japan sowie unter Zweifeln am Reformwillen der neuen japanischen Regierung.

Gegen 13.45 Uhr MESZ kostete ein Euro 0,8771/76 $ nach einem kurz zuvor erreichten Tiefstand von 0,8759 $ und einem Vorabendschluss in New York von 0,8810/14 $. Im Referenzkursverfahren öffentlicher Banken wurde die Gemeinschaftswährung mit 0,8866 $ ermittelt. Ein Dollar kostete bei diesem Kurs umgerechnet 2,2309 $ nach 2,2060 $ am Vortag.

Es sei nicht überraschend, dass der Euro wegen der EZB-Zinssenkung falle, sagten Devisenhändler übereinstimmend. "Wegen der jüngsten Äußerungen der EZB - Inflation als Grund für stabile Zinsen - weiß der Markt nicht, wie er die Zinssenkung interpretieren soll", sagte Matthew Clements von Prebon Marshall Yamane in London. "Bei den Umständen der Zinssenkung ist es keine Überraschung, dass der Euro schwach ist", sagte er weiter. Andere Händler übten noch harschere Kritik an der Notenbank: "Wenn man sich die letzten beiden Jahre ansieht, war die EZB nicht fähig, irgend etwas richtig zu machen", sagte Sonia Hellemann von Dresdner Kleinwort Wasserstein in London.

Zinsunterschied zu Gunsten des Euro verschwunden

Die EZB hatte am Donnerstag den Leitzins in der Euro-Zone überraschend um 25 Basispunkte auf 4,50 % gesenkt. EZB-Präsident Wim Duisenberg begründete die Zinssenkung mit dem nachlassenden Inflationsdruck in der Euro-Zone und wertete sie als Beitrag für stabiles Wachstum. Der Euro hatte am Donnerstag auf die Entscheidung zunächst mit einem Kursgewinn von mehr als einem halben Cent reagiert, im Verlauf jedoch ein Drei-Wochen-Tief unter 0,88 $ gesehen.

Händler wiesen darauf hin, dass der Zinsunterschied zu Gunsten des Euro nach der EZB-Zinssenkung verschwunden sei. Sollte die EZB - wie nun mehrheitlich erwartet - bis Juli erneut die Zinsen senken, würde der Zinsunterschied zu Gunsten des Euro auch im Falle einer Fed-Zinssenkung in den kommenden Monaten geringer ausfallen als zunächst angenommen. Nach einer Reuters-Umfrage erwarten nun 25 von 31 Volkswirten bereits im Juni oder Juli den nächsten Zinsschritt der EZB. Bis zum Jahresende wird die EZB der Umfrage zufolge den Schlüsselzins nach ihrer Zinssenkung um 0,25 %punkte am Donnerstag um weitere 50 Basispunkte auf dann 4,00 % senken.

Der Yen fiel gegen den Dolar mit 122,85 Yen am Morgen auf den tiefsten Stand seit zehn Tagen, konnte sich danach jedoch wieder auf Kurse von 122,34/38 Yen erholen. Die japanische Regierung revidierte am Freitag den vierten Monat in Folge ihre Konjunkturprognose für das laufende Jahr herunter. Damit ist der Druck auf den neuen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi nach Ansicht von Analysten gestiegen, tief greifende Reformen zur Ankurbelung der Wirtschaft durchzusetzen. Händler sagten jedoch, die Hoffnung auf baldige Reformen schwinde und dies belaste den Yen. In einer US-Bank in London hieß es: "Die Leute kaufen am liebsten Dollar - trotz der Probleme in den USA, weil es überall sonst anscheinend noch schlimmer ist.

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