Analysten zum Anstieg des Ifo-Index
Volkswirte sprechen von Gegenreaktion

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Mai unerwartet deutlich verbessert. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland sei auf 87,6 Zähler nach 86,6 Zählern im April gestiegen, teilte das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Montag mit.

Reuters BERLIN. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem leichten Anstieg auf 86,7 Punkte gerechnet.

Volkswirte sagten in ersten Reaktionen:

Ralph Solveen, Commerzbank:

"Das ist ein wenig mehr, als wir erwartet haben. Es scheint eine Gegenreaktion zum letzten Monat zu sein, als noch der Irak-Krieg berücksichtigt wurde. Es besteht die Hoffnung, dass wir nicht erneut in ein wirtschaftliches Tal zurückfallen, aber es signalisiert noch keine Wende.

Der Euro wird für die Wirtschaft kurzfristig ein Problem sein, wir glauben aber nicht, dass er eine Rezession auslösen wird. Es gibt noch immer die Hoffnung auf eine Erholung im weiteren Jahresverlauf. Ich würde (den Mai-Wert des Ifo-Index) nicht als Wendepunkt bezeichnen, aber der Abwärtstrend des Ifo-Index ist beendet."

Andreas Scheuerle, Dekabank:

"Der Anstieg der Erwartungskomponente war überraschend, mit dem Rückgang der Lagekomponente haben wir gerechnet. Es scheint eine gewisse Hoffnung da zu sein. Ich vermute, dass diese sich darin begründet, dass die Weltwirtschaft sich im zweiten Halbjahr schneller erholen wird. Interessant ist, dass sich die Euro-Stärke wohl nicht ausgewirkt hat. Eigentlich müsste man davon ausgehen, dass der starke Euro sich weiter belastend auf die Exporterwartungen auswirkt. Das kann nur bedeuten, dass die weltwirtschaftliche Dynamik stärker gewichtet wird. Oder es ist eine gute Portion Zweckoptimismus dahinter. Es passt nicht so ganz in die aktuelle Datenlage hinein. Wir gehen für das zweite Halbjahr weiter von einer relativ schwachen Aufwärtsbewegung aus. Da ist nicht viel Musik drin. Wir gehen davon aus, dass die EZB die Leitzinsen um 50 Basispunkte senken wird und damit den Spielraum nutzen wird, den der starke Euro ihr auftut."

Manuela Preuschl, Deutsche Bank

"Endlich mal wieder eine gute Nachricht! Wir hatten den Ifo in etwa auf dem Wert des Vormonats erwartet. Der Ifo-Index zeigt, man hofft auf eine bessere Konjunkturlage und dass offenbar mit Blick auf die USA und die Exporte. Offensichtlich wurde die Euro-Aufwertung noch nicht so stark gespürt. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Exporteure gut dabei verdienen, wenn ihre Kunden die Aufträge nicht zurücknehmen. Erst wenn die Kunden die Mengen einschränken, wirkt die Euro-Aufwertung negativ.

Trotzdem muss man den Ifo im Mai mit Vorsicht genießen, da ist viel Hoffnung drin. Ein Signal in Richtung Aufschwung haben wir erst, wenn sich auch die aktuelle Lageeinschätzung verbessert."

Bernd Weidensteiner, DZ Bank:

"Bedenklich stimmt noch, dass sich die Beurteilung der aktuellen Lage weiter verschlechtert hat. Die Erwartungen sind unsicherer als die Beurteilung der aktuellen Lage. Deswegen muss irgendwann auch einmal die Lagebeurteilung nach oben gehen, damit man eine Wende feststellen kann. Die Chancen haben sich immerhin verbessert. Das zweite Quartal dürfte vom Wirtschaftswachstum her gesehen auch nicht all zu berühmt werden. Von der Tendenz her wird hier das Bild der EZB bestätigt, dass es im zweiten Halbjahr allmählich besser wird. Die EZB wird die Zinsen trotzdem senken, denn auf dem gegenwärtigen Niveau ist eine leichte Verbesserung in Deutschland kein Grund für Freudensprünge."

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