Analystenerwartungen enttäuscht
Bayer fährt erstmals Quartalsverlust ein

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat für das dritte Quartal einen drastischen Ergebnisrückgang ausgewiesen und die Erwartungen von Analysten deutlich verfehlt.

Reuters LEVERKUSEN. Der operative Gewinn aus dem laufenden Geschäft vor Sonderposten betrage 66 Mill. Euro nach 711 Mill. vor Jahresfrist, teilte Bayer am Mittwoch in Leverkusen mit. Analysten hatten im Schnitt 281 Mill. Euro erwartet. Unter dem Strich wies Bayer einen Konzernverlust von 183 Mill. Euro aus, nach einem Gewinn von 534 Mill. im Vorjahr. Trotz der Konjunkturschwäche und den Belastungen in der Sparte Gesundheit erwarte Bayer für das vierte Quartal aber ein positives operatives Ergebnis, hieß es. Im Arbeitsgebiet Gesundheit geht der Konzern für das Gesamtjahr 2001 nun von noch höheren Belastungen als bisher genannt aus. Die Bayer-Aktie verlor im vorbörslichen Handel 2,5 %.

Mit dem ausgewiesenen operativen Gewinn von 66 Mill. Euro lag Bayer sogar noch unter den niedrigsten Schätzungen der Branchenexperten, die in einer Spanne von 117 bis 462 Mill. Euro gelegen hatten. Der Umsatz aus dem laufenden Geschäft ging im dritten Quartal um 5,9 % auf 6,868 Mrd. Euro zurück. Der Außenumsatz verminderte sich auf 6,931 (7,680) Mrd. Euro.

Der für das Gesamtjahr erwartete Ergebnisausfall durch die weltweite Rücknahme des Cholesterinsenkers Lipobay und die Produktionsprobleme bei dem Blutermedikament Kogenate werde insgesamt 1,4 Mrd. Euro betragen, teilte Bayer weiter mit. Bislang hatte Bayer bei Kogenate von Belastungen in Höhe von 350 Mill. Euro, bei Lipobay von Ergebnisausfällen von bis zu 800 Mill. Euro gesprochen. Konzernchef Manfred Schneider betonte am Mittwoch erneut, das künftig als eigenständige Gesellschaft geführte Arbeitsgebiet Gesundheit bleibe ein Kerngeschäft.

Rückgang im Gesundheitsbereich

In den ersten neun Monaten sank das operative Ergebnis aus dem laufenden Geschäft vor Sonderposten um über 40 % auf 1,557 Mrd. Euro. Die Umsatzerlöse beliefen sich in den ersten neun Monaten auf 22,903 (22,918) Mrd. Euro.

Bayer verzeichnete im dritten Quartal in allen vier Arbeitsgebieten Ergebniseinbrüche, wobei der Rückgang im Gesundheitsbereich auf 24 (334) Mill. Euro am kräftigsten ausfiel. Grund sind dem Zwischenbericht zufolge die Probleme mit Lipobay und Kogenate. Die zunehmende Nachfrage nach dem Milzbrand-Medikament Ciprobay infolge zahlreicher Krankheitsfälle in den USA werde sich erst im vierten Quartal Gewinn steigernd auswirken.

Landwirtschaft mit dem geringsten Rückgang

Im Arbeitsgebiet Landwirtschaft ging das operaive Ergebnis vor Sonderposten den Angaben zufolge auf 47 (86) Mill. Euro zurück und verzeichnete damit den geringsten Rückgang. Begründet wird er mit Aschreibungen für Akquisitionen. Das Arbeitsgebiet Polymere sei von der weltweiten flauen Chemiekonjunktur besonders betroffen, weshalb der Betriebsgewinn hier auf 81 (253) Mill. Euro eingebrochen sei, hieß es weiter. Im Arbeitsgebiet Chemie sank der Gewinn im dritten Quartal auf 27 (104) Mill. Euro.

Kurz vor Beginn der Herbstpressekonferenz wollte ein Konzernsprecher keine Stellung zu einem Zeitungsbericht nehmen, demzufolge Bayer mit dem britischen Pharmakonzern GlaxoSmithkline sein Medikament Vardenafil gemeinsam vermarkten wolle. Die "Financial Times" hatte in ihrer Mittwochsausgabe berichtet, ein entsprechender Vertrag stehe kurz vor dem Abschluss. Bayer will das Potenzmittel Vardenafil im nächsten Jahr auf den Markt bringen.

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