Analystenerwartungen für dieses Quartal übertroffen
Bei Siemens ist kein Aufschwung in Sicht

Der Siemens-Konzern hat mit seinem Gewinn im abgelaufenen Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen, mit einem verhaltenen Ausblick die Märkte aber enttäuscht. Die Aktien brachen am Mittwoch zeitweise mehr als neun Prozent auf ein Jahrestief von 45,22 Euro ein.

Reuters MÜNCHEN. "Das Ergebnis des vierten Quartals (des Geschäftsjahres 2001/2002) wird voraussichtlich unter dem des dritten Quartals liegen", sagte Siemens-Chef Heinrich von Pierer und machte damit den guten Eindruck der Zahlen zunichte. Restrukturierungskosten der defizitären Sparten Netzwerke und Industrie-Dienstleistungen würden das Ergebnis im laufenden Vierteljahr erneut belasten. Dazu sei der Boom bei Gasturbinen in den USA zu Ende, von dem die Sparte Energieerzeugung zuvor profitiert hatte. "Unser Ergebnis zeigt aber, dass es uns gelingt, auch in schwierigen Zeiten auf einem soliden Niveau zu bleiben", betonte der Vorstandschef.

Vor Steuern und Zinsen (Ebit) ging der Gewinn im Vergleich zum zweiten Quartal rund drei Prozent auf 892 Millionen Euro zurück, was deutlich über der Konsensusschätzung der Analysten von 634 Millionen Euro lag. Nach Steuern verbuchte Siemens im abgelaufenen Quartal mit 725 Millionen Euro sogar das beste Quartalsergebnis (ohne Sondereffekte) seit dem Boomjahr 2000. Doch der Umsatz fiel gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent und der Auftragseingang um 20 Prozent, was Siemens auf im Jahr 2001 verbuchte Großaufträge zurückführte.

Schwacher Ausblick drückt Aktie auf Jahres-Tief

"Der Ausblick ist einfach schlecht", sagte Analyst Frank Rothauge von Sal Oppenheim. Die Entwicklung der Auftragseingänge sei nicht zufrieden stellend. Der Siemens-Aktienkurs leide auch unter der allgemein schlechten Stimmung bei Technologiewerten, sagte Calvin Vaudin, Fondsmanager bei Ashburton Global Funds in Jersey. "Wir haben einen generellen Ausverkauf im Markt". Der Index der europäischen Technologiewerte lag am Nachmittag mit mehr als sieben Prozent im Minus. Der schwedische Telekomausrüster Ericsson gehörte mit einem Abschlag von mehr als zehn Prozent zu den größten Verlierern. Siemens lagen zu diesem Zeitpunkt mit knapp acht Prozent im Minus.

Die sinkende Nachfrage in den wichtigsten Märkten von Siemens schlage negativ auf Umsatz und Auftragseingang nieder, begründete von Pierer die Entwicklung. Von 13 Arbeitsgebieten, die sich über Mobilfunk, Anlagenbau, Transport bis hin zu Leuchten erstrecken, verbesserten sieben ihr Ergebnis gegenüber dem Vorquartal. Größte Gewinnträger waren dabei wiederum die Sparten Energieerzeugung und Medizintechnik, die Siemens schon in den vergangenen Quartalen halfen, die Krise auf dem Telekommunikationsmarkt im Konzernergebnis auszugleichen.

ICN Verringert die Verluste

Die Problemsparte Netzwerke (ICN) verringerte ihren Verlust im dritten Quartal entgegen den Erwartungen der Analysten auf 84 (Q2: 158) Millionen Euro. Dabei verbuchte Siemens mit 45 Millionen Euro offenbar nicht so hohe Restrukturierungskosten wie die Experten geschätzt hatten. Die Aussichten im schwierigen Breitbandgeschäft seien aber nach wie vor unsicher, und der Umbau werde das Ergebnis weiter belasten, erklärte Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger. Wegen der schwachen Marktlage werde der operative Verlust vor Restrukturierungskosten im vierten Quartal gegenüber dem dritten wieder steigen. Die Maßnahmen würden Kosten in dreistelliger Millionen-Euro-Höhe verursachen. Siemens streicht in der Sparte insgesamt 16.500 Stellen.

Auch bei der Sparte Industrielösungen und Dienstleistungen (I&S), in der 7000 Stellen abgebaut werden sollen, will Siemens weiter massiv Kosten sparen. In den kommenden Quartalen würden aus dem Umbau ebenfalls zusätzliche Belastungen erwartet. Die Mobilfunksparte ICM rutschte im abgelaufenen Quartal mit einem Ebit von minus neun Millionen Euro wieder in die roten Zahlen. Der Verkauf von Handys stagnierte im Quartal bei 8,2 Millionen.

Beim größten Gewinnbringer Energieerzeugung (PG) brach der Auftragseingang im Quartal um mehr als 50 Prozent ein - ein Zeichen des zu Ende gehenden Booms bei Gasturbinen in den USA. "Den Abschwung kann PG mittelfristig dank seiner globalen Aufstellung in anderen Regionen und dem zunehmenden Servicegeschäft wettmachen", sagte von Pierer.

Erneut keine konkrete Prognose

Mit konkreten Prognosen hielt sich Siemens erneut zurück. "Wir verfolgen trotz des schwierigen Quartals und der extrem schlechten Marktbedingungen unvermindert unsere Ergebnisziele", erklärte von Pierer lediglich. Im April hatte Siemens eine deutliche Verbesserung Nettoergebnisses ohne Sondereffekte, das im Vorjahr bei 624 Millionen Euro gelegen hatte, in Aussicht gestellt. Nach neun Monaten liegt der kumulierte Nettogewinn des laufenden Geschäftsjahres bereits drei Mal so hoch bei 1,83 Milliarden Euro. Im vierten Quartal erwartet Siemens noch einen außerordentlichen Gewinn von gut 400 Millionen Euro aus dem Verkauf der Tochter Unisphere.

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