Analystenerwartungen im Halbjahr übertroffen – Sondereffekte durch Konzernumbau
Eon wächst auch ohne Ruhrgas

Wie Erzrivale RWE hat auch der Eon-Konzern sein Ergebnis kräftig gesteigert - vor allem dank des gesunden Kerngeschäfts Energie. Allerdings trüben Sondereffekte das Bild: Eine hohe Wertberichtigung im Aktien-Portefeuille, Probleme bei der neuen Tochter Powergen - und natürlich die Sorgen um Ruhrgas.

juf DÜSSELDORF. Die Eon AG erntet ungeachtet der Querelen um die Ruhrgas-Übernahme die Früchte ihrer Konzentrationsstrategie: Im ersten Halbjahr 2002 erhöhte sich das Betriebsergebnis um 42 % auf 2,35 Mrd. Euro - vor allem dank des gesunden Kerngeschäfts Energie. Eon Energie habe das Ergebnis sogar um 62 % verbessert, teilt der Düsseldorfer Konzern am Mittwoch mit.

Wie Konkurrent RWE, der am Dienstag seine Bilanz präsentiert hatte, profitiert Eon vom nachlassenden Wettbewerbsdruck auf dem deutschen Strommarkt. Noch vor Jahresfrist hatte der durch die Marktöffnung ausgelöste scharfe Preiswettbewerb die Gewinne der Stromkonzerne gedrückt. Inzwischen hat sich die Lage entspannt, die Preise ziehen wieder an. Gleichzeitig hat Eon die Kosten in der Stromsparte deutlich verringert. Ein Teil des Gewinnzuwachses steuerten aber auch die jüngsten Zukäufe bei, vor allem der schwedische Versorger Sydkraft.

Die Halbjahresbilanz habe die Schätzungen übertroffen, sagte Analyst Rainer Münch von der DZ Bank. Auch Philip Bonhöffer von Merck Finck sieht die Zahlen deutlich über den Erwartungen. "Das Kerngeschäft ist gesund", sagte er. Eon sei in der richtigen Spur.

Der kräftige Konzernumbau der vergangenen Jahre - die Konzentration auf das Energiegeschäft - hinterließ deutliche Spuren in der Halbjahresbilanz. Der Überschuss kletterte durch Sondereffekte um mehr als 200 % auf 3,4 Mrd. Euro. Der Umsatz sank durch Verkäufe um 15 % auf 18,7 Mrd. Euro. Eon hatte sich im vergangenen Jahr unter anderem von VAW Aluminium und Klöckner & Co getrennt. Im Zuge der Ruhrgas-Übernahme zieht sich Eon zudem aus dem Tankstellen- und Raffineriegeschäft von Veba Oel, der Chemietochter Degussa und dem Logistikkonzern Stinnes zurück. Nur die Immobilientochter Viterra sucht noch einen Käufer.

Überraschend nahm Eon schon in der Halbjahresbilanz eine Wertberichtigung für seinen Aktienbesitz vor. Eon hatte aus der Fusion von Veba und Viag im Jahr 2000 ein 6,7-%-Paket an der Hypo-Vereinsbank übernommen. Durch die Flaute am Aktienmarkt hat sich dessen Wert deutlich verringert. Eon korrigierte die Bilanz deshalb um rund 1,2 Mrd. Euro.

Auch im Gesamtjahr soll das Betriebsergebnis vor allem vom Energiegeschäft profitieren. "Die unter anderem durch Erstkonsolidierungseffekte geprägte hohe Steigerungsrate des ersten Halbjahres wird sich allerdings nicht halten lassen", schränkte der Konzern ein.

Der bislang größte Zukauf in der Unternehmensgeschichte, der britische Versorger Powergen, wird im zweiten Halbjahr erstmals ausgewiesen und das Ergebnis belasten. Powergen spürt sowohl in Großbritannien als auch bei seiner US-Tochter LG&E starken Preisdruck. Zudem belastet die Wirtschaftskrise in Argentinien, wo Powergen in der Gasverteilung aktiv ist, das Geschäft.

Unsicher bleibt aber vor allem, ob und wann Eon die Ruhrgas AG in die Bilanz aufnehmen kann. Die 10 Mrd. Euro teure Übernahme wird zur Zeit durch das Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG) blockiert. Das OLG bemängelt Verfahrensfehler bei der Sondergenehmigung, mit der das Wirtschaftsministerium Anfang Juli die Fusion genehmigt hatte.

Der Eon-Konzern bekäftigte gestern erneut, dass er "zur Durchsetzung der Ruhrgas-Übernahme alle Rechtsmittel ausschöpfen" werde. Bis zur Genehmigung muss Eon zwar die Kosten für die bereits erworbenen Anteile ausweisen, darf die Ruhrgas-Ergebnisse aber nicht einbeziehen.

"Wir sind optimistisch, dass Eon die Übernahme letztlich durchziehen kann, auch wenn sie sich verzögert", sagte Analyst Stephan Wulf von Sal. Oppenheim. Er rechnet damit, dass Eon eine neue Ministererlaubnis bekommt, notfalls erst nach der Wahl. Auch eine Regierung unter Edmund Stoiber stehe der Fusion positiv gegenüber. Selbst wenn die Übernahme doch noch scheitern sollte, sei das zu verschmerzen, sagte Philip Bonhöffer von Merck Finck: "Eon hat die finanzielle Flexibilität, um dann eben verstärkt im Ausland zuzugreifen".

Quelle: Handelsblatt

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