Analystenkonferenzen in Frankfurt und London - Weitere Roadshows möglich
Noch offene Fragen bei Allianz und Dresdner

Die Informationspolitik von Allianz und Dresdner Bank zu ihrem Zusammenschluss stößt auf die Kritik der Analysten. Die Aussagen auf der Analystenkonferenz vom Montag waren ihrer Ansicht nach unbefriedigend. Viele Fragen seien noch offen, bemängeln sie.

frü/fs DÜSSELDORF. Bis Juli will die Allianz die Dresdner Bank für rund 25 Milliarden Euro erwerben, von denen rund 17 Milliarden Euro auf Aktientäusche mit bisherigen Großaktionären entfallen.

Den spezifischen Nutzen der Übernahme kann Konrad Becker von Merck Finck & Co noch immer nicht erkennen. "Wie die zusätzlichen Erträge generiert werden sollen, haben beide Häuser bislang noch nicht befriedigend aufzeigen können", kritisiert er. Die bisherige Prognose, wonach der Aktiengewinn nach Berücksichtigung der Abschreibungen auf den immatieriellen Firmenwert in diesem Jahr um 13 % auf 1,4 Euro je Aktie steigen wird, hält Becker für dürftig angesichts des Preises, den die Allianz dafür zu zahlen hat.

Die deutlichen Kursverluste der beiden Aktien am Dienstag erklärt sich der Merck Finck-Analyst mit den bislang noch zu vagen Angaben. Am Ende des Handelstages lag die Allianz-Aktie mit 5,3 % im Minus, Dresdner Bank büßten 3,8 % ein.

In der Regel gleichen sich die Aktienkurse von Fusionskandidaten dem Wert des Angebots immer näher an. Im Laufe des gestrigen Tages passierte das jedoch noch nicht. Die Spezialisten erklären den Unterschied damit, dass die indexorientierten Fonds derzeit entweder Allianz - oder Dresdner-Aktien verkaufen. Sie nehmen damit zukünftige Zwänge vorweg: Denn das Gewicht der Allianz im Deutschen Aktienindex beträgt 9,7 %, die Dresdner kommt auf fast 3,5 %. Die neue Allianz würde jedoch auf das maximale Index-Gewicht von 10 % gekappt.

Harte Überzeugungsarbeit bei den größten Aktionären

Sollte es in der nächsten Woche keine Angleichung geben, werden Allianz und Dresdner noch einmal auf Roadshow gehen. Schon in dieser Woche gehen die Unternehmen zu den wichtigsten Aktionären (siehe Tabelle), um sie von dem Zusammengehen zu überzeugen. Zum Teil saßen wichtige Fondsmanager auch bei den Analystentreffen gestern in London und vorgestern in Frankfurt.

Vielleicht bekommen die Investoren mehr geboten als die Analysten. Adrian Pilz von Merrill Lynch zumindest vermisst die wesentlichen Details, um den Sinn der Transaktion beurteilen zu können. "Um die strategischen Ziele der Allianz einzuschätzen zu können, sind deutlich mehr Informationen notwendig", sagt der Londoner Bankenexperte. Zwar erkennt er die Vorteile für die Münchener Assekuranz durch die größere Marktdurchdringung bei Fondsprodukten. Fraglich bleibt in seinen Augen, ob dies die Allianz nicht auch über eine engere Kooperation hätte erreichen können. "Momentan ist ein zusätzlicher Wert durch die Akquisition nicht zu erkennen", lautet sein Urteil.

Die Dresdner Bank sieht Pilz hingegen als Gewinner bei dem Deal. "Nach den fehlgeschlagenen Fusionsversuchen des Vorjahres ist dies eine der besten Lösungen für das Institut", betont er. Die Dresdner Bank bleibe als Ganzes erhalten und habe nun einen sehr starken Partner, der nicht im Widerspruch zur langfristigen Strategie stehe, hebt er positiv hervor. Auch Becker (Merck Finck) sieht in der Übernahme durch die Allianz zumindest den Vorteil für die Dresdner Bank, nun die Garantie zu haben, nicht mehr filetiert zu werden.

"Unbefriedigend" beurteilt Georg Kanders von WestLB Panmure die Verlautbarungspolitik. Er vermutet, dass nach den ersten Pressespekulationen Allianz und Dresdner Bank eher als geplant an die Öffentlichkeit gehen mussten und die jetzt noch fehlenden Details nicht ausgearbeitet waren.

Ein Eindruck, gegen den sich die Dresdner Bank wehrt. "Was mit heißer Nadel gestrickt wurde, war nicht der Zusammenschluss, sondern die Präsentation. Das war keine Absicht", sagte ein Sprecher der Bank gegenüber dem Handelsblatt. Auf der gestrigen Präsentation vor Londoner Analysten wollte der Vorstand bereits umfangreichere Informationen geben.

Der Aussage von Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner, dass die Synergieeffekte zwischen 100 und 150 Millionen Euro liegen dürften, messen Analysten nur geringe Bedeutung bei. "Dies war eher eine Prognose aus dem Stegreif und keine Planzahl", mutmaßt Volker von Krüchten, Bankenanalyst bei der BHF-Bank. Vielmehr sei es Achleitner darum gegangen, klar zu machen, dass der Schwerpunkt der Akquisition nicht die Kostensynergien seien.

Analysten loben das Allfinanz-Konzept

An ihrer positiven Einschätzung der Transaktion hält Julia Münchschwander vom Bankhaus Metzler fest und will sich von der gedämpften Stimmung ihrer Kollegen nicht anstecken lassen. "Sämtliche Versicherungs- und Bankprodukte werden dem Kunden von einer Gesellschaft über verschiedene Vertriebskanäle angeboten. So etwas hat es bislang noch nicht gegeben", zeigt sie sich überzeugt. Allerdings räumt auch sie ein, dass konkrete Synergieeffekte noch fehlten.

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