Analystenmeinung gespalten
Royal Bank of Scotland: NatWest-Integration schreitet voran

vwd LONDON. Auf den ersten Blick scheint die Fusion zwischen Royal Bank of Scotland plc, Edinburgh, und der ehemaligen National Westminster Bank plc (NatWest), London, ein Erfolg zu sein. Zumindest erwecken die am Dienstag vorgelegten Zahlen des Halbjahresergebnisses diesen Anschein. Die Royal Bank of Scotland, die zum 6. März die feindliche 21-Mrd-GBP-Übernahme von NatWest abgeschlossen hatte, präsentierte nun einen Vorsteuergewinn von 2,01 Mrd Pfund, der 23 % über dem Vorjahreszeitraum liegt. Chief Executive Fred Goodwin zeigte sich dementsprechend zufrieden. "Die Aussichten bleiben sehr gut", kommentierte er die Zukunftspläne der Royal Bank of Scotland und gab gleichzeitig die ehrgeizigen Ziele bis 2003 bekannt.

Um 390 Mill. Pfund zusätzlich soll der Gewinn pro Jahr durch eine Verbesserung des Umsatzes auf Grund der Übernahme des Kundenstammes von NatWest steigen. Eine Reduktion der Kosten durch die Realisierung von Synergieeffekten soll den Gewinn bis 2003 um weitere 1,3 Mrd Pfund erhöhen. Dies soll eine "dramatische" Verbesserung der Aufwandsrentabilität bewirken. Die Kosten-Einkommensrelation hatte sich bereits im vergangenen Halbjahr von 60 auf 55 % verbessert. Ein wesentlicher Grund ist die Verminderung des Personalbestandes. 7 500 ehemalige Mitarbeiter haben die Bank bereits verlassen, bis 2003 sollen ungefähr 18 000 weitere folgen.

Doch nicht alle Analysten teilen die durchgängig positive Einschätzung der Lage, obwohl die Royal Bank of Scotland mit ihrem Halbjahresergebnis den Durchschnittswert der Prognosen übertroffen hat. So stufte Lehman Brothers die Bank nicht höher ein, denn "70 % der Kosteneinsparungen hätte NatWest auch allein realisieren können." Auch Michael Lever von HSBC Securities hält den Anfangserfolg auf Grund der positiven Vorarbeit von NatWest für nicht weiter erstaunlich. Ob die Fusion wirklich ein Erfolg sei, werde sich erst im Verlauf der kommenden beiden Jahre zeigen. Denn dann müsse Bank of Scotland unter wesentlich härteren Bedingungen unter Beweis stellen, dass sie in der Lage ist, neue Marktanteile zu gewinnen.

ABN Amro und UBS Warburg dagegen interpretieren die Halbjahresdaten als den Beginn einer großen Erfolgsgeschichte. "Der Integrationsprozess ist im Gang, und das ist das Wesentliche," rechtfertigt Richard Coleman von ABN Amro seine Sicht der Dinge. Der Markt habe die Fähigkeit der Royal Bank of Scotland unterschätzt, NatWest erfolgreich zu integrieren. UBS Warburg hat den gleichen Standpunkt und revidierte seine Gewinnprognosen für die Bank für die Jahre 2000 und 2001 am Dienstag um zehn bis 15 % nach oben. Insbesondere die Tatsche, dass das Bankhaus trotz der Fusion keine Kunden verloren habe, sei für ihre positive Empfehlung ausschlaggebend, erläuterte ein UBS Warburg-Analyst diesen Schritt.

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