Analystenmeinungen
Fusion Deutsche Bank und Lloyds TSB wäre Unsinn

Eine Fusion der Deutschen Bank mit der britischen Lloyds TSB halten Analysten wegen fehlender Synergien und unterschiedlicher Ausrichtung beider Häuser für nicht sinnvoll.

Reuters FRANKFURT. "Die zwei Banken haben so gut wie keine Überschneidungen, das wäre keine Fusion mit Kostensenkungen. Es käme auf Ertragssteigerungen an, die aber nicht zu finden sind", sagte Martin Peter von der WestLB.

Aus Sicht der Deutschen Bank wäre die vor allem im Filialgeschäft starke drittgrößte Bank Großbritanniens kein guter Partner. Der britische "Independent" hatte berichtet, Lloyds erwäge neue Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank. Die Deutsche Bank kommentierte dies nicht. In Frankfurter Bankenkreisen hieß es, die Deutsche Bank habe kein Interesse an Lloyds. Die verhaltene Reaktion der Analysten spiegelten auch die kaum veränderten Aktienkurse der Banken am Montag wider. Der "Independent" hatte berichtet, Lloyds-Chef Peter Ellwood könnte eventuell das Gespräch mit Josef Ackermann suchen, dem designierten Nachfolger des im Mai scheidenden Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer.

Auch Analysten aus London kommentierten die neuen Spekulationen über möglicherweise bevorstehenden Gespräche der zwei Banken ungewöhnlich deutlich: "Das ist totaler Unsinn. Die britischen Medien haben keine Ahnung von Europäischen Banken. Für jeden der nur halbwegs etwas von der Bankenlandschaft in Europa versteht, ist das ein absoluter 'Non-Starter'", sagte Piers Brown von der Commerzbank in London.

Die Vergangenheit habe außerdem gezeigt, dass die Zeit für grenzüberschreitenden Zusammenschlüsse noch nicht reif sei, betonten andere Marktbeoachter. Da die Deutsche Bank sich endgültig in der ersten Liga der globalen Investmentbanken etablieren wolle, könne die zwar profitable aber retaillastige Lloyds keine sinnvolle Ergänzung sein. "Außerdem war Lloyds historisch nie am Investmentbanking interessiert", sagte Peter.

Sein Kollege Dieter Hein von Credit Lyonnais in Frankfurt sagte, die gemessen am Börsenwert kleinere Deutsche Bank würde sich nicht in die Rolle des Junior Partners begeben. "Die Deutsche Bank will eine Global Investmentbank werden, da bringt Lloyds nichts mit." Nach dem Kauf des US-Vermögensverwalters Scudder von dem schweizerischen Finanzkonzern Zurich Financial sei die Deutsche Bank auch im Asset Management zu den weltweit ersten Fünf aufgestiegen. Nach Reuters 3 000-Daten hat Lloyds eine Marktkapitalisierung von umgerechnet 66,4 Mrd. Euro verglichen mit 45,7 Mrd. Euro der Deutschen Bank. Analyst Peter sagte jedoch, die Deutsche Bank sei wegen ihrer großen stillen Reserven und dem hohen Buchwert nicht so stark im Hintertreffen, wie es die Marktkapitalisierung signalisiere.

Der Aktienkurs der Deutschen Bank profitierte kaum am Montag. Hein stuft die Deutsche Bank mit "add" ein; sein Kollege Peter bewertet das Institut mit "Outperform" und einem fairen Aktienkurs von 98 Euro. Lloyds hat Peter mit "Neural" und einem fairen Wert von 7,55 Pfund Sterling bewertet. Die Aktien der Deutschen Bank lagen am Vormittag mit gut 0,7 Prozent im Plus bei 74,12 Euro. Lloyds notierten rund 1,3 Prozent höher bei 7,55 Pfund Sterling.

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