Analystenschätzungen im Vergleich
Hypovereinsbank bietet treffendste Prognosen

Die zuverlässigsten Prognosen für deutsche Konzerne liefert einer aktuellen Studie zufolge die Hypovereinsbank. Europaweit konnte die belgisch-niederländische Fortis sich auf dem Spitzenrang behaupten. Als bestes Haus mit globaler Reichweite landete Schroder Salomon Smith Barney auf dem zweiten Platz der Europa-Liste.

HB DÜSSELDORF/FRANKFURT/M. Die besten Analysten Europas wird man zuerst in London suchen. Dort sitzen die großen US-Investmenthäuser, und auch die Deutsche und die Dresdner Bank steuern ihr Aktienresearch von der Themse aus. Doch die Sieger beim jüngsten Analystenvergleich des Londoner Informationsdienstes AQ Publications stammen weder aus der Londoner City noch aus der Mainmetropole Frankfurt - sondern aus München und Brüssel. Den ersten Platz im europaweiten Vergleich belegte abermals die belgisch-niederländische Finanzgruppe Fortis, während die Bayerische Hypo- und Vereinsbank die besten Prognosen für deutsche Konzerne lieferte.

Die Hypovereinsbanker erstellten besonders zuverlässige Gewinnschätzungen für die Autokonzerne Daimler-Chrysler und BMW. Auch bei den in München ansässigen Versicherungsriesen Allianz und Münchner Rück lagen die Bayern gut. Europaweit landete die Hypovereinsbank als bestes deutsches Institut auf dem dritten Rang - ein Sprung nach vorne gegenüber dem Vorquartal. Research-Chef Jürgen Callies sieht darin eine Bestätigung seiner Nischenstrategie. "Wir konzentrieren uns auf das, was wir besonders gut können", sagt er. Auf europäischer Ebene verfolgen seine Analysten vor allem die Branchen Auto, Chemie, Finanzwerte und Logistik. "In diesen Bereichen können wir unser Wissen aus der Analyse deutscher Unternehmen gut nutzen", erklärt Callies.

Die AQ-Ranglisten beruhen auf Analystenschätzungen für den Gewinn je Aktie - eine zentrale Kennziffer der Aktienbewertung. AQ-Chef Graham Field verglich die Quartals-Prognosen der vergangenen drei Jahre mit den tatsächlichen Ergebnissen. Starke Abweichungen und häufige Änderungen wurden negativ bewertet, da Investoren genaue und verlässliche Daten brauchen. Als Basis dienten die größten kontinentaleuropäischen Werte im Aktienindex FTSE Eurotop-300. Die deutsche Rangliste berücksichtigt Prognosen für deutsche Gesellschaften in dem Index.

Deutsche Unternehmen schwer einschätzbar

Europasieger Fortis profitierte davon, dass er sich auf die Benelux-Länder spezialisiert hat. Die dortigen Firmen geben gezielte Hinweise auf die erwarteten Ergebnisse. Sie gelten daher als eher leicht prognostizierbar. "Der Härtetest für Fortis kommt nächstes Jahr, wenn wir unsere Datenbasis erweitern und mehr Fortis-Prognosen zu Firmen aus anderen Ländern analysieren", sagte AQ-Chef Graham Field.

Auf Platz zwei landete wie im Vorquartal Schroder Salomon Smith Barney, die Investmenttochter des US-Finanzriesen Citigroup. Co-Research- Chef Michael Crawshaw nennt den Mut zu Herabstufungen als einen Erfolgsfaktor. "In der gegenwärtigen Lage ermutigen wir unsere Analysten, ihre Schätzungen zu senken", sagt er.

Im Gegensatz zu den Benelux-Ländern gilt Deutschland als besonders schwieriges Terrain für Analysten. Hier zu Lande verschlechterte sich der AQ-Studie zufolge die Treffsicherheit der Prognosen weiter. Sie sank auf das niedrigste Niveau seit Beginn der Analysereihe vor einem Jahr. "Nahezu unmöglich waren korrekte Prognosen zu Daimler-Chrysler und Eon", sagte AQ-Chef Field.

Der Energieversorger Eon legte im Jahr 2000 erstmals Zahlen nach den amerikanischen US-GAAP-Regeln vor. Viele Banken bissen sich daran die Zähne aus - darunter auch die Analysten von MM Warburg. Sven Dopke, Leiter des Researchs bei der Hamburger Privatbank, erklärt das schlechte Abschneiden seines Hauses auch mit dem Wechsel der Rechnungslegungsvorschriften bei Eon und mit außerordentlichen Effekten. Unter anderem wegen des Ausfalls bei Eon fiel MM Warburg in der deutschen AQ-Rangliste vom zweiten auf den 13. Rang. Da half es auch nichts, dass die Hamburger zum Software-Konzern SAP die exakteste Prognose überhaupt ablieferten.

Einige namhafte US-Institute landeten in der deutschen Rangliste abgeschlagen im Mittelfeld oder auf den hinteren Plätzen. "Wir führen die Probleme der Analysten mit deutschen Konzernen auf den Umbau der Unternehmenslandschaft zurück", sagt AQ-Chef Field. Dies betreffe Restrukturierungen, Fusionen und Änderungen der Rechnungslegungsvorschriften. Zudem arbeiteten viele deutsche Unternehmen in schwankungsreichen Branchen wie Banken, Automobile und Technologie. Auch durch Desinvestitionen wie etwa den Verkauf der Kabelnetze der Deutschen Telekom entstünden außerordentliche Effekte, fügt Sven Dopke von MM Warburg hinzu.

Zu den Absteigern der deutschen Rangliste zählt ABN Amro (von Platz eins auf sieben). Die niederländische Bank habe den Spitzenrang eingebüßt wegem schwacher Prognosen zu Metro, BMW und Daimler-Chrysler, stellte AQ fest. Europaweit fiel ABN Amro vom dritten auf den dreizehnten Platz zurück. Hierbei spielte eine Rolle, dass AQ mehr ABN-Amro-Prognosen in die Bewertung einbezog. Offenbar führte die Ausweitung der Research-Aktivitäten zu einer schlechteren Trefferquote, vermutet AQ.

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