Analystenstimmen
Siemens kurzfristig unter Druck

Die aktuellen Halbjahreszahlen finden im Börsenhandel und bei Analysten nur wenig Anklang. Die negativen Überraschungen überwiegen, es kommt zu ersten Herabstufungen der Siemens-Aktie.

fgh DÜSSELDORF. Als größter Verlierer im Dax litt bis Donnerstag Mittag die Siemens-Aktie (minus 5,1%). Dazu hieß aus dem Börsenhhandel, Siemens haben mit den Halbjahreszahlen bei den Auftragseingängen "voll und ganz" überzeugt. Nach genauerer Analyse der einzelnen Geschäftsbereiche habe die Aktie jedoch keinen Gefallen mehr gefunden. "Da hat sich nicht nur der Handy-Bereich, sondern auch der Netzwerkbereich halbiert", sagte ein Marktteilnehmer. Auch die Siemens-Strategie, einen Teil ihrer Infineon-Anteile "in den hauseigenen Pensionsfonds zu parken" verstimme den Markt. Zusätzlich seien große Fonds stark auf der Verkaufsseite zu finden, sagten Händler.

Analyst Jörg Natrop von der Düsseldorfer WGZ-Bank wertete die heute vorgelegten Halbjahreszahlen als Enttäuschung. Der Experte hatte die Siemens-Aktie zuvor als "Outperformer" eingestuft. Ein Rating, das nach Vorlage der aktuellen Zahlen auf "kurzfristig Underperformer" und "langfristig Marketperfomer" herabgesetzt wurde.Während die Umsatzprognose knapp übertroffen worden sei, wären die Ergebniserwartungen klar verfehlt worden, heißt es. Verantwortlich hierfür sei vor allem der die Unternehmenssparte Information und Kommunikation.



Insbesondere die Aussagen zum dritten und vierten Geschäftsquartal gefielen dem Analysten nicht: Ergebnisbelastungen aus dem Abbau von mehr als 6 000 Stellen und der Verzicht auf Ergebnisindikationen sollten kurzfristig zu einer Sentimentsverschlechterung führen. Langfristige Anleger sollten mit Blick auf das breite Produktportfolio und den Perspektiven für 2001/2002 die Aktie halten, so Natorp.



"Der Markt ist enttäuscht, da das Ergebnis insgesamt unter den Markterwartungen liegt", sagte Alfred Schöngraf, Analyst für Elektronikwerte bei Delbrück Asset Management. Zudem belaste der Ausblick, da sich Siemens angesichts der Marktunsicherheiten zu den Ergebniserwartungen in den nächsten beiden Quartalen nicht äußern wolle, fügte der Experte hinzu. Dennoch sei positiv anzumerken, dass es Siemens gelungen sei, in einem äußerst schwierigen Marktumfeld das Geschäft ohne Infineon im Vergleich zum Vorjahr zu verbessern, sagte Schöngraf. Er gehe nicht davon aus, dass sich der momentane Kursrückgang nachhaltig fortsetze. "Siemens konnte immerhin die Margen verbessern." Man müsse allerdings bedenken, dass das Geschäft weiterhin schwierig bleibe.



Die Bankgesellschaft Berlin hatte Siemens bislang auf "hold" eingestuft und überprüft nach Vorlage der aktuellen Zahlen gerade diese Einstufung. Analyst Paul van Scoles sagte gegenüber Handelsblatt.com, die Zahlen von Siemens seien im Rahmen seiner Erwartungen ausgefallen. Negativ überrascht habe ihn allerdings, dass das Unternehmen die eigenen Prognosen für das zweite Halbjahr zurückgenommen habe: "Das führt momentan auch zu einer Kursschwäche an der Börse".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%