Analystenverband zu Kursmodellen und Kursbeeinflussung
Das ganz objektive Anlageurteil gibt es nicht

Da staunt der Laie, aber der Fachmann wundert sich nicht: "Oft beurteilen Analysten eine Aktie bei 100 Euro als fair bewertet; aber steigt der Kurs auf 200, dann gilt plötzlich dieser Wert als gerechtfertigt", sagte Iris Uhlmann, Analystin bei LGT Financial Consulting, am Dienstag in Frankfurt.

tmo FRANKFURT/M. Bei einem Seminar des Analystenverbandes German Association for Investment Management and Research (GAIP) erläuterte Uhlmann die Gründe für solche Schwankungen. So basieren die Prognosen vieler Bankexperten auf hoch komplexen Bewertungsmodellen. Diese sollen den fairen Kurs an Hand künftig erwarteter Einnahmen angeben. "Wenn ich aber die Erwartungen nur leicht ändere, hat das dramatische Auswirkungen auf das Kursziel", sagte Uhlmann. Kein Wunder also, dass sich Analysten bei ihren Prognosen häufig grob am aktuellen Kurs orientieren.

Eigentlich seien punktgenaue Kursziele ohnehin "nicht sehr seriös", sagte Helmut Henschel, GAIP- Präsident und Chef der WestLB Research GmbH. Keiner weiß schließlich bis auf die Nachkommastelle, wie sich eine Aktie entwickelt. Dies sollten Privatanleger beim Lesen von Analysen berücksichtigen. Aber die Hauptkunden der Analysten, die Fondsmanager, forderten nun mal exakte Kursziele.

Völlige Objektivität bleibt auch deshalb ein Wunschtraum, weil Analysten zuweilen selbst die Kurse bewegen. So enthält manche Studie neue Schlüsse, auf die Investoren reagieren. "Zudem kann eine überzeugende Analyse sich selbst erfüllende Erwartungen ausösen", so Henschel. Schon das Gerücht "Bank X empfiehlt Aktie Y" habe manchmal Kurseffekte. Um so wichtiger seien gesetzliche, bankinterne und berufsständische Regeln für Analysten. Sie sollen Missbrauch beschränken und sanktionieren.

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