Anbieter mobiler Unternehmenslösungen stehen in den Startlöchern
Mobile Business ist mehr als M-Commerce

Mobile Business - dieses Schlagwort wird oft gleichgesetzt mit Mobile Commerce. Kunden sollen immer und überall Bücher und CDs per Handy kaufen oder die Kurse ihrer Börsenfavoriten im Biergarten abrufen. Vom mobilen B2C-Geschäft erhofft man sich - ungeachtet der teilweise enttäuschenden Entwicklungen im E-Commerce - eine neue Wachstumsdynamik. Als noch viel attraktiveres Wachstumssegment könnten sich aber Mobile-Business-Solutions für Unternehmen erweisen.

Das Potenzial mobiler Unternehmenslösungen, mit denen Geschäftsprozesse optimiert und Kosten eingespart werden können, ist bisher weitgehend unbeachtet geblieben. Das wird sich aber bald ändern - zumindest wenn es nach den zahlreichen Anbietern geht, die derzeit auf den Markt drängen. Und ihre Chancen sind gar nicht so schlecht: Nach einer aktuellen Studie von Berlecon Research werden in den kommenden Jahren alle großen und zunehmend auch kleinere Unternehmen ihre IT-Systeme mobil machen. Der resultierende Markt in Deutschland könnte sich zu einem Wachstumssegment mit jährlichen Umsätzen von bis zu 2 Mrd. Euro im Jahr 2005 entwickeln.

Bisher winken viele Geschäftsleute beim Gedanken an WAP noch genervt ab, und verweisen darauf, dass erst mit der Einführung von UMTS mobile Lösungen wirklich nutzbar würden. Ihnen ist häufig nicht bewusst, dass bereits mit den heute verfügbaren Technologien sinnvolle mobile Unternehmenslösungen entwickelt werden können -- vorausgesetzt, die Anwendungen werden intelligent auf die Möglichkeiten der verfügbaren Technologien abgestimmt.

Natürlich kann auf einem WAP-Telefon mit GSM-Anschluss kein komplettes ERP-System sinnvoll abgebildet werden. Für die Optimierung vieler mobiler Arbeitsabläufe im Unternehmen sind hohe Bandbreiten und große Bildschirme aber auch gar nicht nötig. Benachrichtigung des Außendienstmitarbeiters über seinen nächsten Einsatzort per SMS, Abfrage des Lagerbestands oder Eingabe und Abgleich von Rechnungsdaten per WAP - mit solchen Anwendungen können Unternehmen Zeit und Geld sparen, Fehlerquellen reduzieren und den Außenauftritt im Kundenkontakt deutlich verbessern. Aber auch für reisende Manager, deren Arbeit nicht auf einzelne Prozessabläufe beschränkt ist, steht mit HSCSD bereits eine leistungsfähige Übertragungstechnik bereit, die es erlaubt, von unterwegs fast mit ISDN-Geschwindigkeit auf alle Ressourcen ihrer lokalen Arbeitsumgebung zuzugreifen.

An der noch bestehenden Skepsis vieler Unternehmen gegenüber mobilen Anwendungen sind die Anbieter im Mobile Business sicher nicht ganz unschuldig: Zu häufig stellen sie ihre mobilen Technologien in den Vordergrund, zu wenig heben sie den Nutzen konkreter Anwendungen hervor. Dies dürfte sich bald ändern, denn immer mehr Software-Häuser bauen mobile Funktionalitäten in ihre Anwendungen ein. Und auch die IT-Beratungen beginnen, Strategien für die Einbindung mobiler Lösungen in bestehende Geschäftsprozesse zu entwickeln.

Netzbetreiber und Endgerätehersteller haben dagegen den lukrativen Markt für mobile Unternehmenslösungen noch nicht wirklich ins Visier genommen. Verwunderlich eigentlich, wo sie doch unter sehr hohem Druck stehen, die nachlassenden Wachstumsraten im Bereich der Sprachübertragung durch intelligente Produkte und Dienstleistungen im Bereich der Datenübertragung zu kompensieren. Vor allem die Netzbetreiber und Provider sollten schon vor der Einführung von UMTS Interesse daran haben, Geschäftskunden im margenstarken Business-Segment zu gewinnen.

Aus den Erfahrungen im E-Business scheint man also bisher wenig gelernt zu haben: auch hier wurde zunächst auf B2C gesetzt und erst mit einiger Verzögerung das große Potenzial elektronischer Unternehmensanwendungen erkannt.


Schreiben Sie der Autorin: nd@berlecon.de

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