Anbieter nehmen gescheiterte Produkte nur ungern aus dem Sortiment
Die Ladenhüter-Fonds verschwinden leise

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein neuer Fonds mit entsprechendem Werberummel aufgelegt wird oder die Vertriebszulassung für den deutschen Markt erhält. Doch wenn ein Fonds vom Markt genommen wird, geschieht das recht geräuschlos.

DÜSSELDORF. Insgesamt haben Fondsgesellschaften seit März 1997 216 Fonds eingestellt, zeigt eine Datenbankauswertung von S&P-Fundsservices. Die Mehrzahl sind allerdings Laufzeit begrenzte Fonds. Doch es gibt auch Renten- und Aktienfonds ohne Laufzeitgrenze, die vom Markt verschwinden. Überwiegende Begründung : Zu geringes Fondsvolumen - heißt, die Kunden wollten von dem Produkt nichts mehr wissen. So geschehen unter anderem beim DIT, Merrill Lynch, Activest und Sal. Oppenheim.

Der DIT, die Fondstochter der Dresdner-Bank, hat nach Angaben ihres Sprechers Matthias Jansen in den vergangenen drei Jahren drei Fonds eingestellt, die nicht Laufzeit gebunden waren: Den DIT-Fonds für Wandel- und Optionsanleihen, den DIT-Lux Europa Aktien RB (Risiko begrenzt) und den Mannheimer Renditefonds, den die Mannheimer in Eigenregie fahren wollten.

"Der DIT-Fonds für Wandel- und Optionsanleihen wurde Anfang 1999 aufgelöst, weil das Volumen am Ende zu gering war, um ein sinnvolles und kostengünstiges Fondsmanagement betreiben zu können", erklärt der DIT-Vertreter. Am Ende hatte der Fonds, den es seit 1983 gab, ein Volumen von 7,11 Mill. Euro, ganze 320 Anleger waren noch investiert. Ihnen bot der DIT den kostenlosen Wechsel in einen anderen Fonds an. "10 bis 15 Millionen Euro sollte ein Fonds schon haben", nennt Jansen als Orientierungsgröße für das Volumen, und fügt hinzu, dass es keine statische Größe gebe, ab wann ein Fonds geschlossen wird.

Wenige aufsichtsrechtliche Regeln

Schiffbruch erlitt auch die damalige Hypo-Invest (heute Activest) mit ihrem H.C.M Futures Vision, einem Fonds, der in Rohstoff-Terminkontrakte investierte. Ende 1993 aufgelegt, wurde der Fonds Ende Juli 1998 vom Markt genommen. Nach Angaben des Activest-Sprechers Stefan Liebl hatte der Fonds zum Schluss ein Volumen von knapp 15 Mill. Euro. "Der Fonds war schwer zu erklären, selbst die Berater hatten trotz Schulungen das Produkt nicht richtig verstanden", erklärt Liebl. Eine Erklärung für den Flop könnte auch die üppige Verwaltungsgebühr gewesen sein: Bis zu vier Prozent pro Jahr plus Erfolgsvergütung.

Wollen Fondsgesellschaften ein Produkt vom Markt nehmen, müssen sie dabei nur wenige aufsichtsrechtliche Regeln beachten. "Die Anbieter müssen die Auflösung des Fonds mindestens drei Monate im Voraus im Bundesanzeiger und im Rechenschaftsbericht ankündigen", sagt Oliver Struck, Sprecher beim Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred).

Wenige aufsichtsrechtliche Restriktionen

Ansonsten gebe es keine Restriktionen. Allerdings sehe das BAKred Fondsauflösungen nicht allzu gerne, da Fonds als Langfristanlage konzipiert sein sollten. Aus Kreisen der Fondsanbieter ist zu hören, dass das BAKred seinen Segen zur Schließung eines Fonds nur erteile, wenn dessen Volumen längere Zeit unter der Marke von 20 Mill. Euro verharre. BAKred-Sprecher Struck bestätigte diese Marke indes nicht.

Eine Alternative zur Schließung besteht darin, die Anlagepolitik zu verändern. So geschehen beim DIT Spezial, der laut Anlagerichtlinien in deutsche Unternehmen mit einem Grundkapital von bis zu 204 Mill. Euro investieren darf. "Zuerst war der Fonds stark auf den Neuen Markt ausgerichtet. Dann haben wir für dieses Segment den DIT Europa Neue Märkte aufgelegt", sagt DIT-Sprecher Jansen. Um dem DIT Spezial eine neue Daseinsberichtung zu geben, investiert das Management fortan in Aktien von SMax und MDax. Die Anleger werden über solche Änderungen aber informiert.

Interessant: Die Fondstochter des Kölner Bankhauses Sal. Oppenheim hat Ende 1999 einen Fonds für Smax und MDax-Werte aufgrund "mangelnden Interesses" dicht gemacht: Den Oppenheim Select Small Cap, der nicht in Neue Markt-Unternehmen anlegen durfte. Dafür schob das Unternehmen später den Oppenheim Select Europe Small Cap hinterher. Peter Loll, Sprecher von Oppenheim Fondstrust, räumt offen ein, dass eine Fondsauflösung für die betroffene Gesellschaft eher "eine Verlegenheitstat" bedeutet.

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