Anbieter stellen auf neue Modelle um
SMS kosten künftig Geld

Für Kurznachrichten (SMS, die bisher kostenfrei vom Computer auf das Handy versandt werden konnten, muss der Nutzer demnächst in die Tasche greifen. Denn fortan wollen die Betreiber der Mobilfunknetze für diese Kommunikationsform Geld sehen.

ddp-vwd DÜSSELDORF. Für Tim Mois ist die Situation klar: "Diese Entscheidung ist das Ende von kostenlosen SMS." Jeder, mutmaßt der Geschäftsführer des Düsseldorfer Unternehmens Netzquadrat, das unter anderen die Web-Seiten von www.sms.de und www.billiger-telefonieren.de betreibt, werde sich "künftig dreimal überlegen, ob er weiter freie SMS anbieten kann".

Refinanzierung der SMS-Dienste über angehangener Werbebotschaft

Der kostenlose Mitteilungsdienst vom PC via Internet auf ein Handy wird von zahlreichen Anbietern den Web-Besuchern zur Verfügung gestellt. Dabei sind die so beliebten Kurzmitteilungen aufs Handy zumeist mit einer Werbebotschaft gekoppelt. Damit haben die Web-Anbieter bislang den Dienst - zumindest teilweise - refinanziert. Nun jedoch drehen D-1 und Co mächtig an der Preisschraube. Statt bisher umgerechnet 1,79 Eurocent pro Botschaft steigt bei T-Mobil der Preis auf 5,5 Eurocent. Bei Vodafone klettert der Preis von 1,53 auf 4,5 Cent. Und E-Plus sowie Viag Interkom denken in ähnlichen Größenordnungen. Urteilt Uwe Rosenhahn vom Brancheninformationsdienst billiger-telefonieren: "Wir haben von E-Plus hinter der vorgehaltenen Hand erfahren, dass man hier eine neuen Geldquelle anbohren will."

SMS ist ein speziell deutsches Phänomen

Das sehen die Netzbetreiber natürlich ganz anders. In Deutschland sind SMS-Mitteilungen so beliebt und genutzt wie kaum anderswo. Gut zwei Milliarden SMS schwirren monatlich durch die Funktelefonnetze. Christian Schwolow von Vodafone: "Das ist ein speziell deutsches Phänomen." Bei T-Mobil macht das SMS-Geschäft beispielsweise 10 % des Umsatzes aus oder etwa 600 Mill. DM. Dabei ist der Dienst mit den maximal 160 Zeichen pro Meldung ein lukratives Geschäftsfeld. Die Kurzmitteilungen fallen sozusagen als kostenloses Nebenprodukt des Telefondienstes an. In seinen Anfangszeiten hatte E-Plus sogar mit Gratis-SMS von Handy zu Handy geworben. Doch mit der ansteigenden Flut der piepsenden Nachrichten stieg wohl auch die Begehrlichkeit der Netzbetreiber. Von Handy zu Handy kosten derzeit die kurzen Mitteilungen zwischen 20 und 40 Pfennig.

Ausländische Anbieter leiten ihre SMS über die billigeren deutschen Netze

Kostenlos hingegen waren bislang Nachrichten über den PC aufs Handy. Das haben sich vor allem Unternehmen zu Nutze gemacht, die auf diese Weise Terminverschiebungen oder andere Informationen an ihre Außendienstler verteilten. Folgt man nun den Erklärungen der deutschen Netzbetreiber, dann haben sich allerdings auch zunehmend ausländische Anbieter der deutschen Netze bedient. Sie routeten massenhaft SMS über die billigeren deutschen Netze und profitierten von den günstigeren Konditionen in Deutschland. "Wir hatten keine andere Chance", erläutert Philipp Schindera von T-Mobil, "als solche Verbindungen auf marktgerechte Preise zu setzen." Und sein Vodafone-Kollege Christian Schwolow gibt unumwunden zu: "Jetzt muss sich jeder Anbieter ausrechnen, ob ein kostenloser SMS-Dienst noch in sein Businessmodell passt."

Verteuerungen werden vornehmlich den Messaging-Markt treffen

Dass sie im Inland Kunden verlieren können, fürchten die Netzbetreiber nicht zu sehr. Rechtzeitig haben sie entsprechende Tarifwerke für ihre Großkunden gestrickt. Treffen werden "die gigantischen Verteuerungen" (Rosenhahn) den aufstrebenden "Messaging Markt". Darunter versteht die Branche weitaus mehr Möglichkeiten als Werbe- oder Sponsorbotschaften. So können per SMS-Direktservice Kunden darüber informiert werden, dass die gewünschten Möbel nun lieferbar sind. Oder eine Autowerkstatt meldet, "Fahrzeug abholbereit". Marketing- und Werbefachleute schätzen diese Form so genannter "Mobile Solutions". Verglichen mit anderen Formen der Kundenansprachen sind SMS-Botschaften schneller als ein Brief, direkter, jederzeit in beliebigem Umfang und an jeden Ort versendbar und zudem von der hochgeschätzten Gruppe junger Kunden sehr beliebt.

Private Kunden sollen weiterhin kostenfreien SMS-Dienst via PC nutzen können



Ahnt Sandra Goetz von Lycos: "Da werden auf einige Unternehmen noch einige Probleme zukommen." Der Suchmaschinenbetreiber bietet deshalb ab November seinen Kunden ein Registrierverfahren an. Zumindest für private PC-User sollen täglich fünf SMS kostenfrei zur Verfügung stehen. Und wer professionell weiterhin die kleinen Mitteilungen versenden will, muss eben sehen, ob sich das rechnet. Matthias Plica von der Unternehmensberatung Xonio: "Viele Unternehmen werden sich überlegen, weiterhin Werbung oder Dienstleistungen per SMS zu verschicken." Deutlicher formuliert es T-Mobil-Mann Schindera: "Wenn Angebote auf nicht-marktgerechten Preisen basiert haben, so ist das einzig das Problem des Dienstanbieters."

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