Anbieter von alternativen Energien sind Gewinner
Neuer Markt markiert neue Tiefststände

Schlechte Unternehmensnachrichten sowie der hohe Ölpreis infolge der Krise im Nahen Osten haben den Neuen Markt auf neue Jahrestiefs gedrückt.

rtr FRANKFURT. Schlechte Unternehmensnachrichten sowie der hohe Ölpreis infolge der Krise im Nahen Osten haben den Neuen Markt der Frankfurter Börse am Freitag auf neue Jahrestiefs gedrückt. Der Nemax-50-Index für die größten Aktienwerte des Segments rutschte bis zum Nachmittag um 2,5 % auf 3 935,70 Punkte und damit auf sein schwächstes Niveau in diesem Jahr. Händler zeigten sich über die anhaltende Verlustserie am Neuen Markt verhältnismäßig gelassen. Die Akteure verhielten sich zusehends vernünftiger und neigten nicht mehr so stark zu Überreaktionen, hieß es. Die aktuellen Verluste seien gerechtfertigt. Einige abergläubische Händler verwiesen auf den bevorstehenden Jahrestag des schwarzen Montags 1987.

Auslöser der erneuten Talfahrt war ein ganzes Bündel schlechter Nachrichten. Zum einen hielt am Neuen Markt - wie bei den Standardwerten auch - die Angst vor einem möglichen Krieg im Nahen Osten und den dadurch verursachten Ölpreissteigerungen an. Zum anderen gab es mehrere aus Marktsicht negative Neuigkeiten über Wachstumsfirmen. Der Softwarehersteller Intershop kündigte ebenso wie die Foris AG für das dritte Quartal Verluste an, die BinTec Communications AG gab erneut eine Gewinnwarnung ab, und die Online-Bank Comdirect legte ein unter den Erwartungen liegendes Wachstum bei den Kundenzahlen vor. Bereits am Abend zuvor hatte der Vorstandschef der im Insolvenzverfahren befindlichen Gigabell AG , Daniel David, seinen Rücktritt erklärt.

Negative Vorgaben aus Amerika

Verstärkt wurde die negative Tendenz durch einige Unternehmensnachrichten aus Amerika und den schwachen Vorgaben von der US-Technologiebörse Nasdaq. Die Nasdaq, deren Entwicklung für den Frankfurter Neuen Markt zumeist maßgeblich ist, hatte am Donnerstag mit einem Minus von fast 3 % auf 3 074 Punkten und damit auf dem tiefsten Stand seit November 1999 geschlossen. Die US-Internet-Firma DoubleClick enttäuschte die Analysten mit ihrem Quartalsgewinn. Der Dow-Jones-Index für die Industriefirmen hatte mit einem Abschlag von 3,65 % geschlossen. Mitverantwortlich war eine Gewinnwarnung des Baumarktbetreibers American Home Depot . Der Deutsche Aktienindex (Dax) notierte am Freitagnachmittag nach zuvor schwacher Tendenz etwas fester.

Von einer Panik war am Neuen Markt nach Aussagen von Börsianern allerdings nichts zu spüren gewesen. Im Gegenteil zeigten die Akteure zunehmend rationales Verhalten, hieß es. "Es ist ein bisschen mehr Logik im Markt", sagte Steffen Krautwald von M.M. Warburg. Es zeichneten sich zusehends nachvollziehbare Bewegungen bei den Aktienkursen ab. Die Verluste der jüngsten Tage und auch am Freitag seien auf Grund der Nachrichtenlage nicht übertrieben. Solange die Veröffentlichung schlechter Unternehmenszahlen anhalte, werde es auch am Markt nicht aufwärts gehen. Zugleich verwies Krautwald auf die Gefahr, dass bei deutlicheren Verlusten bei den Standardwerten der Neue Markt noch einmal seine Talfahrt beschleunigen könnte. "Wenn der Dax neue Lows markiert, geht es noch einmal runter."

Die Kursverluste laufen querbeet

Kaum eine Branche blieb von den Verluste verschont. Unternehmen mit Gewinnwarnungen beziehungsweise Quartalsverlusten wie Bintec mit einem Abschlag von mehr als 35 % oder Intershop mit einem Verlust von knapp 10 % mussten die höchsten Einbußen hinnehmen. Zweistellige prozentuale Abschläge verbuchten unter anderem noch MobilCom mit 12,2 %, Ricardo.de mit rund 11 %, Parsytec mit gut 14 % oder Integra, die rund 10 % fielen. "Die Kursverluste laufen querbeet, keiner wird verschont", sagte ein Börsianer. Vor allem ausländische Akteure, aber auch Fonds und Kleinanleger stiegen aus ihren Investments aus. Davon seien auch die großen Unternehmen am Neuen Markt betroffen. Der Index für die 50 größten Werte des Neuen Marktes, Nemax-50, markierte mit weniger als 4 115 Zählern ebenfalls den niedrigsten Stand seit fast einem Jahr.

Einige wenige Titel des Neuen Marktes verbuchten indes Gewinne. Dazu zählten die Anbieter von alternativen Energien. Umweltkontor verteuerten sich um mehr als 10 % auf 54,11 Euro, und Plambeck Neue Energie stiegen um knapp 5 % auf 16,60 Euro. Mehr als 10 % höher gehandelt wurden Metabox, Digital Advert gewannen fast 17 % auf 14,51 Euro, und die am Vortag nach einer Gewinnwarnung noch massiv abgestürzten Aktien der Allgeier AG erholten sich um knapp 5 % auf 6,70 Euro. Händler führten diese Kursentwicklungen auf gezielte, kursgünstige Eindeckungen und auf technische Gegenreaktionen zurück .

Im übrigen habe möglicherweise ein Hauch Aberglaube am Neuen Markt ein Rolle gespielt. "Wir haben heute Freitag den 13., sind seit etwa 13 Tagen im Minus und stehen kurz vorm 13. Jahrestag des Börsencrashs 1987 - was soll da schon anderes passieren", sagte ein Händler.

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