Anbieter von Business-Jets profitiert von der Luftfahrtkrise
Netjets verkauft Flugzeuge scheibchenweise

Seit den Terroranschlägen spürt Netjets einen deutlichen Nachfrageschub. Das US-Unternehmen des Star-Investors Warren Buffett verkauft Geschäftsleuten Anteile an Privatjets. Als Gegenleistungen erhalten die Kunden Flugzeiten. In den USA boomt das Geschäft. In Europa sind die Kunden zurückhaltend.

mwb MÜNCHEN. Wenn Arnold Schwarzenegger oder Andre Agassi im Privatflieger um die Welt jetten, gehört ihnen die Maschine nur zum Teil. Sportstars, aber vor allem Topmanager von Weltkonzernen wie General Electric, Gillette oder Texaco gehören zu den zahlungskräftigen Kunden der Executive Jet Inc., Woodbridge/New Jersey.

Die weltgrößte Flotte privater Geschäftsflieger gehört dem US-Investor Warren Buffet und firmiert unter dem Markennamen Netjets. Das Unternehmen verkauft Anteile an Privatjets. Als Gegenleistung erhalten die Kunden Flugstunden zur freien Verfügung. Die Dienste von Netjets nutzen nach Firmenangaben inzwischen mehr als 2500 Kunden. Die Nachfrage ist nach den Terroranschlägen in den USA sprunghaft gestiegen. "Wir sind sehr optimistisch", sagt der neue Europachef Mark Booth. Nicht nur die Faktoren Zeit und Bequemlichkeit seien entscheidend für die Kundschaft, sondern immer häufiger auch das Thema Sicherheit.

In der Regel teilen sich acht solvente Kunden eine Maschine und müssen dafür je nach Flugzeugtyp jeweils 330 000 $ bis 2,8 Mill. $ auf den Tisch legen. Der Kunde erhält dafür das Anrecht auf 75 bis 100 Flugstunden mit Flugzeugen aus der gesamten Netjets-Flotte. Darüber hinaus müssen die Kunden Managementgebühren entrichten und je in Anspruch genommene Flugstunde extra zahlen. Aber das soll immer noch um 88 % günstiger sein als sich einen eigenen mehrere Millionen Dollar teuren Jet zu halten, wie es etwa Formel-Eins-Star Michael Schumacher tut.

Zahlen zum Umsatz und Ertrag des Unternehmens will der Europachef nicht nennen: "Das machen wir grundsätzlich nicht". Vor drei Jahren hat Warren Buffet über seine Investment-Gesellschaft Berkshire Hathaway das 1986 von Richard Santulli gegründete Unternehmen gekauft. Der nach Bill Gates reichste US-Amerikaner zahlte damals 725 Mill. $. "Wir sind ein profitables Unternehmen", sagt Booth. Schließlich sei Buffet ja dafür bekannt, nur in profitable Unternehmen zu investieren.

Die Executive Jet Inc. expandiert seit Buffets Einstieg kräftig. Bis Ende 2001 wird Netjets nach eigenen Angaben über eine Flotte von 420 Flugzeugen im Wert von insgesamt 5,5 Mrd. $ verfügen. 575 weitere Maschinen für 13 Mrd. $ sind für die kommenden fünf Jahre bereits bestellt. Allein im Jahr 2000 kamen 70 und im laufenden Jahr bisher noch einmal 80 Maschinen hinzu. Im kommenden Jahr sollen weitere 100 Jets folgen. Von der zehnsitzigen Cessna Citation bis zum Boeing Business Jet mit 75 Quadratmetern Nutzfläche ist alles im Programm. Netjets gehört damit zu den größten Kunden der Hersteller von Geschäftsflugzeugen.

Seit 1996 versucht Netjets in Europa Fuß zu fassen, seit 1999 im Mittleren Osten, jeweils mit Investitionen von mehr als einer Mrd. Dollar. "In Europa hinken wir der Entwicklung in den USA um rund fünf Jahre hinterher", räumt Booth ein. Europäische Manager seien noch wesentlich zurückhaltender als ihre US- Kollegen. In Europa liegt der Marktanteil nach Unternehmensangaben bei 75 %, Zweiter ist der Konkurrent Bombardier.

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