Anbieter von Medizinmarktplätzen helfen Kosten sparen
Automatisiertes Bestellwesen bei Kliniken

Bisher können die Einkäufer in den Krankenhäusern anhand ihrer Kataloge kaum abschätzen, ob sie die günstigsten Desinfektionsmittel und OP-Materialien einkaufen und was andere Häuser beim Zulieferer bezahlen. B2B-Marktplätze schaffen mehr Transparenz.

DÜSSELDORF. B2B-Marktplätze wie krankenhausportal.de begannen schon im vorigen Jahr durch die Bündelung der Herstellerkataloge in Internet-Datenbanken, den Markt transparent zu machen. Die nächste Generation der Medizinmarktplätze hat noch mehr vor: Die ersten Anbieter einer direkten Integration der Warenwirtschaftssysteme von Krankenhäusern und Zulieferern haben über das Internetportal medicaleconomix.com erste Erfahrungen in fünf deutschen Krankenhäusern mit dem geregelten Pilotbetrieb gesammelt. Mitbewerber Medicforma will seinen Kunden, den Kliniken Essen Mitte, ebenfalls bei Netztransaktionen zur Seite stehen. Glomedix integriert erste Kunden auf der Hersteller- und auf der Krankenhausseite.

Sparen lässt sich nach Auskunft von Olaf Lodbrok, Geschäftsführer der Berliner Medicforma.com GmbH, in Deutschlands Krankenhäusern eine Menge. Unabhängig davon, wie viel ein bestellter Artikel kostet, werden einer Studie des Centrums für Krankenhaus-Management, Münster, zufolge für einen normalen Bestellvorgang in einer Universitätsklinik zwischen 33 und 65 Euro ausgegeben. Und in einer Großklinik fallen pro Jahr bis zu 30 000 dieser Orders an.

Vorgänge, bei denen Formulare ausgefüllt, Faxe geschickt und Telefonate geführt werden müssen. Die elektronische Verbindung der Materialwirtschaftssysteme der Kunden mit den Auftragsabwicklungssystemen der Lieferanten soll helfen, in diesem Bereich fast 90 Prozent weniger auszugeben. Die Plattform der Medical economix AG aus Bonn besteht aus einer internetbasierten E-Procurement-Plattform, die mit einem Lieferantenverzeichnis und medizinischen Artikelkatalogen direkt verzahnt ist.

Auch das medicforma.com-System besteht aus einem direkt an die Warenwirtschaft anschließenden elektronischen Bestellsystem für Krankenhäuser und einem elektronischen Marktplatz für Anbieter. Die Berliner haben keine eigene Software entwickelt, sondern setzen auf Systeme des US-Unternehmens CommerceOne.

Der Vorteil dieser Direktlösung: Vornehmlich browsergestützte Systeme anderer Mitbewerber setzen über Schnittstellen auf den Warenwirtschaftssystemen auf und sind nicht mit allen Daten verzahnt. Nur bestimmte Informationen aus der Warenwirtschaft sind über sie abrufbar. "Aber auf viele wichtige Informationen aus den Systemen wollen die Leute nicht verzichten", hat Medical-economix-Sprecher Günter Reckmann festgestellt.

"Die Automatisierung des gesamten Prozesses von der Bestellung bis zur Auftragsabwicklung einschließlich aller Administrations- und Abrechnungsvorgänge ist der einzig richtige Weg", betont auch Professor Wilfried von Eiff, Leiter des Centrums für Krankenhausmanagement, "sonst kann man die Nutzerpotenziale in der Breite nicht erschließen".

In den Vereinigten Staaten senken bereits etliche Krankenhäuser ihre Einkaufskosten auf diese Weise. Der Millennium Research Group s zufolge stiegt der Anteil des E-Procurement am Gesamtbestellvolumen der Krankenhäuser in einem 6,3 Milliarden Dollar schweren Markt zwischen Juni und Oktober 2000 insgesamt von 2,6 Prozent auf 3,5 Prozent an.

Von solchen Zahlen ist der deutsche Markt weit entfernt. Europaweit bestellen 40 Krankenhäuser über Glomedix Verbandmaterial, Kanülen und andere Bedarfsprodukte. 25 Hersteller haben ihre Warenkataloge mit dem System verbunden oder sind gerade dabei, es zu tun. Dass die Entwicklung der europäischen Medizin-Marktplätze langsamer als geplant vonstatten geht, bestätigt Professor von Eiff: "Viele waren zu optimistisch und haben unterschätzt, dass nicht die in der Regel solide Technik der Marktplatzanbieter entscheidend ist, sondern die Reorganisation der Abläufe beim Kunden."

Schon sprachlich trennen unterschiedliche Krankenhäuser Welten voneinander. "In einem Standort ist von einer Venenverweilkanüle die Rede, im nächsten vom Butterfly, und das dritte Haus hat wieder einen anderen Begriff", erklärt von Eiff. Günter Reckmann bestätigt: "Der Teufel steckt da im Detail."

Schon Begrifflichkeiten so für die Computersysteme zu vereinfachen, dass die Händler und Endverbraucher sie verstehen, sei kniffelig. "Der eine Hersteller nennt sein Pflaster Hansaplast, der andere Leukoplast, und wir müssen dem System zeigen, dass alles für die Verbraucher letzten Endes schlicht Pflaster ist."

Viele Krankenhäuser halten sich zudem dabei zurück, gewohnte Prozesse nur auf Grund vager Prognosen umzustellen. Auch die starke Fragmentierung der IT-Landschaft im Krankenhaussektor mit seiner Vielzahl handgestrickter Einzelsysteme ist ein Hindernis für die Marktplatzanbieter. Erkenntnisse aus einem Projekt lassen sich kaum auf das nächste übertragen. Mit Hilfe von Allianzen versuchen die Medizin-Startups, Vorbehalte in den Krankenhäusern zu überwinden.

Glomedix bezog mehrere Hersteller und Krankenhäuser in die Entwicklung der Plattform ein. Wichtigster Partner für Medical economix ist die GWI AG aus Bonn. Das Unternehmen ist seit elf Jahren im Gesundheitswesen tätig und heute einer der führenden Anbieter von Klinik-Management-Systemen. Rund 500 Krankenhäuser und Kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind GWI-Kunden, gut 200 setzen die Materialwirtschaftssoftware "Orbis" der GWI ein.

An Medicforma beteiligt sich Bertelsmann Avarto, der Mediendienstleister des Gütersloher Medienkonzerns, mit 32 Prozent.

Die Partner der Marktplatzanbieter brauchen allerdings gute Nerven, denn welche Plattformsysteme sich letzten Endes durchsetzen werden, ist völlig offen. Schon die ehrgeizigen Zeitpläne der Marktplatzbauer lassen sich nicht immer einhalten.

Der Start von Medicaleconomix.com war beispielsweise schon für Anfang des Jahres anvisiert. Kooperationspartner GWI bringen zeitliche Verzögerungen nicht aus der Ruhe. "Uns kommt es auf eine gründliche Planung an", betont GWI-Sprecherin Silvia Peckmann: "Wichtig ist, dass das System gut ist und funktioniert."

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