Anbieter werben um Kunden des Netzbetreibers KPN-Qwest
Ohne KPNQwest drohen schwarze Websites

Ein Viertel aller deutschen Website offline - dieses Szenario scheint gar nicht so unrealistisch, falls der insolvente Datennetzbetreiber KPN-Qwest seinen Netzbetrieb nicht aufrecht erhalten kann. Doch die Konkurrenz bemüht sich bereits eifrig um die besorgten KPN-Qwest-Kunden.

vwd/spf DÜSSELDORF. Käme es zum Stillstand der Rechenzentren des insolventen Datennetzbetreibers KPN-Qwest in Deutschland, wäre etwa ein Viertel des deutschen Internet lahmgelegt. Zu dieser groben Schätzung gelangt die Ipanema Technologies GmbH, ein Anbieter von Systemen zur Leistungsmessung und Optimierung in Datennetzen. Besonders deutsche Mittelständler seien betroffen, so Ipanema-Sprecher Andreas Dripke. Ein Drittel aller deutschen Mittelständler nutze die Netzkapazitäten von KPNQwest. "Denen fällt dann sofort der ganze Web-Auftritt weg", fürchtet Dripke. Die Websites der Großunternehmen seien hingegen weniger gefährdet, da diese ihre Daten meist auf mehrere Server verschiedener Anbieter verteilt hätten.

Und auch beim weltweiten Internet-Betrieb könnte es nach Ansicht der United Pan-Europe Communications NV (UPC) zu Einschränkungen kommen. Der Kabelnetzbetreiber UPC, einer der größten Kunden von KPN-Qwest, erwartet, dass es weltweit zu einer Verlangsamung des gesamten Internet kommen wird. Probleme sieht man bei UPC vor allem bei den Verbindungen in die USA und generell bei Daten-Downloads. KPN-Qwest habe erklärt, dass das Unternehmen für das reibungslose Funktionieren seines Netzes nicht mehr garantieren könne.

Die Konkurrenz steht schon in den Startlöchern

Provider wie Colt Telecom, Level 3 und Vanco bemühen sich um die Kunden des insolventen Datennetzbetreibers KPN-Qwest. Dafür haben die Konkurrenten eigens Arbeitsgruppen gebildet. Sie wollen KPN-Qwest-Kunden sofort eine Alternative anbieten, falls das niederländische Unternehmen seinen Geschäftsbetrieb einstellen muss. "Sowohl Colt als auch die anderen Netzbetreiber hätten kein Problem, die Kunden von KPN-Quest aufzufangen", versichert Volker Isenmann, Sprecher des Glasfasernetz-Betreibers Colt. "Wir können garantieren, dass unsere Netze damit keine Probleme hätten. Auch ohne KPN-Qwest gibt es noch Überkapazitäten."

Viele Kunden sind offenbar schon in der vergangenen Woche zu einem anderen Anbieter gewechselt, darunter auch große KPN-Qwest-Kunden wir die Preussag. Level 3 hat eigenen Angaben zufolge in den vergangenen Tagen Verträge mit neuen Kunden geschlossen, die fünf Mill. Euro Umsatz bringen. Level 3 und Colt Telecom sind ebenso wie KPN-Qwest Glasfaserbetreiber. Der britische Telekomdienstleister Vanco besitzt hingegen keine eigenen Netze, sondern mietet weltweit Überkapazitäten bei Netzbetreibern an. "Wir raten wechselwilligen Kunden dazu, mehrere Datennetzbetreiber ins Boot zu holen", sagt Anja Weidner von Vanco.

Auch deutsche KPN-Qwest ist insolvent

KPN-Qwest betreibt rund ein Drittel des europäischen Glasfasernetzes. Das Unternehmen hatte vergangenen Freitag Konkursantrag gestellt. Zuvor waren die Versuche des Unternehmens, Geld durch den Verkauf von Unternehmensteilen einzutreiben, gescheitert. Das Unternehmen hofft aber weiterhin, sein Netz an den US-Telekomkonzern AT&T zu verkaufen. Analysten rechnen mit einem Erlös von bis zu 250 Mill. Euro.

Gestern wurde bekannt, dass auch die KPN-Qwest Germany GmbH beim Amtsgericht Darmstadt einen Insolvenzantrag gestellt hat. Der Geschäftsführer Michael Müller-Berg teilte mit, die niederländische Muttergesellschaft habe zugesichert, dass der Netzbetrieb in den kommenden Wochen aufrecht erhalten werden kann. Parallel dazu führte KPN-Qwest Germany Gespräche mit den deutschen Lieferanten, um den Netzbetrieb in Deutschland sicherzustellen.

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