Anbieter wollen Kosten senken
Analysten sehen kaum Chancen für Internet-Agenturen

Reine Internet-Agenturen haben nach Analysteneinschätzung nur geringe Chancen, längerfristig am Markt zu Überleben. Mit immer größeren Projekten wachse auch der Beratungsbedarf, waren sich die Analysten in einer Umfrage einig.

Reuters FRANKFURT. Hier hätten die klassischen Unternehmensberatungen die besseren Karten. Viele IT-Dienstleister hätten es mit ihrem Ehrgeiz, schnell zu expandieren, übertrieben und sich bei mangelnder Kontrolle hoch verschuldet. Vor allem kleine Unternehmen, die besonders unter der schwachen Nachfrage litten, würden vom Markt verschwinden.

"Der Trend geht zu Beratung und Technologieintegration", sagte Marc Osigus, Analyst bei der Berenberg Bank. "Das reine Web-Design hat keine Zukunft." Viele Unternehmen würden versuchen, auch eigene Software anzubieten und das IT-Consulting zu stärken. "Aber die gesamte Wertschöpfungskette werden nicht alle bedienen können." Vor allem kleine, unprofitable Firmen würden vom Markt verschwinden. "Fraglich ist, ob die schwache Nachfrage alleine mit einer Kostensenkung aufzufangen ist", sagte Osigus.

Eine Konsolidierung erwartet auch BW-Bank-Analyst Viktor Hund. "Viele Internet- und Multimediaagenturen schreiben hohe Verluste", sagte Hund. IT-Unternehmen wie Kabel oder Heyde hätten zu stark expandiert und für Übernahmen zu hohe Preise gezahlt. Die internen Kosten seien aus dem Ruder gelaufen.

"Der Markt hat sich total verändert und ist von einem Anbieter- zum Käufermarkt mutiert", sagte Markus Golinski, Analyst bei Sal. Oppenheim. Den Kunden komme es nicht so sehr auf das Design der Internetseiten als auf die Verknüpfung mit ihren IT-Systemen an. "Exzellentes Technologie-Know-how und zuverlässiges Projektmanagement spielen daher eine immer größere Rolle bei der Projektvergabe, wodurch sich die Agenturen noch stärker als bisher der Konkurrenz seitens traditioneller Consulting- und Implementierungsunternehmen ausgesetzt sehen", fügte Golinski hinzu.

Aufträge aus der "Old Economy"

Einzelne "Features", wie die Software oder das Design, würden sich die großen IT-Dienstleister bei Bedarf zukaufen. "Viele Einzelprojekte sind heute vom Volumen her sehr viel größer und komplexer", sagte er. Dabei vertrauten die Kunden eher auf "Global Player" wie die IT-Consultants KPMG, Accenture und Cap Gemini Ernest & Young oder Systemintegratoren wie IBM Global Services, EDS und Hewlett Packard.

Die Aufträge kämen nicht mehr von den so genannten Dotcoms, sondern aus der "Old Economy", sagte Hund. Tendenziell seien die Budgets größer und die Projektvorlaufzeiten wesentlich länger. "In erster Linie ist eine qualitativ gute Beratung wichtig", sagte Hund. GFT und Antwerpes sind seiner Ansicht nach in der Beratung ganz gut, ebenso die kleinere Syzygy, während Pixelpark und Kabel eher schlecht sind.

Nach dem Insolvenzantrag sehen die Analysten bei Kabel nur noch geringe Chancen auf ein Überleben. Golinski zufolge sind viele Probleme wie bei Pixelpark "hausgemacht". "Die haben zugekauft ohne Rücksicht auf die Kosten". In der derzeitigen Marktsituation sei es für die Agenturen nicht mehr so einfach, Kapital zu bekommen.

Einige "Schnäppchen" vorhanden

Mit ihren Plänen gescheitert, Komplettangebote zu bieten, würden sich einige Anbieter wieder von Aktivitäten trennen, um so die Kosten zu senken. "Pixelpark etwa fokussiert sich jetzt wieder auf das Stammgeschäft", fügte Golinski hinzu. "Viele kleine Web-Agenturen werden vom Markt verschwinden oder von den Großen der Branche gekauft werden." Aber auch vermeintlich besser laufende Unternehmen suchten "Unterschlupf", wie bei GFT zu sehen sei. "Fast alle Firmen sind zu klein, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen."

Osigus sieht GFT innerhalb der Branche noch am Besten aufgestellt. GFT komme von der Softwareentwicklung her, habe gute Kundenbeziehungen und decke mit Beratung, der Integration von Technologie und eigener Software die gesamte Wertschöpfungskette ab. Zudem habe GFT mit der Deutschen Post und nun auch der Deutschen Bank zwei große, strategische Partner. Die Plenum AG hingegen sei sehr stark in der Beratung und profitiere wie Syskoplan von dem SAP-Geschäft. "Plenum ist auf dem jetzigen Kursniveau relativ preiswert", sagte Osigus, der die Aktie auf "Akkumulieren" einstuft, ebenso wie die Papiere von Sinner-Schrader, GFT und Syskoplan.

Auch Hund sieht "einige Schnäppchen in dem Segment". GFT und Syzygy bewertet er mit "Übergewichten", Antwerpes mit "neutral gewichten". Auch bei Concept gebe es Kurspotenzial. Pixelpark und Kabel bewertet der Analyst mit "Untergewichten".

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