Andere Klubs schließen sich Kritik an
Assauer kündigt Regressforderung an

Die kurzfristig ausgehandelte Fernsehübertragung des Pokalspiels zwischen Bayern München und Hannover 96 ist auf vehemente Kritik in der Bundesliga gestoßen. Der Manager des FC Schalke 04, Rudi Assauer, geriet wegen des "bisher einmaligen Vorgangs" regelrecht in Rage und warf dem DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder und der ARD "Sensationsgier" auf der Jagd nach Einschaltquoten vor.

HB/dpa GELSENKIRCHEN. "Das ist ein Sieg der Sensationslust über den Sport. Das ist eine einzige Katastrophe für den gesamten deutschen Fußball und spiegelt die Situation im DFB wider", schimpfte Assauer nach dem 5:0 des Cupverteidigers am Mittwochabend gegen Borussia Mönchengladbach und dem souveränen Einzug ins Achtelfinale. ARD und DFB wiesen die Kritik am Donnerstag zurück.

"Das wird ein Nachspiel haben. Von den Vereinen wird es Regressansprüche geben", hatte Assauer zunächst angekündigt, weil die zeitgleich mit den Bayern spielenden Clubs möglicherweise Zuschauer-Einbußen hinnehmen mussten. Auch Bayer Leverkusen und der VfB Stuttgart schlossen sich der Kritik an. "Es ist unmöglich, dass wir erst kurz vorher davon erfahren haben. Darüber ist noch zu reden", sagte Bayer-Geschäftsführer Reiner Calmund. Und VfB-Manager Rolf Rüssmann ergänzte: "Wenn 9 000 zahlende Zuschauer im Olympiastadion sind, fragt man sich schon, ob das bundesweite Interesse so groß ist." Hohe Quoten seien kein Argument. "Wenn man es so sieht, kann man auch das Vormittagstraining und das Kaffeetrinken der Bayern senden. Aber das hat nicht mit Fußball zu tun. Das ist Zirkus."

Erst wenige Stunden vor den Zweitrunden-Pokalspielen am Mittwoch hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) dem Drängen der ARD nachgegeben und angesichts der brisanten Situation beim Rekordmeister einer zusätzlichen Live-Übertragung des Bayern-Spiels (19.00 Uhr) zugestimmt. Der Anstoß zwischen der Partie Schalke gegen Gladbach, die von der ARD nach der Auslosung als Live-Spiel ausgewählt worden war, musste daher von 20.30 auf 20.45 Uhr verschoben werden. Der TV-Vertrag zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und dem DFB sieht bis einschließlich Viertelfinale nur ein Live-Spiel pro Runde vor.

Assauers Ansicht, dass es sich um einen Alleingang von Mayer-Vorfelder gehandelt habe, der beim ARD-Intendanten Fritz Pleitgen "im Wort stand", bestätigte ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf indirekt. "Erst nach einem Gespräch zwischen Pleitgen und Mayer-Vorfelder gab es grünes Licht", sagte Boßdorf. "Es steht dem Präsidenten doch gar nicht zu, allein zu entscheiden, schon in der 2. Runde ein zweites Live-Spiel zu machen. Das ist der Gipfel der Unverfrorenheit", kritisierte Assauer, der von einer "Lex Bayern" sprach. "Dann können wir gleich sagen, alle Spiele der Bayern sind Live-Spiele."

Unterdessen bemühte sich der DFB am Donnerstag, die Wogen zu glätten. Pressesprecher Harald Stenger stellte nach einem Telefonat zwischen Assauer und dem zuständigen DFB-Abteilungsleiter Willi Hink klar, dass Schalke keine Regressansprüche stellen wird. Auch von anderen Clubs habe man nichts gehört. Zuschauer-Einbußen habe es nicht gegeben. Zudem würden die anderen Clubs von den zusätzlichen TV-Geldern profitieren, wenngleich der "Löwenanteil" zwischen den Bayern und Hannover aufgeteilt werde, so Stenger.

Boßdorf verteidigte das Vorgehen der ARD: "Die Bayern waren zuletzt in aller Munde. Daher halte ich es für einen legitimen Versuch, das Spiel der Münchner mit einer Ausnahmeregelung zu zeigen." Die guten Einschaltquoten bestätigten Boßdorf in seiner Ansicht. Die Kritik hält er für "überzogen", wenngleich er verstehen könne, dass "wir keinen Applaus von den Vereinen erhalten". Meldungen, wonach die ARD für das zweite Live-Spiel zwei Mill. ? - also 500 000 ? mehr als üblich - bezahlt habe, wies DFB - Sprecher Stenger zurück: "Das stimmt nicht." Auch sei nicht richtig, dass Mayer-Vorfelder bei Pleitgen im Worte gestanden habe: "Nach dem Gespräch zwischen Pleitgen und Mayer-Vorfelder gab es lediglich ein wohlwollendes Votum. Danach ist in den Gremien entschieden worden."

Was wäre gewesen, wenn Bayern - Hannover (2:1) in die Verlängerung gegangen wäre, fragten sich viel Fußballfans. Die ARD hätte wohl kaum um 20.45 Uhr in die ausverkaufte Arena "Auf Schalke" umgeschaltet. "Ich war mir sicher, dass die Bayern gewinnen, sonst hätte ich einer Verschiebung nicht zugestimmt", meinte Assauer, dessen Verhältnis zum DFB-Boss spätestens seit Mai 2001 getrübt ist. Damals zog sich Mayer-Vorfelder den Zorn der Schalker zu, weil dieser im Herzschlagfinale der Bundesliga mit den Bayern auf der Tribüne in Hamburg den Titelgewinn bejubelte. Nun kündigt sich eine neue Eiszeit zwischen Assauer und Mayer-Vorfelder an, der am kommenden Montag (14.30 Uhr) bei einer Pressekonferenz von DFB, Deutscher Fußball-Liga (DFL) und Schalke im Hinblick auf das geplante Benefizspiel (16. Dezember) in der Arena zu Gast ist.

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