Andere Online-Broker äußern sich skeptisch
Privatbörse von Consors kommt nicht vom Fleck

Die anfängliche Euphorie verpuffte schnell. Zwei Monate nach der Ankündigung einer "Leitbörse für Privatanleger" in Berlin kommt das ehrgeizige Projekt des Direktbrokers Consors noch nicht richtig vom Fleck. Die anderen deutschen Online-Broker machen bislang keine Anstalten, sich an der geplanten Handelsplattform zu beteiligen. Consors braucht sie jedoch, um den Markt für Privatanleger liquider und damit auch für sich lukrativer zu gestalten.

Ende Mai macht Consors mit der Ankündigung Furore, die Mehrheit an der Berliner Effektengesellschaft zu übernehmen und sich an der Berliner Börse mit einem gewissen Prozentsatz zu beteiligen. Consors will damit eine "Leitbörse für Privatkunden" initiieren. Dazu sollen die Kunden möglichst viele Aufträge an die Regionalbörse Berlin leiten. Für die ist Consors schon jetzt ein Segen. Gut zehn Prozent des Ordervolumens stammen Schätzungen zufolge aus Nürnberg. Mit der Mehrheit an der Effektengesellschaft erlangt Consors zudem Zugang zur Berliner Freiverkehr AG, einem der wichtigsten Skontroführer in Berlin. Die Gesellschaft von Holger Timm führt das Auftragsbuch für mehr als 5 000 Freiverkehrs-Werte.



Erst Liquidität schafft günstige Preise

Vollmundig verspricht Consors seinen Kunden vom Start weg die günstigsten Preise in Deutschland. Um bei dieser Preisgarantie jedoch noch genug Gewinn zu erzielen, benötigt die "Privatbörse" Liquidität. Je mehr Anleger über Berlin ordern, desto größer wird die Chance auf ein lukratives Geschäft.

Genau hier sollten die Konkurrenten ins Spiel kommen. Doch deren Reaktion ist verhalten. Niemand kann jetzt schon abschätzen, wie hoch die Erfolgsaussichten des Projektes sind. Der Initiator des Projekts, Consors-Neuvorstand Reto Francioni, brachte zwar zu seiner Zeit als Vorstand der Deutschen Börse AG den überaus erfolgreichen Neuen Markt auf den Weg. Doch niemand setzt gerne auf das falsche Pferd. Andere alternative Handelsplätze stehen in den Startlöchern, allen voran die schwedisch-amerikanische Kooperation "Jiway", die im November starten mit einer Auswahl an internationalen Blue Chips starten will.

Die Kooperation zwischen Consors und der Effektengesellschaft könnte sich zudem zu einem Stolperstein auswachsen. So bekommen die Nürnberger Macht über einen wichtigen Mitspieler am Berliner Markt. Die Konkurrenten erhalten, sofern sie sich an der Berliner Börse beteiligen, lediglich die Börsengebühren.



Konkurrenten äußern sich mittlerweile skeptisch

So wundert es nicht, dass nach anfänglichem Optimismus über die Consors-Initiative unter den konkurrierenden Online-Brokern mittlerweile die Skepsis dominiert. Comdirect-Vorstand Bernt Weber etwa betont, wie wohl er sich im Commerzbank-Verbund fühlt. "Im Moment sehen wir keinen Handlungsbedarf." Direkt Anlage Bank-Chef Matthias Kröner wiederholt bei jeder Gelegenheit, dass er das Projekt "theoretisch konzeptionell" für sinnvoll hält. Aber eben nur theoretisch.

Bei beiden Häusern werden zudem die Mutterinstitute ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Ganz abgeschrieben hat offenbar Brokerage 24, der Direktbroker der Deutschen Bank 24, das Projekt. Es gebe "keine Überlegungen" teilzunehmen, heißt es dort.

Trotz der verhaltenen Reaktion gibt sich Consors-Vorstand Karl-Matthäus Schmidt optimistisch. "Wir kommen gut voran", sagt er, "und verhandeln weiter". Schmidt sagt auch, dass er mit traditionellen Banken verhandelt. Einige Marktbeobachter gehen dennoch mittlerweile davon aus, dass Consors die Privatbörse allein starten muss.

Sollte Consors die anderen Online-Broker jetzt oder später ins Boot ziehen wollen, muss sich das Haus etwas einfallen lassen. Eine Möglichkeit wäre, Anteile an der Effektengesellschaft abzugeben. Eine andere bestünde darin, die Häuser an der Berliner Freiverkehr AG zu beteiligen, dem Makler der Effektengesellschaft: Wenn ein Broker 33% an der Freiverkehr übernimmt, hat er genauso viel wie Consors mit seiner 53%igen Beteiligung an der Effektengesellschaft. Vorstand Timm von der Effektengesellschaft hätte damit kein Problem: "Wir sind für andere Teilnehmer offen, das steht fest."

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