Andrang neuer Billigflieger beendet Tristesse auf Ex-Regierungsflughafen
Fraport ist am Flughafen Köln Bonn interessiert

Mit dem Boom der Billigfluggesellschaften erfährt die leidgeprüfte Flughafen Köln/Bonn GmbH einen plötzlichen Aufschwung. Jahrelang das Mauerblümchen unter den großen deutschen Airports, schürt die Billigeuphorie nun große Hoffnungen in der Rheinmetropole: "Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten Jahren der am schnellsten wachsende Airport in Deutschland sind", sagte Flughafenchef Michael Garvens dem Handelsblatt.

KÖLN. Parallel dazu blickt auch der Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, mit wachsender Sympathie hinüber nach Köln. Die Fraport AG sucht die Kooperation mit dem Nachbarn, um eigene Kapazitätsengpässe zu lockern. Vom nächsten Jahr an sind die Terminals beider Airports nur noch 45 ICE-Minuten voneinander entfernt.

"Ich bin überzeugt, dass eine Kooperation für beide Unternehmen von Vorteil ist", sagte Bender dem Handelsblatt. Wie die allerdings aussehen soll, das müsse man "ganz ohne Zeitdruck" gemeinsam entwickeln. Noch sei aber die grundsätzliche Entscheidung für eine Zusammenarbeit nicht gefallen.

Die Begeisterung in Köln ist jedoch nicht überschwänglich. In Erwartung steigender Passagierzahlen durch die Billigflieger hält Garvens die Kooperation mit einem Großflughafen nicht für zwingend notwendig. "Wir sind grundsätzlich für alle Kooperationen offen, sofern sie uns weiterbringen. Aber im Moment fühlen wir uns auch allein sehr wohl", sagte der Flughafenchef. Bund und Land teilten kürzlich mit, ein Verkauf von Anteilen sei derzeit kein Thema: Erst müsse die Braut geschmückt werden, heißt es aus dem Kreis der Gesellschafter. Auch Fraport spricht nicht von Übernahme oder Beteiligung. Das könne, so Bender, erst am Ende eines langen Prozesses stehen, für den man "sehr genau rechnen muss."

Gemessen am Passagieraufkommen ist Köln/Bonn derzeit der siebtgrößte deutsche Flughafen. Nach 5,8 Millionen Fluggästen 2001 erwartet er für das laufende Jahr nur noch 5,2 Millionen. Schwarze Zahlen hat das Unternehmen - nach massiven Investitionen in die Infrastruktur - zuletzt 1999 gesehen. Der chronische Passagierschwund, der im ersten Halbjahr 2002 bei alarmierenden 15,8 % lag, dürfte allerdings bald gestoppt sein: Die neue Billigfluggesellschaft Germanwings, Tochter der Lufthansa-Beteiligung Eurowings, nimmt am 27. Oktober ihren Betrieb auf und will im ersten Geschäftsjahr bereits 1,5 Millionen Passagiere nach Köln/Bonn locken. Die TUI-Tochter Hapag Lloyd-Express, die im Dezember ebenfalls mit Billigflügen aus der Rheinmetropole startet, hat ähnlich ambitionierte Ziele: 1,3 Millionen Fluggäste im ersten Jahr, danach eine rasche Aufstockung der Billig-Flotte.

Kritik am "Aldi-Effekt

Für Flughafenchef Garvens, erst seit April 2002 im Amt, ist der Londoner Neben-Airport Stansted Vorbild. Dort hat sich die Passagierzahl innerhalb weniger Jahre durch Billigflieger auf 14 Mill. Fluggäste fast vervierfacht. Auf diesen "Aldi-Effekt" setzt auch Garvens, dessen Kurs der Aufsichtsrat am Montagabend endgültig genehmigt hat. Das Kontrollgremium begrüße die Bemühungen zur Ansiedlung von Billig-Airlines, sagte ein Flughafensprecher.

Dabei hatte es um das Konzept eines "Aldi-Airports" bis zuletzt Irritationen gegeben. Aufsichtsratschef Klaus Laepple hält die Ansiedlung von Billig-Airlines für wenig lukrativ, weil sie Gebühren drücken und für manche Dienstleistung gar nicht zahlen wollen. Die Pläne der Geschäftsführung hatte er deshalb in den Medien kritisiert und statt der Low-Cost-Masche die Kooperation mit Fraport vorgeschlagen. In einer außerordentlichen Sitzung habe Laepple "die gelbe Karte erhalten", hieß es aus dem Aufsichtsrat.

Am Airport Köln/Bonn haben Bund, Land und die Stadt Köln noch je 30 % der Anteile. Im Falle einer Privatisierung gilt die börsennotierte Fraport als Hauptinteressent. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen würde eine Kooperation mit dem Flughafen Düsseldorf zwar lieber sehen, doch von dort regt sich kaum Interesse. "Es gibt derzeit keinen Kontakt", sagte ein Sprecher des Kölner Flughafens.

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