Anerkennung für den scheidenden Konzernchef
Ferdinand Piech zieht sich bei VW zurück

Wachwechsel beim Wolfsburger Volkswagen-Konzern: Vorstandschef Ferdinand Piech zieht sich am Dienstag nach zehn Jahren an der Spitze aus dem Unternehmen zurück. In der VW-Hauptversammlung in Hamburg übergibt Piech das Ruder an seinen Nachfolger Bernd Pischetsrieder. Handelsblatt.com versucht eine Bilanz der Piech-Ära.

zel DÜSSELDORF. Der scheidende Vorstandsvorsitzende bekommt Schulnoten für die Fächer Strategie, Produkte, Führung, Shareholder Value und Informationspolitik.

Strategie: 3

Mit VW, der wichtigsten Marke innerhalb des Konzerns, hat Ferdinand Piech eine klare Strategie verfolgt. Der 64-Jährige wollte die Fahrzeuge mit dem VW-Symbol höher positionieren und den Autos aus Wolfsburg mehr Ansehen verschaffen. Wer ein besseres Image besitzt, kann auch mehr Geld verlangen - was die Ertragsrate sofort verbessert. Piech hat es ohne Zweifel erreicht, VW weiter nach oben in die Spitzenklasse unter allen Herstellern zu bringen. Doch eine klare Linie hat er nur bei der Hausmarke VW verfolgt. An anderen Stellen innerhalb des Konzerns ist er bei weitem nicht so konsequent vorgegangen. Bis heute ist beispielsweise unklar, was auf Dauer mit der spanischen Tochter Seat passieren soll. Das Gleiche gilt für Nutzfahrzeuge: Piech hat zwar den Einstieg bei Scania erreicht. Doch niemand kann sagen, ob VW wirklich auch ein Anbieter von schweren Lkw werden soll. Deshalb kann es für diese Leistung nur die Note befriedigend geben.

Produkte: 1-

Piech ist gleichermaßen Autonarr und begnadeter Ingenieur - die Ausstrahlung von seinem Großvater Ferdinand Porsche ist unverkennbar. Versessen hat er sich manchmal daran gesetzt, dass ein Auto noch besser aussieht und eine noch höhere Motorleistung abgibt. Für die Marke VW hat sich diese Strategie auf jeden Fall ausgezahlt - mit einem VW Golf lässt sich heute immer noch mehr verdienen als mit vergleichbaren Konkurrenzprodukten. Kleiner Schönheitsfehler: Manchmal hat sich Piech mit seiner Produktverliebtheit überschlagen, wenn etwa baugleiche Autos unterschiedlicher Konzernmarken auf den Markt kamen. So stehen sich etwa VW Lupo und Seat Arosa als fast identische Autos gegenseitig auf den Füßen - ein Modell hätte statt dessen auch gereicht. Wegen dieser Einschränkung gibt es für Piech kein glattes "Sehr gut". Doch ohne Zweifel hebt er sich mit seiner starken Leistung im Produktbereich deutlich vom Branchendurchschnitt ab.

Führungskompetenz: 3-

Ferdinand Piech ist kein Demokrat. Im Unternehmen hat er seine eigenen Ziele konsequent verfolgt und umgesetzt. Wer sich ihm in den Weg stellte, hat in Wolfsburg Schwierigkeiten bekommen. Aber Piech weiß nur zu gut, dass er einen großen Konzern nicht allein steuern kann und eine kompetente Mannschaft um sich herum braucht. Mit seinen Vertrauten hat er gut bis bestens zusammengearbeitet, doch in den Genuss eben dieses Vertrauens kam nur ein kleiner Kreis. Piech hat damit überrascht, dass er seinem designierten Nachfolger Pischetsrieder extrem viel Raum gegeben hat und selbst kaum noch in der Öffentlichkeit aufgetreten ist. Piech kann also doch laufen und andere an sich vorbei ziehen lassen. Für diese dann insgesamt eher durchschnittliche Leistung reicht es gerade noch zu einem "befriedigend".

Shareholder Value: 3+

Zu Anfang hat er sich mit diesem Themenfeld extrem schwer getan. Als Ingenieur ist ihm die Finanzwelt fremd, weshalb sollte er sich also damit beschäftigten? Doch Piech hat im Lauf von zehn Jahren an der Spitze von VW einiges dazu gelernt. Auch ihm ist klar geworden, dass VW als ein an der Börse notiertes Unternehmen an seine Aktionäre zu denken hat. Und Piech ist es gelungen, den schwerfälligen Tanker Volkswagen auf Vordermann zu bringen. Vor zehn Jahren stand ein Milliarden-Verlust in den Büchern - heute stehen diese Milliarden-Beträge für VW-Gewinne. Allerdings hätte er natürlich mehr machen können. In Sachen Produktivität gibt es bei Volkswagen noch einiges aufzuholen, einige Konkurrenten sind auf diesem Feld deutlich besser. Jetzt muss der Nachfolger Pischetsrieder dafür sorgen, dass VW auch auf diesem Feld noch zulegt. Piech bekommt für seine Performance in diesem speziellen Bereich eine gute Drei.

Informationspolitik: 4+

Wahrlich keine Sache, die dem introvertrierten Piech so richtig liegt. Offenheit ist nicht seine Stärke - vor allem nicht während der ersten Jahre auf dem Wolfsburger Chefsessel. Piech hat alle wichtigen Details lieber im kleinen Kreis verbreiten lassen, besonders in Börsen- und Finanzkreisen war seine Informationsbereitschaft nicht sonderlich ausgeprägt. Hier liegt bei VW auch heute Vieles im Argen - Bernd Pischetsrieder hat in Sachen Informationspolitik noch einiges zu tun. Für Ferdinand Piech bleibt deshalb nur das "Ausreichend".

Gesamtnote: Ferdinand Piech hat seine Stärken in den Bereichen Technik und Produkt. Schwieriger war es für ihn hingegen immer, wenn er sich in der Finanzwelt bewegen musste. Insgesamt gibt es für ihn nur ein "befriedigend" - wegen seiner großen Produktkompetenz jedoch mit einem ganz dicken Plus.

Welche Note würden Sie Ferdinand Piech ins Zeugnis schreiben? Stimmen Sie ab.

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